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Monobloc

– Das am weitesten verbreitete Möbelstück der Welt ist Inbegriff von Massenware. Das Vitra Design Museum widmet der Sitzgelegenheit aus einem Guss weissen Kunststoffs eine Schau, die ihre Entstehungsgeschichte aufzeigt und ihren Einfluss auf Kultur und Konsum ergründen möchte. Am Mittwoch, dem 19.4.2017 führt die Kuratorin Heng Zhi durch die Ausstellung.

 

Text: Anne-Dorothée Herbort – 14.4.2017
Bild: Tina Röder, White Billion Chairs (Foto: Christoph Sagel)

 

Allgegenwärtig
Inbegriff der Massenware ist der Monobloc überall dort zu finden, wo eine schlichte, billige Sitzgelegenheit gebraucht wird. Ob in europäischen Vorgärten, afrikanischen Cafés oder asiatischen Strassenrestaurants – der weisse Kunststoffstuhl ist Alltagsobjekt und allgegenwärtig. Die Ausstellung im 2016 eröffneten und von den Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron geplanten Schaudepot des Vitra Design Museums möchte die Geschichte dieses omnipräsenten und doch wenig erforschten Alltagsobjekts erforschen und  anhand von 20 Objekten die Entwicklung und die Symbolik eines Stuhls, der die Welt erobert hat, untersuchen.  

 

Wegwerfware aus einem Guss
Die Grundidee des Monoblocs geht zurück auf die alte Vision vieler Designer, einen Stuhl aus einem einzigen Stück Material herzustellen. Ab den 1920er-Jahren wurde zunächst durch Verformung von Metallblechen oder Schichtholz experimentiert. Ab den 1950er-Jahren machten es neue Kunststofftechnologien möglich, Stühle in Guss- oder Pressverfahren in einem einzigen Produktionsschritt zu fertigen. In Dänemark, Deutschland und Italien kamen erste serienreife Stühle auf den Markt.
Auf diesen Vorläufermodellen baute der französische Ingenieur Henry Massonnet 1972 den Entwurf seines Fauteuil 300 auf, der als Urtyp des erschwinglichen Kunststoffstuhls gilt. Massonnet konnte den Produktionsprozess so weit rationalisieren, dass die Stühle im Zwei-Minuten-Takt gefertigt werden konnten.
Mit seiner weltweiten Ausbreitung in den 1980er-Jahren wurde der weisse Monobloc zu einem Objekt, an dem sich Fragen und Widersprüche der Konsumgesellschaft manifestieren. Der Plastikstuhl ist Inbegriff eines erschwinglichen und damit demokratischen Möbels. Er gilt jedoch als wenig nachhaltig und steht für einen globalen Massenkonsum uniformierter Produkte. Die Schau zeigt einerseits die technische Entwicklung des Möbels, andererseits gibt sie Einblicke in seine kulturelle Bedeutung. Der gleiche Plastikstuhl, der in manchen Ländern als Wegwerfware gilt, wird in anderen Ländern als Wertgegenstand bewahrt und repariert. Der Monobloc steht für eine pluralistische Designgeschichte abseits kanonisierter Klassiker. Gerade seine Widersprüche machen ihn zu einem Symbol für die Komplexität der materiellen Kultur unserer Zeit. Viele zeitgenössische Designer haben Neuinterpretationen des Monoblocs geschaffen und setzen sich mit diesen Themen auseinander. So steuerte Martino Gamper mit seinem Objekt Monothrone zur Diskussion der Ausstellung bei.
Neben den Austellungsobjekten wird die Ausstellung durch Hintergrundinformationen und Bilder, die den Stuhl in den unterschiedlichsten Kontexten zeigen – bei der Gartenparty oder im politischen Krisengebiet – ergänzt.



Die Ausstellung ist bis zum 9.7.2017 im Schaudepot des Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu sehen. Am 19.4.2017 führt Kuratorin Heng Zhi durch die Schau und gibt Einblicke in die Geschichte des Stuhls und stellt vor, wie zeitgenössische Designer mit ihm arbeiten. Die Teilnahme an der Führung kostet EUR 7 pro Person.

 

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