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Katerstimmung

Ob in Athen, Peking oder Sotschi: Für die Olympischen Spiele werden oftmals milliardenteure Infrastrukturen errichtet und ganze Dörfer aus dem Boden gestampft. Nach den rauschenden Sportfesten bleiben nicht selten verlassene Landschaften und Orte zurück. Der Zürcher Fotograf Bruno Helbling hat diese gigantischen Ruinen in seinem Buch Olympic Realities dokumentiert.

 

Text: Peter Dittmann / Cyrill Schmidiger – 19.1.2018
Fotos: Bruno Helbling

 

Weltrekorde, Heldengeschichten, Jubel und Tränen der Verlierer. Für jeweils zwei Wochen blickt die Welt auf eine Stadt. Olympische Spiele sind das grösste und wichtigste internationale Sportereignis. Allumfassende Begeisterung und globale Medienpräsenz machen die Spiele zu einem Politikum und Anlass für Milliardeninvestitionen. Stadien werden zu Symbolen der Macht. Doch nach Tagen des kollektiven Freudenrausches kehrt Normalität zurück. Den kurzen Momenten der Ekstase folgt permanente Ernüchterung, ein Dauerzustand des Vorbeiseins. Aus den gigantischen Sportstätten werden oft verlassene Denkmäler, einsame «weisse Elefanten».
Bruno Helbling nimmt in seinem Buch Olympic Realities den Betrachter mit auf eine Reise durch sechs Städte, aus denen der olympische Sportzirkus ausgezogen ist. Die Jubelschreie sind verhallt, die Medaillenträume ausgeträumt. Der Zürcher führt uns zu Hüllen, denen der olympische Geist entwichen ist. In seinen Architekturfotografien erzählen Rost und Ruinen ihre eigenen, nicht weniger sehenswerten Geschichten in einem der Zeit entrückten Licht. Mit dokumentarischem Anspruch schafft Bruno Helbling einen Kontrast zur Euphorie der Olympischen Spiele, der zum Nachdenken anregt und den Sinn dieses immer wiederkehrenden, monströsen Events hinterfragt.

 

> In seiner Arbeit Incompiute reflektiert Roger Frei den Charakter und die Stimmung unvollendeter Architekturen und Schauplätzen mit fotografischen Mitteln. 

> Eine umfassande architekturtheoretische Diskussion rund um Ruinen lesen Sie in archithese 4.2017.

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