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Pisé – Stampflehm

Archizoom – das Austellungsgefäss der Architekturfakultät der EPF Lausanne – zeigt eine Ausstellung rund um die Stampflehmbauweise. Denn obwohl Lehm potenziell schier endlos vorhanden und nachhaltig ist, findet er als Baustoff bisher kaum Verwendung. Doch das soll sich bald ändern. Materialproben und Modelle sollen ihn greifbar machen und eine physische «Kontaktaufnahme» ermöglichen. Zudem werden die verschiedenen Komponenten und Techniken von der traditionellen Bauweise bis hin zur modernen Vorfertigung dargestellt und erläutert. Forschungsergebnisse der EPFL eröffenen eine Zukunftsperspektive auf die Entwicklung des Baustoffs.
Zur Eröffnung der Ausstellung wird Roger Boltshauser, Gastdozent in Lausanne, das Lehmhaus Rauch in Schlinz – ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Lehmbaumeister Martin Rauch – vorstellen.

 

Text: Anne-Dorothée Herbort – 13.3.2017
Bild: Boltshauser Architekten, Martin Rauch, Lehmhaus Rauch, Schlins, 2008 

 

Von gestampft bis vorgefertigt
Trotz seiner Nachhaltigkeit wird Lehm in unserer Kultur nur sehr selten verbaut. Doch eigentlich sind solche Konstruktionen in Europa schon seit 2000 Jahren bekannt. Hannibal soll seine Festungen schon mit gestampfter Erde errichtet haben. Und im französisch-alpinen Rhonetal kam diese Bauweise erstmals im Zusammenhang mit den rapiden Stadterweiterungen Mitte des 16. Jahrhundert auf. Über den Leinenhandel, der im 17. Jahrhundert rege mit Frankreich betrieben wurde, schwappte das technische Wissen schliesslich auch in die Westschweiz. Einen zweiten Höhepunkt erfuhr das Bauen mit Lehm im Zusammenhang mit der Landflucht und der resultierenden Wohnungsknappheit, die im 19. Jahrhundert in den Städten herrschte.
Die Ausstelllung von Archizoom möchte nun diesen nachhaltigen und energieeffizienten Baustoff wieder auf die Agenda setzen. Materialproben und Modelle sollen ihn den Besuchern näher bringen. Die verschiedenen Komponenten und Techniken – von der traditionellen Bauweise bis zum heutigen Stand der Dinge werden aufgezeigt und erläutert. In den Vordergrund stellen die Ausstellungsmacher die industrielle Vorfertigung, welche ganz neue Möglichkeiten in der Konstruktion mit Lehm eröffnen soll. Zudem geben Forschungsergebnisse der EPFL einen Ausblick in die Entwicklung des Baustoffes. Demnach bergen hybride Bauweisen – etwa die Kombination mit Ziegelsteinen – das grösste Potenzial für künftigen Einsatz.

 

Geschichtete Swissbox
Roger Boltshauser wird im Rahmen der Vernissage seine Erfahrungen mit Stampflehm anhand des Lemhaus Rauch vorstellen. Zusammen mit dem Fachexperten Martin Rauch hat er dieses Wohnhaus im österreichischen Schlins wörtlich aus der Erde gestampft. Das kantige Volumen schmiegt sich an einen steilen Südhang. Zwischen den typischen Lehmschichten sind Lagen aus Ziegelleisten eingefügt. Sie sollen die Horizontalität betonen und die Licht- und Schattenwirkung der Oberflächentextur verstärken. Mit dem Übertrag der üblichen weichen Kanten der traditionellen Stampflehmbauweise in klare und scharfkantige Formen nahe am Schweizer Minimalismus versucht die Gestaltung indes, den Bogen in die Gegenwart zu schlagen.

 

Die Vernissage findet am 20. März 2017 um 18.00 Uhr im Gebäude SG in der EPFL statt. Die Ausstellung ist bis zum 27. Mai zu sehen.
Im Rahmen der Schau sind weitere Vorträge und Workshops geplant.

  

> In der nächsten Ausgabe der archithese 2.2017 Neues Feingefühl stellen wir Ihnen das Büro Capaul & Blumenthal und einige ihrer Projekte vor; unter anderen auch das aus Lehm gestampfte Kino Sils Plaz in Ilanz.

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