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Kraftvolle Collage

Maria Conen und Raoul Sigl haben mit einer Studie für eine Genossenschaft im Ortsteil Hochbord in Dübendorf die Jury überzeugt. Ihr Entwurf präsentiert sich als fröhlich bunte Collage mit sympathisch lärmendem Schriftzug auf dem Dach. Irgendwie postmodern anmutend, scheint das Projekt Ausdruck eines neuen Interesses vieler Gestalter an einer formal, räumlich und farblich reichn Architektur zu sein, die aus dem uniformen Gleichschritt im Wohnbau ausschert.  

 

Text: Elias Baumgarten – 12.6.2017
Visualisierungen: Conen Sigl Architekten

 

Die Familie Kohler möchte im Dübendorfer Hochbord zusammen mit der Zürcher Genossenschaft Wogeno eine neue Wohnanlage errichten. Beim Studienauftrag für das ehemalige Industrieareal, welches mittlerweile in die Zentrumszone «gewandert» ist, konnten sich Conen Sigl Architekten gegen fünf Mitstreiter durchsetzen. Die Jury unter Vorsitz von Daniel Niggli, der unlängst die Schau Together im Vitra Design Museum mitkuratierte, votierte einstimmig für die kraftvolle und facettenreiche Gestaltung im fröhlichen weiss-grün Streifenkleid. Doch mit welchen Argumenten wusste das Projekt zu überzeugen? Steht es für das Aufkeimen eines neuen Interesses an lustvoll collagierten Architekturen?

 

Gemeinschaftserlebnis auf dem Dach
Maria Conen und Raoul Sigl schlagen einen Gestaltung vor, deren Fussabdruck als offener Blockrand gelesen werden kann: Ein hoher Gebäudeteil mit Balkonen, der oberhalb des dritten Stocks zurückspringt und modernistisch wirkt, wird ergänzt durch einen niedrigeren L-förmigen Flügel mit grosser Dachterrasse. Dieser reckt dem Stadtraum einen leicht abgedrehten Teil entgegen, in dem ein Bistro untergebracht ist. Er soll Passanten in den Hof locken. Auf seinem Dach prankt der Schriftzug «Bello», der an die Reklame der umliegenden Fabriken und Gewerbehäuser entlang der Bahngleise erinnert. Das Haus wird «unterschiedlichsten Lebensformen» Platz bieten, so der Jurybericht. Insbesondere die Dachlandschaft soll ein Ort für die Gemeinschaft sein, der verschiedensten Nutzung offen steht.

 

Lustvoll collagiert
Die weiss-grüne Collage mit dem auffälligen Schriftzug soll Identität stiften. Das Projekt wirkt durchaus postmodern und steht in einem Dialog zu anderen Getaltern und aktuelle Projekten, etwa denen von EMI oder Lütjens Padmanabhan. Wie die beiden letztgenannten waren jüngst beim vierten «Blind Date», welches im Rahmen von Schweizweit im S AM stattfand, zu Gast. Sie sagten, Brüche und Lücken im urban fabric seien zu akzeptiren und sie bestrebt diese durch kraftvolle Architekturen zu füllen. Und auch international scheint es Anknüpfungspunkte zu geben: Auch mit den Arbeiten des niederländischen Büros Monadnock nimmt der Entwurf für Dübendorf einen energiegeladenen Dialog auf.

 

> archithese greift mit Heft 3.2017 Bri-Collagen die aktuelle Begeisterung für Collagen und Bricolagen auf und lässt verschiedene Akteure zu Wort kommen: Job Floris von Monadnock gibt beispielsweise ein Missionstatement ab, während Oliver Lütjens und Thomas Padmanabhan mit Made in einen Polylog treten.

> Zum Wiederaufleben der (postmodernen) Collage in der Architektur lesen Sie archithese 3.2016 Postmoderne – neu gelesen.

> Simon Lamuniére liess im Zuge des Projekts Neon Parallax Künstler den Plain de Plainpalais in Genf mit Leuchtreklamen auf den umliegenden Gebäuden temporär aufwerten.

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