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Durch das Erdreich, durch den Fels

Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich baut den Neubaukomplex GLC «für die Gesundheit von morgen». Die starke Hanglage bedingt ein Vordringen in grosse Tiefen. Das unterste Niveau ist bald erreicht, wie an einer Führung zu erfahren war.

 

Text: Manuel Pestalozzi – 15.6.2017

 

Wo früher auf der Strecke von Zürichs Stadtzentrum hinauf zum Zoo verschiedene Institutsbauten im gemeinsamen Grün verteilt waren, erhebt sich aktuell eine Borpfahlwand von pharaonischen Ausmassen. Vor ihr wurde in den vergangenen Monaten die Flanke des Zürichbergs abgetragen. Das Ziel: Hangseitig der Gloriastrasse Platz schaffen für den Neubau GLC, der sich zwischen das Wohnquartier Fluntern und den ETA-/ETF-/ETZ-Gebäudekomplex schiebt. Das Projekt – geplant von Boltshauser Architekten – bewirkt eine starke Verdichtung in Zentrumsnähe und ist Teil des Masterplans Hochschulgebiet Zürich, der auch den Ausbau des benachbarten Universitätsspitals – bekannt unter dem Namen «Berthold» – umfasst.

 

Taumelnde Bauten
Am 14. Juni durften Anwohnerinnen und Anwohner auf Einladung der ETH von Plattformen einen Blick in die Tiefe machen, wo weiter gegraben und Fels abgespitzt wird. Vor der verankerten Bohrpfahlwand wurden in diesem Frühling 14 rund 20 Meter hohe Schlitzwände in den Boden eingelassen. Sie werden eine noch zu errichtende Schwerlastmauer tragen und zusammen mit ihr dem Druck des Bergs anstelle der jetzigen Hangsicherung widerstehen. Vor den Schlitzwänden werden sich fernab des Tageslichts die beiden untersten GLC-Geschosse erstrecken. In der Luft hängt momentan der Scherrer-Hörsaal (Bauteil ETA). Als erhaltenswertes «Trostpflaster» wird der historische Bauteil aus den 1940er-Jahren in die GLC-Baumasse inkorporiert. Er schwebt natürlich nicht wirklich, man hat ihn unterfangen. Auf bis zu 25 Meter langen Pfählen sucht er nach stabilem Untergrund.
Wo verdichtet wird, wird es eng und enger. Deshalb ist ein bedeutender Teil der Baustellenlogistik auf einem Podest untergebracht, über der Gloriastrasse, die damit zu einem temporären, kurzen Tunnel- oder Galeriebereich kommt. Das Gefühl des Massstabssprungs und des sich veränderten Verhältnisses zwischen Baumasse, Aussenraum und Grünbereich ist schon jetzt spürbar. Gegen Ende des Jahres wird die Baugrube bereit sein. Sie lässt sich dann mit dem modernen Entwicklungs- und Laborgebäude für die Forschung an der Schnittstelle zwischen Gesundheitswissenschaften und Technologie füllen. Bis Mitte 2020 soll dies vollbracht sein.

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