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Goldklasse

Seit 1967 leistet das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich vielfältige Beiträge zur Architekturforschung und -lehre. Das 50-jährige Jubiläum des gta' wird (unter anderem) mit einer Ausstellung auf dem Campus Hönggerberg gefeiert. Sie bietet Quantität aber nur wenig Übersicht.

 

Text: Manuel Pestalozzi – 4.10.2017

 

Wenn Architektinnen und Architekten Dienstleister sind, dann muss das Institut gta als Sekundärdienstleister gelten. Denn eine seiner Aufgaben besteht darin, den Bildungsrucksack der angehenden wie auch der tätigen Mitglieder der Berufsgruppe mit Wissen zu füllen. Darüber hinaus wird geforscht und ein Archiv mit Nachlässen wichtiger Protagonisten der Architektur bewirtschaftet. Der gta Buchverlag publiziert Werke zu Persönlichkeiten und Themen. Schliesslich werden auch Ausstellungen organisiert und kuratiert. Zu seinem 50-jährigen Jubiläum widmet sich das gta jetzt selbst eine Schau.

 

Phantom Theorie
heisst die Ausstellung. Sie ist ein Heimspiel. Beim Betreten des Saals im HIL-Gebäude auf dem Zürcher ETH Campus auf dem Hönggerberg werden die Besucher von eine Bogen der ehemaligen Boutique Weinberg Herren in Zürich von Trix und Robert Haussmann begrüsst – sicherlich eines der grössten und sperrigsten Archivstücke. Dahinter stehen zwischen zwei quer durch den Saal gezogenen Vorhängen 52 identische rechteckige Vitrinen in Reih und Glied. Von der Decke hängen grosse Acrylplatten mit Textplakaten, Postern und Illustrationen. An den freistehenden Pfeilern im halbdunklen Saal sind mehrere Flachbildschirme festgeschnallt. Alles in allem ein riesiges Sammelsurium an Information. Die Vorhänge von Petra Blaisse sind golden. «Vielfältig bedruckt, gestanzt und plissiert sind sie in ihrem Kunstleder-Look ein markantes visuelles Element», erläutert der Ausstellungs-Flyer und fügt an, dass sie sich wie ein Mantel um das Phantom Theorie legen. 

 

Reflexionen und Leistungsschau
Die schimmernden Raumtrenner symbolisieren die hier stattfindende Selbstbespiegelung. Der Inhalt der Ausstellung entstammt einer Forschungsarbeit der Studierenden des Master of Advanced Studies-Programms des Instituts. Der Fokus lag auf der Suche nach der Ideengeschichten des gta'. Enstanden ist aber eher eine Leistungsschau. Das ist nachvollziehbar, denn es wurde und wird viel und viel Diverses geleistet am Institut. Verschiedene Persönlichkeiten werden in der Schau hervorgehoben: Dem Wirken von Paul Hofer, Adolf Max Vogt und insbesondere Bernhard Hösli aus der Gründergeneration wird gebührend Raum gewährt. Doch die schiere Quantität der Themen und Interessensgebiete verunklärt die Sicht auf die Essenz des gta'. Wer unter «Geschichte» die Darstellung eines zeitlichen Verlaufs oder einer Evolution erwartet, wird in der Ausstellung enttäuscht. Themen wie «Typologie» oder «Brico(l)lage City» wurden aus ihrem historischen Kontext gelöst. Eine kritische Würdigung oder kritische Aussensicht auf das gta sucht man zwischen den goldenen Vorhängen vergebens. So wirkt die Ausstellung letzlich wie eine schöne und kurzweilige, aber zugleich leicht manierierte Fleissarbeit. 

 
Die Ausstellung Phantom Theorie. Das Institut gta in der Architekturdiskussion seiner Zeit ist im HIL Gebäude der ETH Zürich auf dem Hönggerberg bis zum 20. Dezember 2017 zu sehen.

 

Zu viel Kunst bei gta Ausstellungen? archithese Chefredaktor Jørg Himmelreich hat die Ausstellung Christopher Williams. Supplements, Models, Prototypes besucht. 

Ein anderer Auftritt für Vorhänge und Vitrinen beim gta: MAN transFORMS. Die Dokumente von gta Ausstellungen thematisierte die wichtigen Ausstellung von Hans Hollein und Lisa Taylor.

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