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Arbeiten an der Zürcher Seefront

Das Zürcher Mythenschloss wird abgerissen. Es weicht einem Ersatzneubau von Marcel Meili, Markus Peter und der GFA Gruppe für Architektur. Lange herrschte Ungewissheit darüber, wie das neue Haus dereinst aussehen wird. Nun haben die verantwortlichen Architekten und das Zürcher Amt für Städtebau das Geheimnis gelüftet und die Pläne öffentlich gemacht. Sie versprechen eine solide Gestaltung und lassen auf ein erfreuliches Mehr an öffentlichem Raum hoffen – am Seeufer als auch im Erdgeschoss des neuen Gebäudes. 

 

Text: Elias Baumgarten – 8.1.2018

 

Tauziehen um das Mythenschloss
2017 wurde das von Diener&Diener gestaltete neue Hauptquartier der Swiss Re am Zürcher Mythenquai fertiggestellt. Dafür wurde ein spätmoderner Bürobau von Werner Stücheli aus den Jahren 1969 abgerissen. (Lesen Sie zum Ersatzneubau eine Kritik in Swiss Performance 2018. Das Heft erscheint am 1. März diesen Jahres.) Damit nimmt der «Campus Mythenquai» des Rückversicherers am Seeufer, der einmal aus insgesamt sechs unterirdisch verbunden Bauten bestehen soll, weiter Form an. Doch gegen die Umgestaltung der Seefront regte sich Widerstand: Die Vereinigung Archiculutura versuchte den nächsten geplanten Ersatzneubau aufzuhalten, indem sie vor Gericht zog und für den Erhalt des sogenannten «Mythenschlosses» kämpfte. Vergeblich – nun steht fest: Der Bau am Mythenquai 20–28 wird abgerissen und durch ein neues Bürogebäude von Meili, Peter ersetzt. Für das Gericht war das Bauwerk offensichtlich nur noch eine halbe Sache und damit nicht schutzwürdige. Es argumentierte: der 1927 von Armino Cristofari als neoklassizistischer Wohnpalast entworfen Bau sei bereits 1982 für Büros zerstört worden. Die Seefassade wurde damals zwar rekonstruiert, doch auf der Rückseite entstand ein zeitgemässer Neubau.

 

Mehr öffentlicher Raum
Für den Ersatzneubau wurde eine Testplanung durchgeführt, an der auch das Amt für Städtebau und das städtische Baukollegium mitwirkten. Meili, Peter und die GFA konnten mit ihrer Gestaltung überzeugen und erhielten einen Direktauftrag. Der H-förmige Fussabdruck des «Schlosses» soll vom sechsstöckigen Neubau wieder aufgenommen werden. Der südöstliche Flügel wird neu etwas zurückspringen, um einen kleinen baumbestandenen Vorplatz freizuspielen. Um den öffentlichen Raum vom seeseitigen Ehrenhof ins Gebäude fliessen zu lassen, soll im Erdgeschoss ein Café oder Restaurant untergebracht werden. Eine repräsentative Treppenanlage wird sich von dort in die Büroetagen empor schrauben. Nach jetzigem Planungsstand wird das Haus eine regelmässige Lochfassade mit Eckfenstern erhalten, welche formal zwischen den verschiedenartigen historischen Bauten umher vermitteln soll. Unter dem Neubau wird eine grosse Parkgarage entstehen. Wie Swiss Re-Gesamtprojektleiter Christof Keller gegenüber archithese erklärte, wird diese öffentlich zugänglich sein und so den bestehenden Parkplatz am Seeufer neben dem Hafen Enge überflüssig machen. In einem Wettbewerb soll bald eine Lösung für die Bespielung dieser frei werdenden Fläche entwickelt werden. Vielleicht kann sie Teil einer durchgehenden öffentlichen Grünzone am westlichen Seeufer werden. Das wäre grossartig! Wie Keller weiter sagte, werden die Rückbauarbeiten am Mythenschloss wahrscheinlich Mitte 2019 beginnen. 

 

Die Pläne für den Ersatzneubau sind bis zum 20. Februar 2018 im Amt für Städtebau an der Lindenhofstrasse 19 in Zürich öffentlich aufgelegt.

 

> In archithese 1.2018 Swiss Performance lesen Sie eine Besprechung des neuen Hauptquartiers der Swiss Re aus der Feder von Diener&Diener.

> Ursula Baus kritisierte die Erweiterung des Sprengel Museums von Meili Peter in Hannover.

> Mehr zum RiffRaff-Kino in Zürich von Meili, Peter und Staufer & Hasler lesen Sie in der Swiss Performance 2003.

> Marcel Meili hat für archithese 6.2010 Zufall einen Glossar zur Wahrnehmung des Zufalls verfasst.

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