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Queerschlagen und Durchstarten!

Warum hat archithese mit dem Queer-Heft die Relation von Architektur und nicht-heterosexuellen Geschlechtsidentitäten auf die Agenda gesetzt? Chefredaktor Jørg Himmelreich bezieht Stellung und reflektiert eigene Erfahrungen in der Architektur, trauert und jubelt zugleich über das Verschwinden von physischen Räumen für LSBT*QI+ im «Westen» und streicht den Wert von Queering als Methode für die Architektur ganz allgemein heraus.

 

Text: Jørg Himmelreich – 11.6.2020
Bild: Diller Scofidio + Renfro, Bad Press (Foto: Michael Moran)

 

Stellung!
«In der Architektur arbeiten überproportional viele Schwule und Lesben, aber wo sind sie?», hat die Redaktion in ihrem Call for Paper zum neuen Queer-Heft behauptet. Als sie dann aber anfing zu graben und in zahlreichen Gesprächen nach role models zu suchen, konnte sie hingegen nur wenige Lesben und Schwule finden, die offen mit ihrer Sexualität umgehen. Lesbische Architektinnen aufzuspüren war noch schwieriger als offen schwule Büroleiter zu greifen; bei Transgendern in der Architektur ist sie dann fast bei null angelangt. Auch Professorinnen und Professoren, die out sind, hat sie fast keine gefunden.
Die Redaktion hätte in einem Rosa von Praunheim-Aktionismus entscheiden können, die Queers in der Architektur aus dem closet zu zerren. Doch Sie müssen sich selber hinstellen fand Chefredaktor Jørg Himmelreich und schritt mit einem «Selbstgespräch» voran, in der Hoffnung, dass viele LSBT*QI+ folgen werden und sich künftig stärker exponieren.  

 

Queere und gequeerte Architektur
Es geht im Text neben der beruflichen Situation von LSBT*QI+ auch um die Fragen, ob queere Menschen eine andere Stadt und Architektur brauchen und ob queere Gestalter*innen anders entwerfen. Eine spannende, wie auch schwierige Frage, birgt sie doch die Gefahr sich in der Bestätigung von Hetero-Klischees zu verstricken. Auch auf diese Frage machte daher nur eine persönliche, bewusst subjektive Antwort Sinn.
Der Text schaut auch auf die Schweizer Architektur: Jørg Himmelreich zeigt auf, dass der Queerness-Diskurs aus den USA durch ganz spezifische Fügungen für mehrere Jahre Einfluss auf die helvetische Architektur ausüben konnte – ein Impuls der sich mittlerweile aber wieder verloren hat. Der Text schliesst daher mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für mehr Queerness in der Architektur – in der Schweiz und eigentlich weltweit.

 

> Reden mit sich selbst: Die Redaktion reflektierte auch im Heft Postmoderne – neu gelesen über ihr Verhältnis zum Paradigmenwechsel vor einem halben Jahrhundert.

> Im Essay «Identität und Identifikationen» beschrieb Peter Mörtenböck unter anderem das queere Projekt Cruisescapes.

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