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Stanislaus von Moos und Hans Reinhard über die Anfänge der archithese

«Wie war das damals? Wie habt ihr euch kennengelernt? Wie wurden die Themen gefunden?» Am 31. Januar 2018 fand im Nidwaldner Museum Winkelriedhaus das Podium archithese.recycled? statt. Die Gründer der schriftenreihe Stanislaus von Moos und Hans Reinhard beantworteten die Fragen von Katalin Deér, Ákos Moravánszky, Nina Paim und Moderatorin Gabrielle Schaad rund um die Gründung der archithese

 

Text & Fotos: Elias Baumgarten – 1.2.2018

 

Das Podium zur Geburt der archithese fand gestern im Winkelriedhaus statt. Es war Teil des Rahmenprogramms der Schau Sammelstelle archithese. Diese setzt sich künstlerisch mit den ersten zwanzig Heften der schriftenreihe auseinander, die zwischen 1971 und 1976 erschienen. Das Team des Nidwaldner Museums erinnert mit Schau und Diskussion daran, dass archithese in der Innerschweiz gegründet wurde – auch wenn sich das inhaltlich wenig bis gar nicht in den Heften niedergeschlagen hat. Kuratorin Patrizia Keller bescheinigt sowohl den ersten Heften mit ihren fröhlich-bunten Covern, als auch den aktuellen Ausgaben der schriftenreihe eine ungebrochene Relevanz für den Architekturdiskurs.

 

Inhalte statt Hochglanz
Zuerst wollte Gabrielle Schaad wissen, wie Stanislaus von Moos und Hans Reinhard sich überhaupt kennengelernten haben. «Und wie ist dann die Idee zur Gründung der archithese gereift?», fragte sie weiter. Reinhard erzählte schmunzelnd, er habe von Moos an seiner Hochzeit kenngerlernt – ein gutes Omen für ihre Freundschaft. Von Moos habe zunächst eine Handvoll Aufsätze für das Bulletin des FSAI verfasst, das Reinhard betreute. Aufgrund des Erfolgs der Heftchen liess sich der Architektenverband dann überzeugen, eine eigene Architekturzeitschrift zu gründen, welche die Zeitschriftenwelt aufmischen und sowohl intellektuelles Futter, als auch praxisorientierte Beiträge liefern sollte. Es sollte keine Hochglanzbroschüren werden, sondern Inhalte im Zentrum stehen.

 

Sprengstoff
Beide setzen auf persönliche Meinungsäusserungen und die Aufstellung von (mitunter provokanten) Thesen. Das barg Konfliktpotenzial – auch mit dem FSAI: Nach von Moos Aufsätzen «Braucht es eine Architekturgeschichte?» und «Das Ende der Architektur» erklärte der FSAI, der Verband lasse der Redaktion frei Hand und habe Freude an einer lebhafte Debatte, doch identifiziere er sich nicht mit allen Inhalten. Trotzdem finanzierten die Mitglieder das Magazin mit grossem persönlichem Einsatz. Reinhard erinnert sich an Personen, die damals mit Summen von über CHF 20 000 Budegtlöcher stopften.

 

Politische Agenda?
Ákos Moravánszky wollte wissen, ob die Redaktion der archithese das Heft als politisches Magazin ansahen? Von Moos sagte, er haben Hefte wie Controspatzio, Contropiano und aaq gelesen und archithese diese im Gegenzug ebenfalls inspiriert. archithese habe provoziert, analysiert und die ungeschminkte Wahrheit gezeigt – etwa mit heftigen Bildern der miserablen Wohnsituation von «Fremdarbeitern», fotografiert von der Marxistin Eliane Perrin in archithese 1.1971. Als radikal empfand von Moos die eigenen Hefte jedoch nicht. Das war Ansichtssache: Der Generalsekretär des SIA zitierte Reinhard 1971 wutentbrannt nach Zürich und forderte ein Ende der «linkslastigen» Agitation.

 

Neugierde statt Kalkül
Nina Paim und Katalin Deér interessierten sich schliesslich für die Themenfindung der Redaktion. Die inhaltliche Setzung sei in den 1970er-Jahren richtungsweisend gewesen und einige der Aufsätze sind bis heute relevant. Von Moos relativierte lächelnd. Vieles sei spontan durch neue Bekanntschaften entstanden – etwa mit Max Bill oder Manfredo Tafuri. So schrieb Rem Koolhaas etwa deshalb für archithese, weil von Moos ihn in New York zufällig traf, wobei die Idee zur Zusammenarbeit entstand. Auch griffen von Moos und Reinhard Themen und Fragestellunge auf, die gerade in Gesprächen und Vorträgen diskutiert wurden und sie selber interessierten. So entstand zum Beispiel 1975 ein Interview mit Robert Venturi und Denise Scott Brown. Trotzdem haben beide grosse Freude daran, wenn Hefte wie UrbanismusLas Vegas etc. oder Realismus in der Architektur noch immer häufig zur Hand genommen werden.

 

Die Ausstellung Sammelstelle archithese ist noch bis zum 11. Februar 2018 im Pavillion neben dem Winkelriedhaus in Stans zu sehen.

 

> Die archithese-Hefte der 1970er-Jahre mit ihren frech-bunten Covern können als PDFs oder als gedrucke Originale im Shop bestellt werden.

> Eliane Perrins provokanten Aufsatz können sie in archithese 1.1971 nachlesen. 

> Lesen Sie eine Besprechung der Schau Sammelstelle archithese.

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