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Umfassende Schau

Mit vier parallel laufenden Ausstellungen feiert das Vitra Design Museum Charles und Ray Eames. Die Gala präsentiert nicht nur ikonische Möbel und Case Study-Architektur, sondern nimmt sich vor allem auch ihrem filmischen Œuvre an. Diese medialen Arbeiten rücken das kreative Duo in ein neues, erfrischendes Licht.

 

Text: Cyrill Schmidiger – 23.10.2017

 

Breites Programm
An Eames Celebration ist eine ambitionierte Schau: Gleich vier Ausstellungen widmen sich auf dem Vitra Campus dem facettenreichen Schaffen der beiden US-Amerikaner. Trotz unterschiedlicher Inhalte sind die einzelnen Konzepte eng miteinander verflochten. Das Werk der Eames' ist nämlich gross: Schon in der Hauptausstellung The Power of Design gibt es viel zu entdecken, so dass der dekonstruktivistische Bau von Frank Gehry zu einer kompakt bespielten Schaubox mutiert. Und da in einigen Räumen mehrere Filme auf die weissen Wände projiziert werden, bleibt vom überraschend neuinterpretierten white cube des Stararchitekten nicht mehr viel übrig.The Power of Design erlaubt trotzdem einen profunden Einblick in das Werk der Eames’. Dabei wird schon vielfach Gesehenes diskutiert, wie etwa der Lounge Chair, die Aluminium Group oder die Case Study Houses, aber auch weniger Bekanntes steht im Mittelpunkt: Dass Charles und Ray Eames hinsichtlich neuer Medientechnologien eine Pionierrolle einnahmen und so quasi am Anfang der kalifornischen Start-up-Kultur standen, ist beispielsweise noch wenig erforscht.

 

Intellektuelle Offenheit
Das dynamische Duo war neugierig auf die Welt und generell am Leben interessiert: Architektur, Design und Kunst, aber auch Naturwissenschaften und Technik stellten die Schwerpunkte dar, gerade auch in ihren filmischen Experimenten. Der Film bildete für sie ein zentrales Medium, um Informationen und Wissen zu vermitteln. Einige Beispiele werden im Gehry-Gebäude gezeigt, so etwa der für IBM produzierte Kurzfilm Powers of Ten von 1977. Er macht anhand von Zehnerpotenzen die relative Grösse der Dinge im Universum deutlich. In Zaha Hadids berühmter Feuerwache sind unter dem Ausstellungstitel Ideas and Informations nochmals rund 60, teils noch nie gezeigte Videos zu sehen.

 

«Take your pleasure seriously!»
Die Eames’ hegten nicht nur eine Passion für den Film und die Fotografie, sondern auch eine für das Spiel. Das Duo betrachtete die Welt der Kinderals Quelle jeglicher Kreativität. So kann sich der (noch nicht) erwachsene Besucher in der Play Parade der Vitra Design Museum Gallery den von ihnen entworfenen Gegenständen hingeben. Verspielt waren sie, die Eames’. Das merkt man auch an ihrem Spruch «Ala Kazam!», was soviel wie Abrakadabra bedeutet. Damit bezeichnete das Paar die Fähigkeit der Maschine, Sperrholzplatten in eine dreidimensionale Sitzschale zu transformieren. Im Schaudepot von Herzog & de Meuron erlaubt die Ausstellung Kazam! Einsicht in diese Entwurfspraxis, mit der die Eames' verschiedene (biomorphe) Formen und Materialien – vor allem Sperrholz, Aluminium und Fiberglas – erprobten. Umgeben von imposanten Regalen, in denen das Schaudepot permanent einen Teil seiner Designsammlung zeigt, verliert die ohnehin schon kleine Ausstellung zu den Möbelexperimenten allerdings etwas an Wirkung. Lernreich ist sie aber allemal.

 

Die Ausstellungen der Eames Celebration finden bis zum 11. beziehungsweise 25. Februar 2018 im Vitra Design Museum in Weil am Rhein statt.

 

> Lesen Sie eine Besprechung der Architektur des Schaudepot-Neubau auf dem Vitra Campus.

> archithese lädt am 7. Dezember 2017 ins Schaudepot auf den Vitra Campus ein. Arno Brandlhuber wird einen Werkvortrag zum architektronischen Potenzial der Ruine halten.

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