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Ungewohnte Innenwelten

Die beiden Büro- und Gewerbekomplexe an der Förrlibuckstrasse 178/180 in Zürich müssen einem Projekt von EM2N weichen. Das nimmt die Sollbruchstelle zum Anlass, um zwischen dem Alt- und Neubau künstlerisch zu vermitteln. Im Rahmen des Projekts 04 sind noch vom 21. bis 25. Februar 2018 erfrischende Installationen zu sehen. Kunst und Architektur treten in einen Dialog, der ganz im Zeichen des Ephemeren steht.

 

Text: Cyrill Schmidiger – 19.2.2018

Fotos: Sollbruchstelle
Visualisierungen: nightnurse images

 

Fragwürdiger Abriss
Der postmoderne Granitbau mit dem Restaurant Westend und der Nachbarblock an der Förrlibuckstrasse 178/180 im Kreis 5 sind noch nicht einmal 30 Jahre alt. Trotzdem werden sie abgerissen. Der Tagesanzeiger berichtete 2016, dass rund ein Drittel der Räume leer stehen. Dieses Phänomen ist nicht neu, gibt es doch – nicht nur in Zürich – seit mehreren Jahren ein Überangebot an Büro- und Gewerbeflächen. So erstaunt es, dass das Projekt von EM2N wiederum ein solches Nutzungsangebot vorsieht. Der dreiteilige Gebäudekomplex, bei dem ein 68 Meter hohes Hochhaus einen neuen Akzent in der Silhouette von Zürich-West setzt, soll flexiblere Grundrisse aufweisen. Zudem wird er den heutigen energetischen Anforderungen angepasst. Insgesamt erhofft sich die Bauherrschaft mehr Attraktivität in einem übersättigten Markt – das Neue soll das Alte ausstechen. Ob die Rechnung aufgehen wird? Ab Dezember 2020 werden wir es erfahren: Auf dann ist die Fertigstellung des Projekts geplant.

 

Flüchtig und temporär
Hier geht es aber nicht um diesen Diskurs, sondern um die künstlerische Auseinandersetzung mit zwei Liegenschaften, die abgerissen werden. Schon zum vierten Mal sucht das Team der Sollbruchstelle mittels Kunst den Dialog mit «sterbenden Bauten», wie die beiden Initiatoren Nikkol Rot und Jenja Roman Doerig das Ende eines Hauses auch noch bezeichnen. Vom 21. bis 25. Februar 2018 findet deshalb im ehemaligen Restaurant Westend an der Förrlibuckstrasse 180 die Ausstellung Projekt 04 statt. Sie verwandelt die Liegenschaft in einen temporären Kunstraum. Die präsentierten Werke sind alle ephemer und sollen den Übergang vom Alt- zum Neubau erfahrbar machen. Gemeinsam mit den beiden Büroblocks werden sie dann wieder vernichtet.

 

Vermitteln
Weil die Architekten von EM2N an der Ausstellung gleichzeitig ihr neues Projekt präsentieren, fällt der Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorne – schliesslich bedeutet ein Abbruch immer auch einen Aufbruch. Es sind Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Architektur und Kunst von Olaf Breuning, Gregory Hari, Eric Hattan, Georg Lendorff, Nico Sebastian Meyer, Janet Mueller, Valentina Minnig, Luzia Rink, Gwendolyn Versluis und Saskia Widmer zu sehen. Sie alle wollen dem Abbruchobjekt die letzte Ehre erweisen, sich aber ebenso für den architektonischen Neuanfang öffnen.

 

Vom 21. bis 25. Februar 2018 findet im ehemaligen Restaurant Westend an der Förrlibuckstrasse 180 in Zürich die Ausstellung Projekt 04 statt. Sie wird durch ein Rahmenprogramm ergänzt, das Konzerte, Lesungen oder Filme umfasst.

 

> In archithese 4.2017 Ruinen erfahren Sie mehr über das Ephemere in der Architektur.

> Die Ausstellung Does Permanence Matter? Ephemeral Urbanism stellte das Thema der stadtplanerischen Dauerhaftigkeit in Frage.

> In der Swiss Performance 2018 besprechen wir den Umbau eines Büro- und Gewerbehauses in Wohnungen von Demuth Hagenmüller & Lamprecht Architekten.

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Architektur und Kunst


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