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Genetic City

Landspekulation, Zersiedelung und die Interessen der Industrie treiben das Wachstum von Houston an. Die sich dadurch wandelnden städtischen Typologien stellen die bald drittgrösste Stadt der USA vor neue Herausforderungen. Das Architektur Forum Berlin (Aedes) präsentiert aktuell das Projekt Houston: Genetic City. Studierende der University of Houston, dem Gerald D. Hines College of Architecture and Design und die Fakultätsmitglieder Peter Zweig, Matt Johnson und Jason Logan in Zusammenarbeit mit Pritzker-Preisträger Thom Mayne von Morphosis entwickelten urbane Szenarien, die auf verschiedene Phänomene reagieren.
 Die Ausstellung umfasst Karten, Diagramme, Zeichnungen, Modelle und virtuelle Rundgänge, darunter Masterpläne, Gebäudeentwürfe und Raumstrategien für die texanische Wüstenstadt.


 

Text: Anne-Dorothée Herbort – 14.6.2017

 

Keine Stadt ist ethnisch so vielfältig wie der texanische Industriestandort. Als Collage mit vielen Zentren, miteinander verbunden durch Schnellstrassen, wird die flächenmässig grösste Siedlungseinheit der USA zunehmend mit komplexen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Auf den Landreserven im Grossraum Houston breiten sich die Siedlungen ungeplant aus. Es entstehen Unorte und Resträume, die durch informelle Aneignungsprozesse flexibel transformiert werden. 

Die Ausstellung im Architektur Forum Berlin Houston: Genetic City der University of Houston und dem Gerald D. Hines College of Architecture and Design zeigt Ideen zur Zukunft der Stadt. Genetic City ist ein Begriff der die in Houston vorhandene Kultur der Ad-Hoc-Planung, die konträr zu Top-Down-Planungsmodellen steht umschreiben soll. In einem Ort mit wenig Regulierung liessen sich Möglichkeiten für innovative Stadtentwicklung aushandeln, so die Universitäten. In ihren Projekten erarbeiten Studierende auf städtischen und regionalen Ebenen Szenarien, die auf grossflächige Phänomene reagieren und haben diese in drei Hauptthemen zusammengefasst.


Vacancies
Houstons Wirtschaft ist geprägt vom Wandel von der Industrie- zur postindustriellen Gesellschaft. Freiflächen im Zentrum der Stadt sind rar. Die sich darauf beziehenden möglichen Entwicklungen des zentralen Geschäftsbezirks in den nächsten dreissig Jahren werden im Szenario Vacancies anhand fünf verschiedener Phasen untersucht. Die Herausforderung bestehe darin, die Potentiale der Innenstadtprojekte aus ökonomischer, kultureller, sozialer und ökologischer Sicht in einem Ort zu demonstrieren, der in hohem Ausmass von den Anforderungen des Marktes getragen werde. Dieses Szenario zeige einen alternativen Weg, der Dichte, Mobilitätskonzepte, infrastrukturelle Vielfalt und neue Modelle für das Wohnen in der Innenstadt von Houston beinhalte. Vacancies bezieht sich auf eine dynamische, optimistische Zukunft, in die sich die Stadt aktuell schneller entwickelt als prognostiziert.

 

Energy City
Hier legen sie den Fokus auf zwei Voraussetzungen: Dem Einfluss neuer Energiesysteme auf unsere Lebensformen und zum anderen auf die wesentlichen Eingriffe der baulichen Auswirkungen der Energiewende in die Landschaft. Der Einsatz fossiler Brennstoffe für Transport, Fertigung, Heizung oder Kühlung hatte spezifische Auswirkungen auf die Entwicklung von Houston und nahm wesentlichen Einfluss auf die Entstehung der weitläufigen Infrastruktur, deren Grossteil jedoch nur monofunktionell und einseitig einsetzbar ist. Aktuell bilden sich Energiesysteme zunehmend unter Nachhaltigkeitsaspekten. Hier sehen sie das Potential, infrastrukturelle Massnahmen entlang hybrider und 
vielschichtiger Entwicklungslinien weiterzudenken. Jüngere Entwürfe hätten gezeigt, wie Infrastruktur durch gute Architektur gestalterischen Mehrwert bringen kann und sich verträglich in die Landschaft integrieren lässt.


The Unzoned City
Mit diesem Szenario möchten die Universitäten die einzigartigen Planungsbedingungen von Houston untersuchen, um neue Stadtstrukturen zu erzeugen. Houston ist die grösste Stadt in den USA ohne Flächennutzungsplanung. Mit planerisch weitgehend unregulierten Räumen ist Houston ein undeutliches Netz städtischer Gemeindeordnung und durch beschränkte Handlungsfähigkeit geprägt. Anhand von Karten und Diagrammen sollen sich Beziehungen von Architektur zu Infrastruktur, Landnutzung, den heissen und feuchten klimatischen Bedingungen sowie hochwassergefährdeten Gebieten abgelesen werden. Eine Auswahl an Schnittmodellen soll beispielhaft zeigen, wie Architektur diese Elemente verbinden und integrieren kann. Die Arbeiten sollen dabei aufdecken, was die Unzoned City verspricht: das Potential zur Entwicklung aussergewöhnlicher Formen von Stadt und Architektur durch den Mangel an Planungsinstrumenten.

 

Zukunftsvisionen
Am 24. Juni 2017 findet anlässlich der Ausstellung ein Symposium zur spezifischen urbanen und geografischen Ausgangslage der texanischen Stadt abgehalten. Von den eingeladenen Architekten Thom Mayne vom Studio Morphosis und Wolf D. Prix von Coop Himmelb(l)au  – beides Visionäre – ist eine hitzige Debatte über den Druck der die Zersiedelung, die Immobilienmärkte und Industrie auf die Wüstenstadt ausübt, zu erwarten.

 

Die Ausstellung ist bis zum 13. Juli 2017 im Architektur Forum Berlin zu sehen. Das Symposium findet am Samstag dem 24. Juni 2017 um 16 Uhr statt.

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