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EUROPAN 14

Nachdem sich EUROPAN zweimal mit der anpassungsfähigen Stadt auseinandergesetzt hat, verlagert der diesjährige Ideenwettbewerb für Architekten unter 40 seinen Fokus auf die «produktive Stadt». In der Schweiz sollen die Teilnehmenden aus dem Areal der Firma Andritz Hydro in Kriens neue Nachbarschaften entwerfen.

 

Autor: Anne-Dorothée Herbort – 15.2.2017
Foto: Andritz-Areal, Kriens

 

Die Produktive Stadt 
EUROPAN – ein Kontinent weites Programm das Wohnarchitektur und Stadterneuerungen fördert – möchte die nun schon seit geraumer Zeit in Europa allgegenwärtig angestrebte «durchmischte Stadt» auf ein neues Level heben.Die Organisatoren des Wettbewerbs sind der Auffassung, dass Wohnen immer noch das Hauptprogramm der meisten urbanen Entwicklungsprojekte im post-industriellen Zeitalter darstellt und die Quartiere weniger durchmischt sind als wir glauben. In unseren Augen soll ein belebtes Quartier Büros, öffentliche Institutionen und vor allem Bars, Geschäfte und Restaurants zusammen bringen. Jeder Stadtviertel soll einen eigenen Charakter und somit als eigenes «Zentrum» wahrgenommen werden. Der produktive Wirtschaftssektor wurde indes aus den neuen Stadtquartieren verbannt und weiter an den Stadtrand oder gar ganz verdrängt. Das Komitee von EUROPAN stellt in der heutigen Stadt eine soziale Diskrepanz fest. Während hochqualifizierte Arbeitskräfte in einem vielfältigen Jobangebot schwimmen, sind erreichbare Stellen für gering Qualifizierte rar. Dieses Ungleichgewicht löst laut den Organisatoren soziale Unstimmigkeiten aus, verlängert die Arbeitswege und wirkt sich letztendlich negativ auf die Wirtschaft aus.
Klar sei, dass keine Stahlwerke zurück ins Stadtzentrum geholt werden sollen. Fakt sei aber auch, dass wir die Hipster mit ihrer kleinmasstäblichen urbanen Fabrikation bereits willkommen heissen und sich mittelgrosse Unternehmen und Manufakturen in der Stadt bereits eingenistet haben. So sollte der Spengler, der unsere Dächer repariert, auch nicht aus der Stadt fahren müssen um geeignete Lagerflächen zu finden. Produktion in der Stadt sollte gefördert und in das Gefüge integriert werden, sich erweitern können und an das tägliche Leben angebunden sein.

 

Die Aufgabe
EUROPAN stellt die Teilnehmer unter diesen Aspekten vor konkrete Fragen. Die Gestaltung ihrer Vorschläge für eine «produktive Stadt» sollte mögliche Wohnformen in industriell geprägten Gebieten aufzeigen und Lösungen vorlegen wie die Produktionskreisläufe hinsichtlich Vertrieb, Abfall und Konsum in der Stadt sinnvoll integriert werden können. Die teilnehmenden Architekten sollen sich zudem Gedanken machen welche Akteure in den Quartieren in den Transformationsprozess eingebunden und vorantreiben sollen.
EUROPAN Schweiz begibt sich nach Onex-Bernex-Confignon im Kanton Genf, wo ein von Einfamilienhäusern geprägtes Gebiet einer städtebaulichen Umwandlung unterzogen wurde, nach Kriens in die Innerschweiz. Die Gemeinde unweit von Luzern gelegen, befindet sich heute in einem grundlegenden Neugestaltungsprozess. Das Andritz-Areal der einst weltweit tätigen Maschinenfabrik steht im Mittelpunkt der Wettbewerbsaufgabe. Ein Mischnutzungsprogramm soll den Ort neu beleben.

 

Was ist EUROPAN und wer steht dahinter?
Aus dem Programme Architecture Nouvelle das 1971 in Frankreich gegründet wurde und 1988 auf europäische Ebene erweitert wurde ging schliesslich das Programm EUROPAN hervor, welches neue Wohnarchitektur und Stadterneuerungen in Europa fördern will. Ursprünglich stand die Beziehung zwischen Wohnung und Lebensart im Mittelpunkt, dann erweiterte sich das Forschungsterrain auf das Wohnumfeld im urbanen Raum, einschliesslich Infrastruktur, öffentlichen Räumen, Wohnen, Arbeit, Mobilität und Natur, welche das heutige urbane Leben bestimmen. Der europäische Verbund fasst 24 nationale Organisationen Architekten, Planern, Forschern, Experten, Politikern und Bauherren Vertretern sind an den Debatten und Aktionen beteiligt. Fachleute verschiedenster Richtungen, die alle an Strategien der urbanen und architektonischen Entwicklung arbeiten sind durch EUROPAN in einem Experten Netzwerk miteinander verbunden. Die über die Jahre durch die behandelten Themen, Zusammenkünfte, Gegenüberstellung von Ideen und neuen Projektansätzen angesammelten Informationen fliessen in eine Plattform zusammen die den Experten wiederum zur Verfügung steht.

Die Teilnahme am Wettbewerb ist für junge Architekten sehr interessant, da ihnen die nötige Unterstützung zur Realisierung ihrer eingereichten Projekte erbracht wird. Es handelt sich bei den Wettbewerben also nicht bloss um die Fütterung eines fiktiven Ideenpools sondern um konkrete Bauvorhaben wo neue Ideen zum Ausdruck kommen und realisiert werden.

 

Der Wettbewerb steht offen für Architekten unter 40 oder Teams zusammengesetzt aus einem Architekten und Teilnehmern aus verwandten Bereichen (Stadtplanern, Ingenieuren, Landschaftsarchitekten oder Künstlern). Eingabetermin ist der 30.6.2017.

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