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Asiatische Moderne

Die markanten Megastrukturen aus den 1970er-Jahren von William Siew Wai Lim eifern den Architekturen der japanischen Metabolisten nach und zeugen von einer Zeit des Baubooms und der tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen. Heute befasst sich der Architekt aus Hong Kong mit Stadtentwicklungen, öffentlichen Räumen, asiatischer Kultur und sozialer Gerechtigkeit. Am Donnerstag den 20. April 2017 wird Konrad Braun die architektonischen Konzepte und Ideen Lims zur Stadtentwicklung im Collaboratorium am Berliner Moritzplatz vorstellen.

 

Text: Anne-Dorothée Herbort – 18.4.2017
Foto: William Siew Wai Lim, Golden Mile Complex, 1973, Singapur

 

Der chinesische Architekt und Stadtentwickler William Siew Wai Lim kehrte Ende der 1950er-Jahre von seinen Studien in England und den Vereinigten Staaten von Amerika zurück nach Asien. In Singapur erfuhr er in Zeiten grosser politischer und gesellschaftlicher Umwälzungen infolge der Erlangung der Unabhängigkeit und gewaltigem ökonomischen Wachstums enorme Gestaltungsfreiheiten und realisierte zahlreiche markante Megastrukturen im Geiste der Metabolisten. Das People’s Park Complex etwa – ein rund hundert Meter hohes Einkaufszentrum – wurde zum Modell der Shoppingmalls in Singapur.

 

Vernakuläre Stadtgefüge
Aus Besorgnis über das rasante Tempo der Stadtentwicklung auf dem Inselstaat entwickelte Lim jedoch eine zunehmend kritische Haltung gegenüber der modernen Architektur und gründete mit Fumihiko Maki, Sumet Jumsai und Charles Correa die Gruppe Asian Planning & Architectural Consultants, um die architektonischen und städtebaulichen Besonderheiten im asiatischen Raum zu untersuchen und das lokale Potenzial zu stärken. Das in Südostasien typische Shophaus – ein zwei- bis dreigeschossiges Reihenhaus mit einem Lokal im Erdgeschoss und einer Wohnung im ersten Obergeschoss – entwickelte Lim weiter und wob diese traditionelle Bautypologie zu einem Modell eines hochverdichteten hybriden Stadtgefüge zusammen. Mit der Musterstadt Future Urban City wollte sich Lim von den architektonischen Einflüsse aus dem Westen abgrenzen.

 

Architektur im Umbruch
Die Vortragsreihe Biografien der Moderne des Vereins Stadtkultur international wurde von Moritz Henning und Eduard Kögel konzipiert. Sie möchten dem Leben und Werk prägender Architekten in Süd- und Südostasien nachspüren und dabei auf die 1950er- und 1960er-Jahre fokussieren. Wie in Europa war diese Zeit auch vielerorts in Asien von einer gesellschaftlichen Aufbruchstimmung geprägt, die sich in Architektur und Stadtgestaltung lesen lässt. Die Organisatoren möchten aufweisen, dass sich nicht nur individuelles Interesse und Können der Architekten, sondern ebenso fachliche Netzwerke, politische Verhältnisse, gesellschaftliche Bedingungen oder technische Errungenschaften dieser Epoche widerspiegeln lassen. Bis heute finden sich Bauten dieser Zeit in den Städten Asiens, die jedoch von der anhaltenden wirtschaftlichen Dynamik und einer Neudefinition kultureller Identität bedroht sind. Vor diesem Hintergrund wird auch die aktuelle Rezeption dieses baulichen Erbes Gegenstand der Diskussion sein.
Konrad Braun – Architekt und Stadtforscher – beschäftigt sich mit der aktuellen Liegenschaftspolitik in Berlin und interessiert sich für eine selbstorganisierte Stadt die sich auf der Aneignung von Freiräumen und urbanen Ressourcen gründen soll. Er wird am Donnerstag den 20. April anhand einiger Projekte von William Lim aus den 1970-Jahren Einblicke in die Grossstadt Singapur geben.

 

Der Vortrag von Konrad Braun findet am Donnerstag, dem 20.5.2017 um 19.30 Uhr im Collaboratorium im Aufbau-Haus am Moritzplatz an der Prinzenstrasse 84.2 (Eingang von der Oranienstrasse) in Berlin-Kreuzberg statt.
Das nächste Thema Pierre Jeanneret in Chandigarh wird am Dienstag, 30.5.2017 angeschnitten. Melden Sie sich unter anmeldung@clb-berlin.de an.


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