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Markante Formen, sichere Linien

Das O&O Depot in Berlin widmet sich in einer Ausstellung dem Filmarchitekten Ken Adam. In der bis zum 19. Januar 2018 laufenden Schau sind auch Zeichnungen zu sehen, die noch nie präsentiert wurden. Sie bieten nicht nur Einblick in ein Stück Filmgeschichte, sondern auch in die künstlerischen Arbeitsweisen Adams.

 

Text: Cyrill Schmidiger – 26.11.2017
Bilder © Deutsche Kinemathek / Ken Adam Archiv

 

Geprägt von der Aufbruchsstimmung
Der 2016 verstorbene Ken Adam wuchs als Klaus Hugo Adam im pulsierenden Berlin der Weimarer Republik auf. Geboren 1921, waren in seiner Kindheit und Jugend nicht nur die Architekturideen eines Erich Mendelsohn oder Ludwig Mies van der Rohe präsent, sondern ebenso das aufkommende Kino. Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, emigrierte die jüdische Familie 1934 nach Grossbritannien.

 

Spektakuläre Ideen
Nach dem Zweiten Weltkrieg fasste Ken Adam langsam Fuss in der Filmbranche. Er entwarf verschiedene Szenenbilder und erlangte vor allem ab den 1960er-Jahren internationale Bekanntheit, als er mehrere Kulissen für James-Bond-Filmen schuf. Eine seiner prominentesten Arbeiten stellt aber der War Room aus der Militärsatire Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben von 1964 dar. Weitere Zusammenarbeiten mit Regisseur Stanley Kubrick folgten. Für Barry Lyndon erhielt Adam 1976 sogar einen Oscar in der Kategorie Ausstattung.

 

Die Zeichnung als Medium
Im O&O Depot sind nun mehrere Arbeiten Adams zu sehen, die das Augenmerk auf den Entwurfsprozess lenken. Das Skizzieren war für ihn sein Experimentierfeld, in dem er seine Ideen entwickelte und die späteren Formen des Sets fand. Das Werkzeug für den unverwechselbaren Zeichenstil war der sogenannte Flo-Master – ein Filzstift, der als fliessendes Stenografiermedium die visuellen Ideen rasch aufs Papier bringt. So war es Adam nicht nur möglich, schnell zu zeichnen, sondern auch einen starken, expressiven Ausdruck einschliesslich atmosphärischer Hell-Dunkel-Effekte zu erzielen.

 

Inspiration War Room
Ebenfalls in der Ausstellung gezeigt wird der Dokumentarfilm This is the War Room! von Boris Hars-Tschachotin. Er gewährt einen tiefen Einblick in den kreativen Denkraum von Adam. Für den Film hat dieser mit 93 Jahren nochmals seinen Flo-Master in die Hand genommen und vor den Augen des Publikums den ikonischen War Room erneut «entworfen». Der Dokumentarfilm feierte seine Weltpremiere Anfang September 2017 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig. OMA liess sich übrigens beim kürzlich fertiggestellten Projekt im Den Haager Regierungsgebäude vom War Room inspirieren: Der Grosse Saal sieht dem Vorbild aus Kubricks Film ziemlich ähnlich. Anstelle der Weltkarte ziert aber ein geheimnisvoll beleuchteter Globus den Raum und zum Schutz der Amtsträger sind die Fensterlöcher verschwunden.

 

Die Ausstellung Ken Adam. Flo-Master ist bis zum 19. Januar 2018 im O&O Depot in der Leibnizstraße in 60 Berlin zu sehen.

 

> In der Tchoban Foundation Berlin sind bis zum 18. Februar 2018 Papierarchitekturen aus der ehemaligen UdSSR ausgestellt. Sie erzählen von baukulturellen Visionen unter der Ära Breschnew.

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