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Swissification

Frankenmuth gibt es in Deutschland und Michigan, das (New) Glarus kann man in der Schweiz und Wisconsin besuchen und Solvang liegt sowohl in Dänemark, als auch in Kalifornien. Nicht nur die Namen europäischer Städte und Regionen wurden in die USA exportiert, sondern auch deren traditionelle Architekturen. Die Wanderausstellung Swissness Appplied setzt sich mit dem Etablieren europäischer Architekturthemen in US-Städten auseinander. Als Fallbeispiel für die vom Architecture Office konzipierte Ausstellung dient die amerikanische Kleinstadt New Glarus.  

 

Text: Leonie Charlotte Wagner – 11.9.2019
Fotos: Architecture Office

 

Theming als Gesetz

New Glarus – eine Gemeinde im US-Bundesstaat Wisconsin – wurde 1845 von Schweizer Siedlern gegründet. In den 1950er-Jahren rutschte der Ort in einer ökonomischen Krise. Um diese zu bewältigen, wurde versucht den Tourismus anzukurbeln, indem sich die Gemeinde ein neues Image zulegte. Die Einheimischen begannen mit der «swissification» der Fassaden von Gewerbegebäuden. Nach und nach wurde das amerikanische Städtchen mit (vermeintlich) traditionell schweizerischen Architekturdetails gespickt.1999 wurde dann mit Artikel 11 das «Swiss Architectural Theme» sogar im lokalen Baugesetz das verankert. Es ordnet den Gebrauch typischer Elemente des Schweizer Chalet-Stils an. Illustrationen, Fotografien und Postkarten sollen die «Swissness» kodifizieren. Mittels dieser Inventarisierung architektonischer Details wird die Ästhetik der Neubauten reguliert.

 

«Now we have the salad.»
Die Ausstellung setzt sich anhand von vier Sektionen mit dem Phänomen der Theming-Bauordnung auseinander. In «Tell no cabbage» wird anhand von monochromen Holzmodellen das Aufeinanderprallen von lokalen Konstruktionstechniken mit den neu etablierten «Schweizer» Details aufgezeigt. Eine weitere Serie zeigt farbige Modelle, mit einem Fokus auf die Modifizierung von Fassaden. Zudem werden in Modellform Entwürfe gezeigt, die versuchen, Spielräume in den strikten Richtlinien des Baugesetzes auszuloten. Schliesslich dokumentiert eine Serie von Fotografien die «swissified» Fassaden in New Glarus. Neben den Arbeiten zu New Glarus setzen sich sechs Fotografien der Serie «Châlet of Switzerland» von Patrick Lambertz mit der Identität der Schweizer Châlets auseinander. Die Inhalte der Ausstellung werfen mehrere Fragen auf, mit denen man sich auseinandersetzen kann: Was passiert, wenn ein kultureller Stereotyp einem ganz anderen Kontext übergestülpt wird und welche Mutationen können dabei entstehen? Wie wurden die diversen Versionen der «Swissness» in einen Gesamtstil komprimiert? Wer diesen und weiteren spannenden Frage nachgehen möchte, kann die Ausstellung ab dem 21. September 2019 im Kunsthaus Glarus besuchen.

 

Die Ausstellung wurde vom 12. April bis 3. Mai 2109 in Milwaukee gezeigt. Vom 21. September bis zum 10. November 2019 ist sie im Kunsthaus Glarus zu sehen. Sie wird am 21. September um 18 Uhr eröffnet. Die Schau ist jeweils samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet und ab Ende Oktober auch von Montag bis Freitag (während den regulären Öffnungszeiten des Kunsthauses Glarus) zugänglich.

 

«Wir wollten das pudrige Amerika der 1950er-Jahre mit helvetischer Perfektion verbinden.» – ein Bericht zum Helvti Diner in Zürich

> Zumthor, Musik und die Glarner Alpen – archithese berichtete über das geplante Musikhotel. 

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