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Wohnen beim Discounter

Aldi machte es in Berlin vor. Lidl zog rasch nach. Nun springt auch Tengelmann auf den Zug auf: Als dritte deutsche Supermarktkette lässt sie neue Wohn- und Geschäftshäuser bauen, wo bisher eingeschossige Verkaufshallen standen. Die ersten Häuser sollen im Berliner Bezirk Pankow 2020 bezugsfertig sein. Gestaltet werden sie vom Büro Jürgen Mayer H.

 

Text: Elias Baumgarten – 8. Oktober 2018

 

750 neue Wohnungen
Die deutsche Supermarktkette Tengelmann hat die Trei Real Estate als hundertprozentige Tochtergesellschaft gegründet. Diese soll in Berlin Wohn- und Geschäftshäuser errichten, wo sich bisher nur eingeschossige Märkte und Kundenparkplätze befanden. Damit folgt Tengelmann den Discountern Aldi und Lidl, die bereits daran arbeiten, Verkaufshallen durch Häuser mit Ladenflächen und Wohnungen zu ersetzen. An vier Standorten in den Berliner Stadtteilen Pankow, Prenzlauer Berg, Mitte und Kreuzberg sollen insgesamt 750 Wohnungen entstehen.

 

Pilotprojekt 
Die ersten Häuser werden an der Pappelallee 45–53 in Berlin-Pankow entstehen. Ein alter Flachbau mit grossem Parkplatz wurde dafür schon im Juli 2018 abgetragen. Die neue Bebauung gestaltet das Büro Jürgen Mayer H. Sie soll Platz bieten für 2 600 Quadratmeter Ladenfläche und 240 Wohnungen. Die Baukosten schätzt Tengelmann auf EUR 82 Millionen. Das Projekt soll den benachbarten Blockrand schliessen und einen Flügel nach hinten in den Hof ausstrecken. Einzelne Wohnungen sollen Balkone erhalten und an den poppigen-geschwungenen Fassaden wechseln sich Weiss- und Grautöne ab.

 

Politische Förderung
Indem Supermarktketten ihre Flachbauten durch Wohn- und Geschäftshäuser ersetzen, verfolgen sie nicht nur eigene wirtschaftliche Ziele, sondern entsprechen auch dem Willen der Berliner Regierung: Schon in 2015 hatte die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über 300 eingeschossige Lebensmittel-, Drogerie- und Getränkemärkte identifiziert, auf deren Grundstücken sie sich neue Gebäude als Beitrag zur Nachverdichtung und zur Milderung der Wohnungsnot in der Stadt wünscht. Und im September 2018 fand ein «Supermarktgipfel» statt, an dem Politiker und Branchenvertreter über Möglichkeiten zur Unterstützung der Bauvorhaben sondierten.

 

> archithese und das ETH Wohnforum haben am 21. Juni 2018 ein gemeinsames Symposium zum Wohnungsbau durchgeführt. Sie können den gesamten Abend als Film abrufen.

> Zu Problemen und Potenzialen im Wohnungsbau in Deutschland, Österreich und der Schweiz lesen Sie die E-Version der archithese 2.2018. 

> Am 21. September 2018 lud die deutsche Bundesregierung zum grossen Wohnungsgipfel nach Berlin ein. Der Wille zum Handeln ist da, die Strategien sind mau. 

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