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Hopper, Schinkel oder Calvino?

Ohne Zitate, Bilder und Analogien ist Entwerfen für viele Architekten undenkbar. Ein Symposium an der Hochschule RheinMain diskutiert am 6. Juni 2019 Art und Bedeutung sowie Strategien des Referenzierens. 

 

Text: Leonie Charlotte Wagner  – 22.5.2019 

 

Gibt es «den Entwurf an sich»?
Valerio Olgiati argumentiert in seinem neuen Buch Nicht-Referenzielle-Architektur, dass Architektur auf Abwege gerate, wenn die Bedeutungsaufladung von Gebäuden über einen Rückgriff auf ausserarchitektonische Domänen erfolge.1
Für viele Architekten jedoch können Gebäude oder Entwürfe ihren Sinn nicht nur aus sich selbst beziehen. Sie nutzen Referenzen als Inspirationsquelle und Verbindungsglieder zu Vorhandenem. Bedeutungen und Traditionen werden wertgeschätzt oder auch hinterfragt, zumindest bilden sie einen kulturellen oder historischen Ausgangspunkt für kreatives Arbeiten.

 

Reproduktives Entwerfen
Hat man in den Architekturschulen noch vor nicht allzu langer Zeit vor allem durch Kopieren der Meister gelernt, erfolgt die Aneignung von Referenzen heute mittels verschiedenster Strategien. Es wird dekonstruiert, verfremdet und abstrahiert.
Eine Variante sprach Peter Zumthor kürzlich in einem Gespräch mit Aleida Assmann an.2 Er argumentierte, dass die Überzeichnung des Vorbildes, eine Art überspitzter Mimesis, zu einem besonders starken Entwurf führen würde. In diesem Sinne sprach Zumthor von einem Tisch, der erst dann zu einem wirklich guten Tisch würde, wenn er die Eigenschaften eines prototypischen Tischs bis ins Letzte verkörpere.

 

Referenzen ohne Ende
Gemälde von Magritte und Hopper dürften in den Architekturschulen wohl zu den am häufigsten referenzierten Bildern gehören. Wird das auch in zehn Jahren so sein? Welche Referenz-Trends gibt es zurzeit in der Architektur und was könnten sie bedeuten? Die Veranstaltung des Fachbereichs Architektur und Bauingenieurswesen der Hochschule RheinMain reflektiert ein Themenfeld, dass im Architekturdiskurs gerade hochaktuell ist. Das Symposium wird von Georg Ebbing und Faraneh Farnoudi veranstaltet. Zu den geladene Gäste zählen unter anderem Andreas Hild von der TU München, Nicola Braghieri der EPF Lausanne und Lukas Imhof Architekten aus Zürich.

Die Frage nach der Art und Wahl von Referenzen und den vielfältigen Umgang mit entwurfsprägenden Dingen wird im Rahmen des Symposiums Referenz ist alles!? am 6. Juni 2019 von 10 bis 19 Uhr in der Villa Clementine in der Frankfurter Strasse 2 in Wiesbaden diskutiert. 

   

1 Valerio Olgiati / Markus Breitenschmid, Nicht-Referenzielle Architektur, Chur 2018.

2 Das Gespräch zwischen Peter Zumthor und Aleida Assmann fand am 21.5.2019 in der Augustinerkirche in Zürich statt.

 

> In der archithese über Luxus spricht Valerio Olgiati über nicht-referenzielle Architektur. 

> Lesen Sie ein Interview mit Andreas Hild zum Arbeiten mit Referenzen in der E-Version der Bayern-Ausgabe der archithese.

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