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Vier neue Köpfe für die Architektur an der ETH

Das Who is Who der Architekturszene hatte sich im letzten Herbst auf die freigewordenen Stellen am Departement Architektur der ETH Zürich beworben. Das lange Warten hat nun ein Ende. Heute gab die ETH ihre frisch ernannten Professoren offiziell bekannt. Vier Entwurfsprofessoren aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Japan werden sich künftig zwei Lehrstühle auf dem Bildungshügel Zürichs teilen.

 

Text: Anne-Dorothée Herbort – 18.5.2017

 

Prof. Arno Brandlhuber (*1964), zurzeit Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und als Architekt in Berlin tätig. Für Arno Brandlhuber ist das Arbeiten mit dem Bestand eine Selbstverständlichkeit, das Hinterfragen bestehender Normen und Gesetze eine andauernde Herausforderung. Im politischen und gesellschaftlichen Diskurs ist ihm der Text genauso wichtig wie seine Entwürfe. Mit der Berufung von Arno Brandlhuber sieht über das gebaute Objekt hinaus und versteht Architektur als das Ordnen von sozialen Beziehungen, die soziale, ökonomische und politische Interaktionen miteinbezieht.

 

Prof. Jan De Vylder (*1968), hält aktuell eine Professor an der Katholieke Universiteit Leuven in Belgien inne. Praxis, Lehre und Forschung sind bei Jan De Vylder untrennbar miteinander verbunden. Sein Interesse gilt dem Prozess, der zum Hervorbringen von Architektur führt, und im Gegenzug dem Hervorbringen von Architektur, was wiederum den Prozess beeinflusst. Diese Wechselwirkung von Untersuchen/Entdecken und Erfinden/Umsetzen ist für ihn ein essentielles Element der architektonischen Tätigkeit. Mit der Berufung von Jan De Vylder bekommen die Studierenden an der ETH Zürich die Gelegenheit, an seiner spezifischen Verbindung von Lehre, Forschung und Praxis aktiv teilzuhaben. Jan De Vylder betreibt in Gent zusammen mit  Inge Vinck und Jo Taillieu das Büro architecten de vylder vinck taillieu.

 

Prof. An Fonteyne (*1971), ist zurzeit Professorin an der Hasselt University in Belgien und führt seit 1999 zusammen mit Philippe Viérin und Jitse van den Berg das Architekturbüro noAarchitecten. Dem Trend einer selbst- und objektbezogenen Architektur setzt An Fonteyne eine Baukultur entgegen, die sich intensiv mit den ökonomischen und sozialen Randbedingungen des Bauens beschäftigt. Mit ihrem Profil bringt sie ein wichtiges Motiv ins Departement ein, nämlich das Bauen im Bestand, ein Thema das für die zukünftigen Architektinnen und Architekten von zunehmender Relevanz sein wird.

 

Prof. Momoyo Kaijima (*1969), zurzeit ausserordentliche Professorin an der University of Tsukuba in Japan und wurde für den Lehrstuhl der Architectural Behaviorology an die ETH Zürich gerufen. Das Atelier Bow-How aus Tokyo, welches sie zusammen mit Yoichi Tamai und Yoshiharu Tsukamoto leitet, beschäftigt sich hauptsächlich mit Entwürfen von Wohnhäusern im städtischen Kontext. Momoyo Kaijima ist eine international anerkannte Repräsentantin der Behaviorology-Theorie. Diese untersucht, wie sich ein Mensch, ein Objekt oder ein Gebäude zu seiner gegenwärtigen sozialen und physischen Umgebung verhält und entwickelt Strategien, um dieses Verhältnis beidseitig zu verbessern. Mit der Berufung von Momoyo Kaijima wird das Angebot am Departement für Architektur um eine neue, wichtige Position erweitert, welche die Theorie der Architectural Behaviorology durch eine Untersuchung des heutigen Verhältnisses von Architektur und Landschaft mit dem Fokus auf neue, innovative Nutzungen der Ressourcen vertieft.

 

Aktuell laufen noch drei weitere Ausschreibungen. Gesucht werden Kanditaten für den Lehrstuhl für Denkmalpflege und Architektur und Konstruktion. Des Weiteren ist eine auf sechs Jahre befristete Professur für Architektur und Entwurf offen. Wir sind gespannt, wer diese Lücken am Departement Architektur füllen wird.

 

> Lernen Sie die Architektur Arno Brandlhubers kennen. In archithese 3.2014 Neomanie – Langeweile ist ein Essay von Florian Dreher über die Projekte des Berliner Büros und die «Faszination des Unfertigen» erschienen.

> In archithese 3.2007 Einfamilienhäuser hat sich Judit Solt das verdichtete Atelierhaus von Bow-Wow näher angeschaut.

> Elias Baumgarten analysiert die von Arno Brandlhuber aufgeworfene Frage nach den Wohnstandards in Deutschland in Bezug auf die Flüchtlingskrise.

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