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Ein Nachruf auf Robert Venturi

Der US-amerikanische Architekt und Autor wichtiger Theoriebücher verstarb am 18. September 2018 im Alter von 93 Jahren.

 

Text: Julian Bruns – 20.9.2018
Foto: Todd Sheridan

 

Der Architekt Robert Venturi – 1991 mit dem Pritzkerpreis ausgezeichnet – wurde sowohl durch sein vielschichtiges gebautes Werk als auch seine theoretischen Schriften zu einer prägenden Figur des postmodernen Architekturdiskurses. Vor allem sein Frühwerk, bestehend aus dem Vanna Venturi House in Philadelphia (1964) für seine Mutter und dem Altersheim Guild House in der selben Stadt (1963 zusammen mit John Rauch) gelten längst als Klassiker der Architekturgeschichte.

In seinem Buch Complexity and Contradiction in Architecture (1966) hat Venturi seine Auseinandersetzung mit historischer und zeitgenössischer italienischer Architektur verarbeitet. Er hatte sie während eines zweijährigen Aufenthalts in Rom Mitte der 1950er-Jahre kennengelernt. Inspiriert von barocken und manieristischen Bauten, plädiert Venturi für eine mehrdeutige, vielfältige und widersprüchliche Architektur. Das «behutsame Manifest» wurde zur grundlegenden Kritik an der (Spät-) Moderne. Die Wiedereinführung von Kontext und Geschichte als Entwurfsfaktoren legte die Grundlage für viele zeitgenössische Architekturströmungen.

Auch sein zweites Buch Learning from Las Vegas (1972) wurde schnell zum Klassiker. Zusammen mit seiner Ehefrau Denise Scott Brown und Steven Izenour legte er darin den Fokus auf eine neue Lesung der banalen, funktionalen und vom motorisierten Individualverkehr geprägten Alltagsarchitektur Amerikas. Vor allem Venturis Klassifizierung der US-Architektur der 1970er-Jahre in Enten und dekorierte Schuppen wurde – auch dank seiner pointierter Skizzen – zu festen Begriffen im Architekturdiskurs.

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