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Was mache ich für Geld?

Zwanzig Jahre nach ihrer Entstehung, zeigt sich die europäische Biennale für zeitgenössische Kunst experimentierfreudig und kritisch. Das nomadische Ausstellungsformat ist in ihrem Wesen des über den Kontinent hinaus wirkenden Kunst-Events ein bestärkendes Zeichen für das Verständnis eines europäischen Geistes ohne Grenzen. So wurden dieses Jahr wieder dreissig internationale Künstler eingeladen einen Beitrag zur Biennale zu leisten.

 

 

Text: Anna Valentiny – 18.4.2015

Unter dem Titel What Peole do for Money. Some Joint Ventures werden auf der Manifesta dreissig Neuproduktionen gezeigt. Die in Kooperation von Künstlern aus aller Welt und Zürcher Berufsleuten entstehenden Kunstakte verdeutlichen den Anspruch der Biennale, die Gegenwartskunst und ihre Rolle in der Gesellschaft einem breiten Publikum näher zu bringen.
Daneben entwickelte der diesjährige Kurator der Manifesta Christian Jankowski zusammen mit Franscesca Gavin die historische Ausstellung Sites under Construction, die über 100 Positionen fasst und von von Beiträgen der Vergangenheit erzählt. Hier werden die verschiedenen Modi künstlerischer Darstellung aktueller wie historischer Arbeitswelten durchgespielt und erforscht.

 

ETH Zürich entwirft zwei Spielorte
Jede der zum Thema Joint Ventures realisierten Arbeiten hat dabei drei Präsentationsplattformen: in einem Satelliten,  in einer der klassischen Kunstinstitutionen der Stadt Zürich und in Form eines Films auf dem Pavillon of Reflections: Die vom Studio Tom Emerson entworfene Plattform schwimmt im Züricher See und ist neue architektonische Ikone der Manifesta 11. Am Mittwoch werden die ersten Holzelemente auf den Pontons montiert. Noch treibt der Pavillon auf Höhe der Landiwiese und wird ungefähr am 25. Mai an seinen «Standort» im See am Bellevue geschleppt.
Ein weiterer Austellungs- oder besser Performance Ort, wird das umgestaltete Cabaret Voltaire sein, das als Zunfthaus der Künstler eingerichtet wird. Nach aussen hin wird ein Erker aus Kunststoff die Transformation des geschichtsträchtigen Gebäudes repräsentieren, von dem vor 100 Jahren die Kunstbewegung des Dadaismus ausging.
Das Innere verwandelt sich dem Thema der Biennale entsprechend in eine Arbeitswelt in der Art eines Bürogebäudes. Wer der Zunft der Künstler, entworfen im Studio von Prof. Alex Lehnerer an der ETH Zürich, beitreten will, muss eine Performance vortragen.

 

Von Zürich nach Venedig...
Während die Partizipation des Einzelnen, des Besuchers ausdrückliches Ausstellungsthema ist, weiss doch das zukünftige Publikum und die Leitung der Manifesta um die illusionistische und gefährliche Komponente des elitären Spiels: Auch 2016 in Zürich kann nicht jeder mitmachen. Der Ausstellungstitel Was mache ich für Geld? klingt im ersten Moment angesichts der humanitären Katastrophen im Mittelmeerraum geradezu obszön.
Wie die Architekturbiennale in Venedig mit ihrem Thema Reporting from the Front, läuft auch die Manifesta Gefahr naïve Lösungsvorschläge vor einem vorwiegend (zentral)europäischen Publikum zu präsentieren. Der Problematik ist sich auch Direktorin Hedwig Fijen bewusst:
«Eine Manifesta in der Schweiz, in einem Land, das mit seinem System der direkten Demokratie, einem hohen Lebensstandard und einer isolationistischen Aussenpolitik einen geradezu idyllischen Charakter hat, fühlt sich durchaus surreal an in einer Zeit, in der sich Europa mit der dramatischsten humanitären Krise seit dem zweiten Weltkrieg konfrontiert sieht. Gleichwohl zieht auch diese Manifesta aus genau dieser Diskrepanz ihre besondere Bewandtnis.»

 

…und ein Ausblick auf die Welt
Hedwig Fijens Wunsch einen wirklich Dialog zu öffnen, klingt an dieser Stelle an.
Und auch die Wahl der geladenen Künstler, wie beispielsweise die des französische Schriftstellers Michel Houellebecq verdeutlicht, dass die Manifesta nicht um jeden Preis versöhnlich sein will.
Houellebecq wurde als Autor von Karte und Gebiet (2010) und zuletzt Unterwerfung (2015) bekannt. Der im Zuge nicht weniger Romanpassagen als rassistisch, reaktionär und islamophob bezeichnete Franzose ist eine der meist diskutierten Autorenfigur unserer Zeit. Seine ambivalent rezipierten Arbeiten polarisieren. Damit bietet allein seine Anwesenheit während der Manifesta Grundlage für tiefgreifende Debatten. Im Zuge der Biennale wird sich Houellebecq in Zusammenarbeit mit einem Arzt einem minutiösen Check-Up seines Körpers unterziehen. Der Besucher be- und durchschaut das materielle Wesen des Künstlers.
So ist das Ausstellungsthema der Manifesta What Peole do for Money: Some Joint Ventures vielschichtig. Der Besucher kann gespannt auf eine Ausstellung hoffen, die wirkliche Fragen zu thematisieren verspricht. Das inszenierte, bildlichen Entblößen Michel Houellebecqs bietet ein Leitbild für potenzielle Dialoge inhaltlichenr Aufrichtigkeit.

 

Weitere Informationen zum vollständigen Verantstaltungsprogramm und zu den teilnehmenden Künstlern finden sie hier.

 

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