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Schieflage auf dem deutschen Wohnungsmarkt

Die Süddeutsche Zeitung hat umfassende Daten zur Lage auf dem bundesdeutschen Wohnungsmarkt vorgelegt. Die Ergebnisse sind alarmierend.

 

Text: Julian Bruns – 24.7.2018
Grafik: Screenshot sueddeutsche.de

 

Wie teuer ist es, in Deutschland zur Miete zu Wohnen? Wie oft wird umgezogen? Die Süddeutsche Zeitung hat in einer bundesweiten (nicht repräsentativen) Umfrage 57 000 Menschen und Mietparteien befragt und die Daten ausgewertet. Die Ergebnisse sind besorgniserregend: Insbesondere in den Ballungszentren München, Hamburg und Berlin ist die Lage für Geringverdiener prekär und auch die Mittelschicht ächzt unter dem hohen Preisniveau. So ist etwa in München die Durchschnittsmiete seit 1995 um knapp 80 Prozentpunkte gestiegen – zugleich hat sich die Anzahl der Sozialwohnungen seit 1990 halbiert.

 

Die Mieten fressen die Löhne
Laut Sozialwissenschaftlern sollten gerade Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen nicht mehr als 30 Prozent ihres Lohns für die Miete aufwenden müssen, da sonst nicht genug Geld für andere Ausgaben bleibt. Fast ein Drittel aller Befragten gab jedoch an, bereits mehr als 30 Prozent ihres Einkommens auf die Miete zu verwenden. Bei einem Verdienst von unter EUR 4 000 sind es schon 44 Prozent und bei weniger als EUR 2 000 monatlich sogar mehr als 60. Ebenfalls stark belastet wird die Gruppe der Alleinerziehenden, die sich gegen Paare und Doppelverdiener auf dem Wohnungsmarkt behaupten muss. 61 Prozent gaben hier mehr als ein Drittel ihres Lohns für Mietkosten aus.

 

Eingefrorene Märkte
Zudem ist laut Immobilienexperten eine Umzugsquote von über 10 Prozent ist nötig für einen gesunden Wohnungsmarkt. Auch in dieser Beziehung geben die Zahlen Anlass zur Besorgnis: In den 20 grössten Städten liegt sie nur noch bei durchschnittlich 8,6 Prozent. In Berlin und München sind es sogar nur noch 6,7 Prozent. Die Menschen bleiben auch in für unpassenden Wohnungen, da ein neuer Vertrag meistens mit einer saftigen Mietzinssteigerung verbunden ist. So kletterten die Preise für Neuvermietungen etwa in Berlin allein in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent und in München um 35. Neben der Angst vor höheren Mieten verschlimmern ein Mangel an Alternativen auf dem überbelasteten Wohnungsmarkt und die Furcht vor einer entsprechend langwierigen Suche diesen so genannten Lock-in-Effekt. 

 

Auf einer Sonderseite der Süddeutschen Zeitung sind die Informationen grafisch aufbereitet und mit Hintergrundtexten, Expertenmeinungen sowie den persönlichen Berichten der Teilnehmer ergänzt.

 

 

> Beim Wohnungsbau-Symposium (gegen) die Norm diskutierten am 21. Juni 2018 sechs Referentinnen über den Einfluss von Konventionen, Gesetzen und ökonomischen Zwängen auf heutige Wohnformen. Den ganzen Abend gibt es hier als Film.

archithese 3.2018 nimmt den Wohnungsbau in der Schweiz, Deutschland und Österreich unter die Lupe.

> Mehr zur Wohnsituation in München lesen Sie in der kommenden archithese 3.2018 Bayern.

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