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Die Innovationskraft des Alten

Der Wakkerpreis 2019 geht an die Gemeinde Langenthal im Oberaargau – das gab der Schweizer Heimatschutz am heute bekannt. Mit der Auszeichnung wird der Umgang der Stadt mit ihrem industriellen Erbe gewürdigt. Die Gemeinde hat es geschafft, eine schwere Krise – verursacht durch den Verlust einer grossen Zahl von Arbeitsplätzen Ende der 1990er-Jahre – zu meistern.

 

Text: Elias Baumgarten – 15.1.2019
Fotos: James Batten

 

Raus aus der Abwärtsspirale
Was soll oder kann geschehen mit alten Industriearealen, die nicht mehr benötigt werden? Diese Frage stellt sich derzeit vielerorts in der Schweiz. So auch in Langenthal nordöstlich von Bern. Und kann man Abwanderung aufhalten oder wie mit Schrumpfung umgehen? Einst gab es in der Stadt eine traditionsreiche Porzellanfabrik. Doch 1997 schloss diese ihre Tore, um künftig in Tschechien neue Brennöfen zu befeuern. Doch das war nur der Anfang: Weil weitere Betriebe finanziell in Schieflage gerieten, verschwanden bis zum Jahr 2000 über tausend Arbeitsplätze. Die Stadt - bis dahin regionales Zentrum – drohte der Niedergang.

 

Stärken und Bewahren
Wie gelang es, die Stadt wieder attraktiv zu machen und die Abwanderung schliesslich aufzuhalten? Die Langenthaler setzte auf Baukultur und das Herausarbeiten der industriellen Geschichte des Ortes: Alte Industrieanlagen, Villen und Arbeiterhäuser wurden inventarisiert und als «Ankerpunkte» für künftige Entwicklung hergerichtet. Zudem wurde in die öffentlichen Plätze im Stadtzentrum investiert, man renovierte Schulen und das Stadttheater. Heute wächst die Stadt wieder und wird sukzessive verdichtet. Auch dabei beschreitet sie einen Sonderweg: Regelmässig finden Workshop-Verfahren statt, wenn grosse Bauprojekte anstehen. Dabei sitzen Denkmalschützer und Stadtplaner mit Architekten und Investoren am Tisch und beraten über die Gestaltungen bereits vor dem Einreichen des Baugesuchs. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Planungen die wertvollen historischen Quartiere nicht beeinträchtigen und ein transparenter, fruchtbarer Diskussionsprozess stattfindet.

 

Ausgezeichnet
Für diese Erfolgsgeschichte wurde die Stadt nun vom Schweizer Heimatschutz mit dem auf CHF 20'000 dotierten Wakkerpreis 2019 ausgezeichnet. Besonders wertschätzt die Jury dabei die Testplanung für das Areal der ehemaligen Porzellanfabrik: In dieser arbeiteten Investoren und Fachleute der Stadt gemeinsam an einem Entwurf, bei dem Rendite nicht zu Lasten der historischen Substanz erwirtschaftet werden soll. In den nächsten Jahren sollen die Planung voranschreiten und umgesetzt werden. Ziel ist es, auf dem Gelände der Industriebrache ein lebendiges Stadtquartier zu schaffen.

 

> 2018 wurde die Kulturstiftung Origen mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet.

> In archithese 1.2018 lesen Sie eine Besprechung des Turms, den die Stiftung auf dem Julierpass als Spielstätte errichtet hat. Darin wird beleuchtet, wie mit Architektur und Kultur Schrumpfungsprozesse abgemildert werden können.

> Bereits 2005 fragte archithese in Brush Up, Umbau, Renovation nach Ansätzen für schrumpfende Regionen.

> Sensible Umbauten mit hohen gestalterischen Ansprüchen finden Sie im Heft Neues Feingefühl.

Unsere Empfehlung

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