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Unsichtbares Museum

BIG entwarf in Blåvand an der dänischen Nordseeküste ein spektakuläres Museum: Mit Tirpitz reagieren sie auf den gleichnamigen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

 

Text: Cyrill Schmidiger – 3.8.2017

 

Das neue Museum wurde in unmittelbarer Nähe eines gigantischen Bunkers erbaut. Die 1944 begonnene Artilleriefestung Tirpitz sollte als Teil des Atlantikwalls das vom Deutschen Reich eroberte kontinentale Festland schützen, wurde von der Besatzungsmacht aber nie fertiggestellt. Nun ergänzte BIG einen 2 500 Quadratmeter grosse Neubau, der mit einem Teil seiner Ausstellungen diese militärische Geschichte erneut diskutiert. Das dänische Büro nennt sein Projekt ein «invisible museum». Es passt sich diskret in die weite, unter Naturschutz stehende Dünenlandschaft ein und schafft so eine architektonisch sanfte, aber ideell sehr bestimmt formulierte Antithese zum Kriegsrelikt: Kontrastierend zum isoliert dastehenden Betonbunker kommuniziert das Tirpitz mit der Natur und suggeriert auf den ersten Blick sogar eine nahtlose Einbettung in die Landschaft.
Der Neubau nimmt drei verschiedene Sammlungen und eine Galerie für Sonderausstellungen in sich auf. Sie ordnen sich um einen rechteckigen Platz an, von dessen Eckpunkte lineare Passagen in alle vier Himmelsrichtungen verlaufen. Diese cuts brechen die Sanddünen auf und lassen das Gebäude als subtil gesetzten Schnittpunkt in der Landschaft erscheinen. Vom zentralen Platz aus sind die vier teilversenkten Museumsräume erschlossen. Durch ihre sechs Meter hohen Glasfronten fliesst reichlich Licht nach innen. Die imposanten Sichtbetonmauern der Ausstellungsbereiche tragen die spektakuläre, mit Strandhafer bewachsene Dachterrasse. Realisiert wurde sie von den Zürcher Bauingenieuren Lüchinger + Meyer. Ein unterirdischer Tunnel verbindet die neuen Räume mit dem alten Bunker, wo die Geschichte des Atlantikwalls diskutiert wird.

 

Eindrücke vom neuen Museum vermittelt auch ein kurzer Film.

 

> Am 1. Dezember 2017 erscheint eine archithese zum Thema Ruinen. Darin untersucht die Redaktion unterschiedliche Facetten ruinöser Bauwerke – so die Pflege und (übertriebene) Rekonstruktion, die Mystifizierung ihrer Zerstörung oder politische Akte des Überformens und Versteckens.

> Im Dezemberheft 2018 beschäftigt sich archithese mit Land Art und Erdarchitektur. Dort stellen wir Bauten vor, bei denen kaum oder gar nicht zwischen Architektur und Landschaft, zwischen Objekt und Erde unterschieden werden kann.

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