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Grossprojekt trotz oder gegen die Finanzkrise

Renzo Pianos Kulturzentrum SNFCC in Athen wird im Juni 2016 eröffnet.

 
Text: Jørg Himmelreich – 12.02.2016 
Pläne: Renzo Piano Building Workshop

 

Derzeit gibt es fast ausschliesslich deprimierende Meldungen aus Griechenland, sei es die Finanzkrise des Landes oder die auf den Inseln landenden Flüchtlinge. Fast niemand kann sich vorstellen, dass überhaupt noch etwas gebaut wird, geschweige denn grosse kulturelle Projekte. Und doch wächst gerade in Athen unweit des Faliron-Hafens das Kulturzentrum SNFCC in den Himmel. Oder müsste man sagen ein Berg wurde aufgeschüttet, auf dem ein Pavillon gesetzt wurde? Denn das Zentrum gibt sich zuallererst als Park, als grüne Rampe, die sich zum Meer hin als Belvedere erhebt.

Auf dem Gelände der ehemaligen Pferderennbahn, an einer spannenden Lage im urbanen Gefüge Athens gelegen, markiert der Bau die Grenze von Stadt und Meer und gibt sich mehr als Topographie denn als Architektur. Hier soll sich urbanes Leben mit Kulturgenuss, Stadt mit Landschaft verzahnen – ein lebhaftes und zugleich sinnliches Projekt. Pianos Büro hatte 2008 den internationalen Wettbewerb gewonnen. Insgesamt werden EUR 565 Millionen für das Grossprojekt ausgegeben. In Rücksprache mit dem Griechischen Staat wird es von der Stavros Niarchos Foundation finanziert.

Im Inneren werden eine neue Nationalbibliothek und eine Oper Platz finden. Das Gelände misst stolze 17 Hektar; der Hügel wächst 32 Meter in die Höhe. Darauf ein schwebendes Dach – in der Anmutung zwischen Tempel und luftigem Baldachin. Ganz selbstbewusst möchte Piano, dass der Neubau einen räumlichen Dialog mit der Akropolis, den umliegenden Hügeln und dem Meer entspinnen wird. Im Park werden mediterrane Pflanzen zu sehen sein, Olivenbäume und duftende Hecken. Sternförmig verlaufende Wege sollen an die Gartenkunst der Renaissance erinnern. Irgendwie wirkt das Konzept liebevoll altmodisch, indem es beispielsweise an Bauten Tadao Andos oder an die Technische Bibliothek der TU Delft von Mecanoo Architecten in Delft aus dem Jahr 1997 erinnert. Die Bevölkerung wird den neuen Park aber sicher begrüssen, schliesslich ist Athen die Stadt mit dem niedrigsten Grünraum pro Kopf in Europa. 

Das Kulturzentrum wird helfen die problematische städtebauliche Beziehung von Athens Altstadt zum Meer neu zu definieren. Durch eine neue Esplanade wird das SNFCC künftig mit dem Ufer des Mittelmeeres verbunden sein und damit die im Rahmen der Olympischen Spiele umgestalteten Uferbereiche besser fussläufig erschliessen – mit ihrer Abfolge von Plätzen, Stadien Jachthafen und Unterhaltunsgeinrichtungen.

Griechenland ist finanziell und ökonomisch noch lange nicht über den Berg, aber das neue Kulturzentrum wird einen positiven Impuls geben, sowohl für die Bewohner Athens, als auch für den Tourismus, der trotz oder gerade wegen der Krise gedeiht.

 

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