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Thicket

Frank Barkow und Regine Leibinger lassen in Princeton in einer sinnlichen Installation die Metallstäbe rauschen.

 

 

Autor: Jørg Himmelreich – 24.12.2016

 

Thicket, eine Installation des deutsch-amerikanischen Architekturbüros Barkow Leibinger, löst die Grenzen zwischen physischer Materialität und Raumbildung auf: Ein ephemeres Poché aus gebündelten Metallstäben bildet eine Abfolge von Räumen und Wegen, die eine Vielzahl visueller Effekte wie Moiré, Transparenz, Transluzenz und Opazität hervorrufen. Die Bündel sind sich selbst stabilisierende Strukturen, die Räume definieren, ein Dach tragen, die umschlossen oder verkleidet werden und technische Systeme führen können – der Ausstellungspavillon ist ein Prototyp hierfür. Die Einzelelemente des Systems sind CNC-gebogen, eine gängige Technologie zur Herstellung von Alltagsgegenständen, wie beispielsweise Kleiderbügeln aus Draht. Die Installation entwickelt ein historisches Konzept – den im 20. Jahrhundert von Pionieren wie Konrad Wachsmann oder Buckminster Fuller entwickelten Space Frame – zu einem vollständig dreidimensional einsetzbaren, vertikalen Struktursystem weiter.

In einer aktuellen Ausstellung in Princeton sind dem Thicket-Pavillon und Grafiken von Barkow Leibinger die Zeichnung Structural Grapevine von Konrad Wachsmann und der Film Swamp von Robert Smithson und Nancy Holt aus dem Jahr 1971 gegenübergestellt. Begleitend erschien ausserdem ein Essay von Niklas Maak, Autor und Kulturredakteur bei der Frankfurter Allgemeine Zeitung und Dozent in Harvard.

Insbesondere die Filmprojektion stellt eine unmittelbare Referenz zum räumlichen Erleben der Thicket-Installation her. Swamp zeigt, wie sich, inmitten von Schilfbündeln und mit einer Handkamera gefilmt, flüchtige Momente von visueller Orientierung und räumlicher Erfahrung einstellen – Effekte, die man sich leicht auch beim Durchqueren eines (in diesem Fall grenzenlos erscheinenden) Dickichts vorstellen kann.

Die Ausstellung Thicket ist bis zum 15. Januar 2017 in der North Gallery der Princeton University School of Architecture zu sehen.

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