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Die Sozialgenossenschaft «Bellevue di Monaco» wird im Rahmen von «Flucht nach Vorne» vorgestellt.

Flucht nach Vorne

 

Die bayerische Sektion des BDA lädt am 10. und 11. März gemeinsam mit der Bundesstiftung Baukultur und dem bayerischen Innenministerium zur Veranstaltung Flucht nach Vorne nach München ein, um Lösungen für den sozialen Wohnungsbau in Zeiten der Flüchtlingskrise zu entwickeln.

 

Text: Elias Baumgarten
Foto: Bellevue di Monaco

 

Im vergangen Jahr sind 1,1 Millionen Menschen nach Deutschland geflohen. Allein im Januar weitere   90 000; ein Abreissen des Zustroms ist nicht in Sicht. Die Behörden gehen davon aus, dass etwa        500 000 Menschen eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten könnten. Diese Zahlen erzeugen dringenden Handlungsbedarf in Sachen Wohnbau. Dieser Druck wird durch den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Grossstädten wie Berlin oder München noch verstärkt. Immer mehr Mensch wollen dort leben – während ländliche Regionen, gerade auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, förmlich «entvölkern». Hinzu kommt, dass die «Willkommenskultur» Ängsten und Ablehnung weicht, die Forderungen nach Grenzschliessung und schneller Abschiebung lauter werden und die reaktionäre AfD mittlerweile laut Wahlforschern im zweistelligen Prozentbereich rangiert. Der politische Diskurs gerät mehr und mehr zu einem emotionalen Schwarz-Weiss, zu einer Auseinandersetzung zwischen linken «Gutmenschen» und rechten «Besorgtbürgern». Dabei wär es angesichts der drängenden (Wohnungs-) Probleme wichtig, einen klaren Kopf zu behalten und konstruktive Lösungen zu erarbeiten.

 

Erfahrungen austauschen und neue Strategien diskutieren
Die in ganz Deutschland geschaffenen Provisorien – selbst in den entlegensten Dörfern stapeln sich Wohncontainer – können keine langfristige Lösung sein. Bayerns Landesgruppe des Bundes Deutscher Architekten möchte deshalb die «Flucht nach Vorne» antreten und lädt am 10. und 11. März zusammen mit der Bundesstiftung Baukultur und dem Bayerischen Innenministerium ins Münchner Museum Fünf Kontinente ein. Dort sollen sich Architekten, Politiker, Wohnwirtschaftler und Bürger Erfahrungen austauschen und gemeinsam neue Strategien für dauerhaften Wohnungsbau zu entwickeln. In diesem Rahmen werden auch umgesetzt Projekte vorgestellt und diskutiert, zum Beispiel VinziRast mittendrin in Wien. Dort sind Studierende, ehemals Obdachlose und Flüchtlinge unter einem Dach untergebracht. Weiter wird Peter Cachola Schmal Making Heimat, den deutschen Beitrag zur kommenden 15. Architekturbiennale in Venedig, vorstellen.

 

Qualitätvolle Architektur statt überhasteter «Schnellschüsse»
Die Ziele der Veranstalter sind sehr ehrgeizig: Mit den 500 Millionen Euro, die der Bund zusätzlich für den sozialen Wohnbau zur Verfügung stellen wird, soll ausreichend neuer Wohnraum geschaffen werden, ohne Abstrich bei baukultureller Qualität oder technischen Standards zu machen. Damit wird dem Standpunkt Arno Brandlhubers klar widersprochen, der Anfang Dezember zusammen mit anderen deutschen Architekten gegenüber dem Spiegel erklärt hatte, die Standards in Deutschland und die damit verbunden Erstellungskosten seinen deutlich zu hoch. Julia Hinderink, Kuratorin von Flucht nach Vorne, ist überzeugt, dass eine gelungene (bauliche) Integration nur mit in der Nachbarschaft verankerten Projekten hoher architektonischer Qualität möglich sei und schlägt überdies vor, die zukünftigen Bewohner in den Planungsprozess einzubinden. Die Veranstalter warnen zurecht vor «Schnellschüssen», weil die baulichen Massnahmen deutsche Städte auf Jahre hinaus prägen werden. Ausserdem bestünde die Gefahr einer Wiederholung städtebaulicher Fehler der Vergangenheit, von Ghettobildung und sozialer Segregation.

Vielleicht braucht es in Deutschland aber nicht nur hochwertige architektonische Lösungen, sondern auch Formen des social engineerings und Steuerungsmechanismen bei der Verteilung von Zuwanderern über das Land, um eine Konzentration in wenigen Grossstädten zu unterbinden.

 

Weitere Informationen zur Veranstaltungen Flucht nach Vorne finden Sie hier.

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