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Spiegelnder Fels

Sebastian Redeckes Urteil zur Universitätsbibliothek

 

Text & Bild: Elias Baumgarten - 11.12.2015

 

Die Kritik Sebastian Redeckes an Heinrich Degelos Freiburger Universitätsbibliothek in der Bauwelt fällt zunächst ziemlich negativ aus: Das Gebäude sei ein Solitär, der seine Umgebung negiere und sich mit seiner Fassade von ihr abschotte. Keine Freundlichkeit, keine Leichtigkeit wie noch im Wettbewerbsbeitrag von 2006, sondern ein «spiegelnder Fels». Redecke lastet dem Basler Architekten an, dass die Betonstruktur des Bestands nicht wie versprochen umhüllt, sondern aus statischen und finanziellen Gründen ersetzt wurde. So wird suggeriert, Degelo habe seine Arbeit im Vorfeld nicht gewissenhaft genug oder sogar schlampig gemacht. Weiter ist zu lesen, Degelo verstehe die Kritik an der Wucht der Fassade nicht – auch das ist ein Vorwurf, der zwischen den Zeilen dessen Kompetenz in Frage stellt: Die Fassade wirke nun unfreundlich, irritiere die Anwohner und sei in ihrer Abstraktheit unpassend, man könne beispielsweise die einzelnen Geschosse nicht mehr ablesen. Warum, so fragt sich der Kritiker, wurde während der Planung nicht interveniert?

Positiv beurteilt Redecke dagegen das Aussehen der Bibliothek bei Nacht. Dann kehre sich die Wirkung der Fassade um und der «schwarze Fels» leuchte, wenngleich das Licht leider kalt sei wie in einer Maschinenhalle.

Deutlich mehr Lob erntet dagegen das Interieur und besonders die Ausblicke vom Parlatorium auf der Nordseite gefallen dem Autor. In den Ruhesesseln von Virta dort nimmt man demnach gerne Platz. Und auch von der technischen Ausstattung zeigt sich Redecke beeindruckt, so etwa von der automatisierten Buchrückgabe, entwickelt von einer auf Gepäckverteilanlagen spezialisierten Firma. Kurz: Während Redecke die Fassade für unpassend und «fragwürdig» hält, ist das Gebäudeinnere seinem Dafürhalten nach positiv zu bewerten und wartet mit zahlreichen guten Ideen auf. Aus diesem Grund traut er dem «spiegelnden Fels» trotz all der scharfen Kritik zu, das «neue Herz des Campus» zu werden.

 

Die ganze Kritik ist in Bauwelt 46.2015 zu lesen.

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