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Das aktuelle Heft: Wohnungsbau

Viele europäische Grossstädte wachsen. Urbanes Wohnen erlebt – einmal mehr – eine Renaissance. Die aktuelle Ausgabe der archithese nimmt daher exemplarisch den Wohnungsbau in der Schweiz, Deutschland und Österreich unter die Lupe.

 

Dass es aktuell viele Menschen (zurück) in die Städte zieht, mag auf den ersten Blick positiv erscheinen, geht damit doch jene Verdichtung einher, die Experten aus ökologischen Gründen seit vielen Jahren fordern. Auch die Bauwirtschaft profitiert von der guten Auftragslage, doch kommt sie mit dem Erstellen der gewünschten Menge neuer Wohnungen kaum hinterher. Es harzt vor allem beim verfügbaren Land: Häufig werden unbebaute Grundstücke in den Städten als Wertanlagen gehortet, denn in Zeiten von Negativzinsen lassen sich so lukrative Renditen erzielen. Die Bodenpreise steigen in der Folge weiter rasant an und damit auch Mieten und Kaufpreise. Klagen werden laut, dass sich die Mittelschicht das Wohnen in den Städten bald nicht mehr leisten könne. Was kann oder muss die Politik tun? Könnten Baugruppen und Genossenschaften eine Alternative sein – mehr als bisher?

 

Steigenden Preisen begegnen
Falls keine Ideen zum Gegensteuern entwickelt werden, bleibt nur die Debatte um eine Verkleinerung der Wohnflächen und die Senkung der Konstruktionskosten, um die Preise von Wohnungen stabil zu halten oder im Idealfall zu senken. Möglichst «günstig» zu bauen scheint derzeit die einzige Direktive. Wenn dies aber zu noch «eigenschaftsloseren» Gestaltungen führt, verschärfen sich bestehende architektonische Defizite. Bereits jetzt sind die zeitgenössischen Interieurs generisch, glatt, schlicht, weiss – kurzum: zumeist langweilig und austauschbar. Wo genau könnte also überhaupt gespart werden? Sollten Standards zurückgefahren werden? Gehören Normen und Gesetze, beispielsweise im Schall- und Brandschutz, bei der Barrierefreiheit und den Zonenplänen, auf den Prüfstand? «Weniger kann mehr sein» ist aktuell häufig zu hören. Doch zugleich will niemand auf Wohnkomfort verzichten. Das rückt Sharing-Konzepte in den Fokus.

 

Was heisst «zeitgemäss» wohnen?
Doch Halt! Müsste nicht generell zuerst eine breite Debatte geführt werden darüber, was zeitgemässes urbanes Wohnen überhaupt ist? Entsprechen die etablierten – teils über 50 Jahre alten – Modelle, Typologien und Grundrisse, die hunderttausendfach reproduziert werden, überhaupt noch den Bedürfnissen einer sich diversifizierenden Gesellschaft? Um dies zu klären, muss man einen Schritt zurück machen – weg von der Architektur und hin zur Untersuchung der Lebens- und Arbeitsrealitäten der 2010er-Jahre: Was wollen die Menschen? Die Zahl der Alleinlebenden und der Patchwork-Familien nimmt stetig zu. Auch eine Rückverlagerung gewerblicher Tätigkeiten in die Wohnungen findet statt. Und dabei stehen uns die grössten Verwerfungen erst noch bevor: Zukunftsforscher erwarten mit Hinblick auf die Industrialisierung 4.0 und den wachsenden Einsatz von AI dramatische Veränderungen in den Beschäftigungs- und Einkommensstrukturen. Wie wollen oder müssen wir arbeiten und wohnen, wenn das Zeitalter der Vollbeschäftigung sich dem Ende zuneigt? Ist Architektur gar fähig, wirtschaftliche und soziale Veränderungen zu moderieren, Probleme abzufedern oder die Entwicklungen im Positiven mitzugestalten?

 

Die Suche nach Spezifischem
Die Redaktion stellt mit diesem Heft aber nicht nur Fragen, sondern bezieht auch Position. Bereits mit den Ausgaben Neues Feingefühl, Bri-Collagen und Ruinen haben wir nach dem Spezifischen in der Architektur gefragt. Auch die aktuelle archithese hat im Hinblick auf den Wohnungsbau einen vergleichbaren Bias: Bei allen Debatten um Kostensenkung und Reduktion wollen wir nicht vergessen wissen, dass Architektur inspirieren soll, Charakter haben und – auch wenn dieser Begriff derzeit wieder hitzig diskutiert wird – Identität vermitteln.

 

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