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Trio am Gleisfeld

Das Zürcher Architekturbüro BGP Bob Gysin Partner hat auf dem Suurstoffi-Areal Ost in Rotkreuz drei Wohn-, Büro- und Gewerbekomplexe entworfen. Die 160 Wohnungen sind bald alle bezogen.

 

Text: Manuel Pestalozzi – 9.1.2018
Bilder: Roger Frei

 

Ehemaliger Industriebezirk
Tief Luft holen in der Zentralschweiz: Einst diente das Areal beim Bahnknotenpunkt Rotkreuz der Sauer- und Wasser-Werk Luzern AG. Seit Beginn des Jahrzehnts taucht es als Suurstoffi regelmässig in der Schweizer Baufachpresse auf. Das neue Stadtquartier beim Bahnhof soll bis 2020 weitgehend fertiggestellt sein. Die Architektur und das energieeffiziente Bauen in der Schweiz prägt es massgebend mit. Gemeinsamer Nenner der verschiedenen Suurstoffi-Baufelder ist die sogenannte Mission 0 Emission: Zu deren gesetzten Zielen gehören die CO2-Neutralität und die komplette Selbstversorgung mit Primärenergie für Heizung und Wasseraufbereitung.

 

Baustein des neuen Stadtbildes
BGP beteiligte sich am östlichen Teil des Areals, wo die Züge von Zürich und Lugano her kommend in den Bahnhof einfahren. Zuerst beteiligte sich das Büro an einem städtebaulichen Wettbewerb im Workshop-Verfahren, der von der Investorin Zug Estatesausgeschrieben wurde. Dieser hatte einen Bebauungsplan des Büros Diener & Diener Architekten zur Basis. Anschliessend erhielt BGP den Auftrag zur Projektierung der drei genannten Liegenschaften. Sie reihen sich zwischen dem Holzhochhaus am Ostende des Areals (im Bau) und dem Standort Rotkreuz des Chemie-Riesen Novartis in die Skyline entlang des Gleisfelds ein.

 

Flexible Nutzungskonzepte garantieren
Die drei Gebäude haben Anteil am pragmatischen planerischen Ansatz, der das Areal prägt. Dieses soll zwar Abwechslung bieten aber trotzdem offen sein für jegliche Bedürfnisse, die an Liegenschaften gestellt werden – und diese können sich bekanntlich schnell wandeln. S16, S18 und S20 besitzen eine gemeinsame Einstellhalle. Sie sind in den unteren Geschossen für Gewerbe-, Büro- und Ladennutzungen konzipiert, darüber befinden sich Wohnungen unterschiedlicher Grössen. Bei den Gebäuden S16 und S18 wachsen die Obergeschosse aus einem Sockel empor, bei ersterem geschieht das in der Flucht entlang der Bahnlinie, bei S18 sind sie zurückversetzt und liegen am rückwärtigen Parkareal. S20 ist als Turm konzipiert und steht wieder in der genannten Flucht. Die Grundrisse beruhen auf demselben Konzept: zentrale Kerne, Stützenraster, Flachdecken. Abgesehen von diesen tragenden und aussteifenden Elementen sind alle inneren Trennungen in Trockenbauweise ausgeführt. Die Grundrisse haben somit einen temporären Charakter und lassen sich ohne tiefere Eingriffe auch wieder verändern. So konnte an den Zuschnitten der Wohnungen noch gefeilt werden, als die unteren Geschossen bereits im Bau waren.

 

Unterschiedliche Wohnungstypen
Geboten werden Mietwohnungen in allen Grössen, die Palette reicht von Zweizimmereinheiten bis zu Duplex- und Triplex-Layouts und grossen Clusterwohnungen für Studierende. Insgesamt verteilen sich 152 Wohnungen und 8 Studentenwohnungen auf die Gebäude, von denen jedes einen eigenen Charakter hat. Die Wohnungsgrössen variieren von Gebäude zu Gebäude, so dass sich ein unterschiedlicher Nutzercharakter und eine Individualisierung der drei Adressen ergeben können. Diese gegenseitige Abgrenzung zwecks Erhöhung der Vielfalt in der Einheit wird auch durch die Fassaden zum Ausdruck gebracht, welche die typologische Verwandtschaft der drei Bauten nicht auf den ersten Blick erkennen lässt. Sie sind gewissermassen «aussen vorgehängt» und weichen in Farbgebung, Materialisierung und Struktur voneinander ab. S16 ist in Grüntönen gehalten, welche sich dem Glaskörper des benachbarten Novartis-Baus angleicht. In die Brüstungen sind rundum gefärbte Photovoltaik-Elemente integriert, die einen Beitrag an die Energieversorgung leisten.
Die Kombination von Pragmatik und Individualisierung verfängt offenbar beim Publikum. Die Wohnungen sind alle vermietet. Bis Ende Januar sollen bei allen drei Bauten alle bezogen sein.

 

> In Swiss Performance 2018, die kommenden März erscheint, lesen Sie einen Artikel von Manuel Pestalozzi über den Wohnturm in Winterthur von wild bär heule architekten.

> Bob Gysin und Theo Kurer bauten das Haus zum Delphin der Gebrüder Pfister um.

> In Rotkreuz und in unmittelbarer Nähe der Suurstoffi bauten Burckhardt+Partner ein Hochhaus für Roche Diagnostics.

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