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Lichträume

Häusler Contemporary Zürich stellt eine neue Installation von James Turrell vor. Die Ausstellung The Elliptical Glass präsentiert nebst einer zuvor noch nie gezeigten Lichtarbeit auch frühe Kunstwerke des US-Amerikaners. Sie lesen sich als Humus für sein gesamtes Œuvre. Dieses Schaffen ist bis zum 24. März 2018 in den Galerieräumen an der Stampfenbachstrasse 59 zu sehen.

 

Text: Cyrill Schmidiger – 15.2.2018
Fotos: Häusler Contemporary Zürich

 

Roter Faden
James Turrell kreiert mit Licht einzigartige Raumsituationen, in denen Farbe und Fläche in ein sinnliches Wechselspiel treten und eine vermeintliche Unendlichkeit provozieren. Diese Installationen machen die unterschiedlichsten Erscheinungsformen von natürlichem und künstlichem Licht auf eine faszinierende Art und Weise erlebbar. Schatten existiert nicht. Setzte Caspar David Friedrich in seinem romantischen Gemälde Der Mönch am Meer (1808–1810) noch eine Figur voraus, um eine kontemplative Bildbetrachtung zu erreichen, so verzichtet der amerikanische Künstler auf die Hilfe einer solchen Darstellung. Und das seit Beginn seiner Schaffensperiode: Häusler Contemporary Zürich präsentiert mehrere Arbeiten aus den 1960er-Jahren. Schon sie machen deutlich, wie virtuos der Künstler das Licht als Material einsetzt, um das Sehen an sich zu thematisieren.

 

Psychologische Experimente
Turrell mietete von 1966 bis 1968 das Mendota Hotel in Kalifornien als Studio und experimentierte dort mit abgedunkelten Räumen und kontrollierter Lichtführung. Damals legte er das Fundament für sein Œuvre, eignete sich Turrell doch das Licht als «formbares Material» an. Es entstanden Projektionen wie das in der Ausstellung gezeigte Werk Carn Green (1968). Hier manifestiert sich das helle Licht sanft und stechend zugleich. Als geometrisches Element oszilliert die Projektion zwischen Fläche und Körper. Zu sehen sind zudem die Radierungen Deep Sky (1984). Diese siebenteilige Serie collagiert verschiedene Momente der Belichtung. Geometrische Formen überlappen sich und bilden nächtliche Szenen.

 

Nichts und doch absolut
Die neuste Arbeit mit dem Titel Elliptical Glass (2017) ist eine nicht minder atmosphärische Intervention. Als ovale Leuchtebene in der Wand erscheint sie dicht und dennoch durchlässig. Die leuchtenden Farben verändern sich nach und nach und lassen eine subtile Dynamik mit enormem Sog entstehen. Auch hier changiert die vermeintlich unendliche Tiefe mit einer faszinierenden Flächigkeit. Das gewohnte Verständnis von Licht und Raum wird hinterfragt und der Akt des Sehens in eine neue Dimension überführt. Somit steht Elliptical Glass in der Tradition seiner Ganzfelder. Diese Räume sind in ein gleichmässiges, alles einhüllendes Licht getaucht, das eine nebulöse Dichte, aber auch eine unendliche Tiefe zu haben scheint. Die Quelle des Lichts lässt sich hier nicht erahnen. Turrell entwickelte diesen Werktypus nach frühen Studien in Wahrnehmungspsychologie und aus ersten Lichtinstallationen in seinem Atelier in Kalifornien.

 

Architektonische Kraft
In der Ausstellung wird auch ein Modell präsentiert, das einen Raum im Roden Crater zeigt. Mit diesem Projekt in Arizona begann Turrell auch in der Landschaft zu Licht und Raum zu forschen. Der erloschene Vulkan bei Flagstaff wird seit den 1970er-Jahren vom Künstler in ein monumentales Land Art-Werk mit Himmelsobservatorium verwandelt. Der Roden Crater soll rund 20 Räume erhalten, die für spezifische Formen des Himmellichts konzipiert sind und den Besuchern die Bewegung der Gestirne veranschaulicht. «Diese Arbeit sollte keine Behauptung über die Natur sein», meint Turrell im Buch Air Mass von 1993, «sondern ich wollte sie so in die Natur eingebettet haben, dass das Licht der Sonne, des Monds und der Sterne die Räume mit Energie aufladen. (...) Ich wollte einen Platz gestalten, an dem man wirklich ein Gefühl dafür bekommt, auf einem Planeten zu stehen. Ich wollte einen Ort sichtbarer Geologie, wo man die Erdgeschichte sinnlich erfahren kann. Auf dieser Bühne der Erdgeschichte wollte ich dann Räume schaffen, die Lichtereignisse des Himmels so nutzen, dass sie eine «Musik der Sphären» aufführen, ganz aus Licht.»

 

Die Ausstellung James Turrell. The Elliptical Glass ist bis zum 24. März 2018 in der Galerie von Häusler Contemporary in Zürich zu sehen.

 

> Einen Aufsatz zu den Lichträumen von James Turrell lesen Sie in archithese 6.1998 Kunstlicht.

> In Zug bietet eine begehbare Stahlskulptur des Künstlers Roman Signer freie Sicht in die Unterwasserwelt des Zugersees.

 

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