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Sportlich-ökologisch

Am 30. September 2017 wird in Zürich das frisch sanierte und erweiterte Sportzentrum Heuried feierlich eröffnet. Wie bisher wird im Sommer Badespass geboten und im Winter können sich die (Freizeit-)Sportler auf zwei offenen Eisfeldern aufs Glatteis begeben. Neu ist eine Eishalle, mit welcher der Sport auf Kufen nun elf Monate im Jahr möglich sein wird. 

 

Text: Cyrill Schmidiger – 20.9.2017

 

1960er-Ensemble ergänzt
Die Anlage Heuried liegt in einer ehemaligen Lehmgrube am Südwestrand von Zürich in der Nähe des Trassees der Uetlibergbahn. Das 1964 erbaute Sport- und Freizeitzentrum mit einem Gemeinschaftsareal, das ausserhalb des aktuellen Projektperimeters liegt, offerierte den Einwohnern eine neuartige Kombination von Erholungsangeboten. Entworfen wurde es von Hans Litz und Fritz Schwarz. Sichtbeton bildete der gemeinsame Nenner des durchgrünten Ensembles. Nun haben EM2N Architekten, BBP Ingenieurbüro und Balliana Schubert Landschaftsarchitekten die Anlage ergänzt.

 

Schlicht aber bestimmend
Der Schwerpunkt des erneuerten Sportzentrums ist ein Multifunktionskomplex mit einer Eissporthalle in der Nordecke der Anlage. Das quaderförmige Volumen wird von einem allseits überstehenden, flachen Dach überspannt. Ein wenig an das Luzerner KKL erinnernd, balanciert es über dem geschlossenen Baukörper. Gegen Süden ragt es weit aus und bildet damit einen grosszügigen witterungsgeschützten Aussenbereich. Trotz dieser expressiven Geste mutet das Dach nicht wuchtig an, weil eine Abfolge von Öffnungen und eine mit Lärchenholz verkleidete Untersicht die kraftvolle Erscheinung abmildern. Eine asphaltierte Vorzone und eine Rampe führen von der Wasserschöpfistrasse her unter diesen gedeckten Vorbereich. Gemäss Daniel Niggli von EM2N knüpfte man hier bewusst an die Tradition des «feierlichen Empfangs» der Zürcher Freibäder an.

 

Leichtigkeit und Schwere
Im Freigelände blieben die Becken weitgehend unangetastet, so auch die periphere Bepflanzung in den südwestlichen Randböschungen. Die Liegewiese wurde hingegen neu begrünt. Neue Gestaltungselemente sind niedrige, wegbegleitende Sitzmauern aus Stampflehm. Gegen Norden wird das Freigelände von einer Galerie aus Sichtbeton begrenzt. Sie bildet unter dem Vordach eine Restaurantzone und geht dann über in ein Sonnendeck, das die Liegewiese von den beiden alten Eisfeldern separiert. Die elegante Treppenanlage, die vom Haupteingang auf die Galerie führt, ist eine monolithische, schwer und doch zugleich elegant wirkende Betonskulptur. Die eigentliche Eissporthalle wird über ein zentrales Treppenhaus erschlossen. Dessen Oberlicht veredelte man mit einer Installation der Künstler Wiedemann Mettler: Mundgeblasenes farbiges Glas und eine Einfassung aus Spiegeln sorgen für ein atmosphärisches Lichtspiel, das je nach Tageszeit und Wetterlage anders auf die Wände projiziert wird.

 

Holz aus heimischer Produktion
Verleimte Vollholzträger überspannen die 3 600 Quadratmeter grosse Eisfläche. Anlässlich des Presserundgangs empfing Wiebke Rösler Häfliger, Direktorin Amt für Hochbauten, aus den Händen des Holzbauingenieurs Pirmin Jung die Plakette «Herkunftszeichen Schweizer Holz» von Lignum Holzwirtschaft Schweiz – 89 Prozent des Bauholzes stammt aus heimischen Wäldern.

 

Kunsteis für die 2 000 Watt-Gesellschaft?
Kunsteisflächen und 2 000 Watt-Gesellschaft – passt das zusammen? Auf den ersten Blick nicht. Schliesslich muss für die Eisfläche innen und die Aussenflächen (die fünf Monate im Jahr genutzt werden soll) viel Wärme entzogen werden. Hier kam eine neue Technik zum Einsatz: Statt mit Ammoniak funktioniert die neue Kühlanlage mit CO2. Die Abwärme wird zum Heizen genutzt und bereitet das Warmwasser auf – sowohl in der Anlage selbst als auch im angrenzenden, denkmalgeschützten Gemeinschaftszentrum. Das neue Sportzentrum erreicht den Minergie-Standard für Eissporthallen. Das Dach wurde zudem mit 1 327 Photovoltaik-Modulen bestückt. Sie decken rund 20 Prozent des Energiebedarfs des Sportzentrums Heuried.

 

> In Berlin realisieren EM2N Architekten ein städtebauliches Projekt im Rahmen der Europacity.

> EM2N Architekten bauen auch an der Greencity in Zürich.

> Über das Toni-Areal, ebenfalls aus der Feder von EM2N Architekten, lesen Sie in der Swiss Performance 2015.

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Job Floris spricht am 12. Okotber 2017 im Rahmen von archithese kontext im Architekturforum Zürich.

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