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Wieder (ein bisschen) wild und frei

In der Eiszeit beherrschte die Linth als Gletscher eine ganze Region. Doch eingezwängt durch das «Linthwerk» war der Fluss zwischen Walensee und Zürichsee für 200 Jahre nur noch ein trostloser Kanal. Weil die Wälle bei einem «Jahrhunderthochwasser» die Massen womöglich nicht mehr fassen könnten, wurde der Fluss nun teilweise im Rahmen des Grossprojekts Linth 2000 renaturiert, vor allem aber zwischen noch höhere Wälle gefercht. Passend zum Jahresthema «Korrekturen» lädt die Sektion Zürich/Ostschweiz des fsai am 24. August ein, den Fluss neu kennenzulernen.



Text: Jørg Himmelreich – 4.8.2016

Das Jahrhundertbauwerk Linth 2000 ist das Resultat einer anspruchsvollen, multidisziplinären Ingenieuraufgabe. Die Arbeiten sind mittlerweilen abgeschlossen und die neuen Uferzonen teilweise bereits wieder verwachsen.
Der damalige Projektleiter Roland Hollenstein von der Firma Holinger AG wird an verschiedene Schauplätze und Haupteingriffsorte bei Giessen, Hänggelgiessen und Grynau führen, wo er die technischen, gestalterischen und ökologischen Aspekte erläutern wird.

 

Linth 2000
Die Bauarbeiten am Escherkanal hatten am 25. September 2008 begonnen und wurden am 14. Mai 2011 abgeschlossen. Die Hochwasserschutzdämme zwischen Näfels und dem Walensee wurden teilweise erhöht. An einem Abschnitt darf der Fluss aber auch wieder ohne Korsett sprudeln: Mit der Aufweitung «Chli Gäsitschachen» wurden der Glarner Linth auf einem Streckenabschnitt erneut die ursprüngliche Breite und ein freier Lauf zugestanden. Hier wird sich wohl mit den Jahren ein Auenwald bilden. Verschiedene Waldflächen am Escherkanal erhielten zudem neu den Schutzstatus von Reservaten.
Am Linthkanal nahmen die Bauarbeiten den Zeitraum von 2008 bis 2013 in Anspruch. Auf weiten Strecken wurden die Dämme durch Materialanschüttungen verbreitert und verstärkt; streckenweise wurden sie gar abgetragen und neu aufgebaut. Dazu mussten auch die Läufe einiger Seitengewässer verlegt werden. Mit der neuen Aufweitung im «Hänggelgiessen» erhielt die Linth auch hier mehr Raum zur Entfaltung.
Streckenweise wurden die bisher hart verbauten Ufer des Kanals zu Flachufern umgestaltet. Künftig werden sich wohl Pflanzen und Tiere wieder ansiedeln, die längst verschwunden waren. Der Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottete Bieber ist bereits in den Kanton St. Gallen zurückgekehrt und wird dem grossen Linth-Bauwerk hoffentlich schon bald in den renaturierten Zonen viele weitere hinzufügen.

 

Natur- und Erholungsraum
Das neue Linthwerk ist nicht nur Naturraum, sondern auch ein neuer Erholungsraum für die Bevölkerung. Mit rund 70 Kilometern Wegstrecken entlang der Kanäle zieht der Fluss viele Spaziergänger und Velofahrer an. Es gibt Badeplätze, einen Campingplatz, mit Booten befahrbare Wasserstrecken und Reitzonen. Zahlreiche Tafeln orientieren über Geschichte, Bau und Besonderheiten des Linthwerks. Wer die neue alte Linth noch nicht kennengelernt hat, dem sei daher dieser Sommerausflug des fsai besonders ans Herzen gelegt.

 

Interessierte können sich bis zum 17. August via E-Mail an matthias.staehli@staehliarch.ch, oder per Fax unter +41 55 442 62 14 anmelden. Treffpunkt ist am 24. August im Landgasthof Sternen, Giessenstrasse 10 in Benken/SG.

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Natur – Nature


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