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Schützende Schwellen

Kann man ein Haus durch einen gestalterischen Kniff verschwinden lassen? Das Mask House, ein Entwurf des amerikanischen Büros WOJR, verschwindet je nach Standpunkt des Betrachters hinter einem feingliedrigen, palisadenartigen Schild; die Gestaltung des Teams um William O'Brien Jr. spannt damit einen Rückzugsraum für Aussteiger auf.

Seit vergangenen Donnerstag kann ein grosses Modell des Projekts in der Zürcher Galerie BALTSprojects bestaunt werden, begleitet von sieben skulpturalen Artefakten, welche die Wahrnehmung herausfordern und ihren Reiz aus ihrer Mehrdeutigkeit beziehen.

 

Text: Elias Baumgarten – 21.4.2017

 

Auf Stützen über einem abgeschiedenen See schwebend und durch einen langen Steg mit dem Ufer verbunden – das Mask House scheint das perfekte Refugium für Aussteiger. Dem simplen Kubus ist auf der dem Ufer zugewandten Seite ein Schild vorgelagert, dessen Lamellen so angeordnet sind, dass die Box nahezu verschwindet, sobald man über die schmale Brücke geht – ein Versteckspiel mit architektonischen Mitteln. Doch was auf den ersten Blick nach einem One-Liner schmeckt, fesselt auf den zweiten durch Verschleierung und die aufgebaute Spannung zwischen Einfachheit und Komplexität.

 

Sehgewohnheiten herausfordern
Neben einem grossen Modell des Mask Houses und den zugehörigen Plänen und Visualisierungen zeigt William O'Brien Jrs. Team sieben Artefakte, welche von ihrer Mehrdeutigkeit leben und unterschiedliche, teils sogar konkurrierende Interpretationen zulassen. So wird etwa ein Z-förmig geknicktes verspiegeltes Band gezeigt, in das eine halbkreisförmige Öffnung geschnitten wurde. Je nach Standpunkt lässt sich dabei nicht zweifelsfrei feststellen, welche Form das Objekt im Grundriss tatsächlich hat und wo sich der Durchgang befindet. So werden Sehgewohnheiten herausgefordert und die Augen können kaum vom Artefakt lassen; viele Besucher schienen magisch angezogen und konnten kaum aufhören, das doch eigentlich einfache Objekt zu umrunden und zu erforschen.

 

Die Schwelle als Schutzwall
Das Mask House und die sieben skulpturalen Objekte adressieren verschiedenste Themen. Doch am auffälligsten ist die Auseinandersetzung mit der Schwelle. Alle Artefakte behandeln Durchgänge. Mal werden sie als kleine Öffnungen in massiven Barrieren inszenieren, dann wieder wie beim Spiegelobjekt verschleiert. Und der gezeigte Entwurf umkreist die Frage nach der Gestaltung des Übergangs von einem kalten, vielleicht sogar feindseligen Raum zur privaten Schutzzone voller Intimität. Allen Objekten gemein ist indes, dass die Schwelle als Schutzwall zwischen Öffentlichkeit und Privatheit wirkt und eine klare Grenze markiert.

 

Die Schau ist bis zum 14. Mai in der Galerie BALTSprojetcs (Bernerstrasse Nord 180 in Zürich) zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Donnerstags und Freitags zwischen 14.00 und 18.00 Uhr, sowie Samstags zwischen 12.00 und 17.00 Uhr.

 

> Die gezeigten Artefakte collagieren starke Geometrien und versprühen bisweilen fröhlichen Postmoderne-Groove. Mehr zu Collage, Bricolage und Postmoderne lesen sie in archithese 3.2016 Postmoderne – neu gelesen und archithese 3.2017 Bri-Collagen, die am 1. September 2017 erscheint.

> Die Objekte der Schau wecken Assoziation zu Pascal Flammers Arbeiten. Mehr zu seiner Architektur lesen sie in Michel Freis Essay «Prekäre Gleichgewichtszustände» in archithese 6.2015 Tradition I Adaption I Innovation.

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