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Pritzkerpreis für Balkrishna Doshi

Der 90-jährige Gestalter erhält die wichtige Auszeichnung für seine «authentische Architektur», liess die Jury bei der Bekanntgabe am 7. März 2018 in Chicago verlauten. Damit geht der Pritzkerpreis in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt nach Indien.

 

Text: Elias Baumgarten – 7.3.2018

 

Balkrishna Doshi, der in seinen Gestaltungen lokales Handwerk, indische Bautradition und ein modernistisches Formenarsenal vereint, lernte bei Le Corbusier und Louis Kahn. 1954 bis 1957 arbeitete er für ersteren in dessen Büro in Ahmedabad. Und so sagt der 45. Pritzkerpreisträger stolz, er verdanke die Auszeichnung seinem «Guru Le Corbusier». Die Hyatt Foundation, welche den Pritzkerpreis verleiht, schätzt Doshi indes besonders für sein soziales Engagement, seinen «tiefen Verantwortungssinn» und seine «authentische Architektur».
Eines der ersten Bauwerke mit dem er als selbstständiger Architekt durchstartete war das Institute of Indology in Ahmedabad (1962). Internationale Bekanntheit erlangte er vor allem mit Projekten wie dem Aranya Low Cost Housing (1989) im indischen Indore. Ein Herzensanliegen ist ihm nämlich, bezahlbaren Wohnraum zu bieten und zugleich mit seiner Architektur soziale Durchmischung zu stimulieren: In den 6 500 Wohneinheiten dort leben derzeit 80 000 Menschen. Durch unterschiedliche Wohnungsgrundrisse – vom spartanischem Zimmer bis zum geräumigen Apartement – sollen verschiedene Einkommensstufen angesprochen werden.
Auch das von ihm gestaltete Indian Institute of Management in Bangalore (1977-1992) findet vielfach Beachtung. Der Forschungskomplex beeindruckt mit einer labyrinthischen Struktur im Inneren und mutet brutalistisch an. Insgesamt entwarf Doshi über 100 Bauten – Privathäuser genauso wie Universitäten, Konzerthallen und Kunstgalerien.

Der Pritzkerpreis wird Doshi am 16. Mai 2018 im Aga Khan Museum von Toronto überreicht. Zu diesem Anlass wird er dort auch einen öffentlichen Vortrag halten.

 

> 2017 ging der Pritzkerpreis an die Katalanen Rafael Aranda, Carme Pigem und Ramon Vilalta (RCR Arquitectes).

> Alejandro Aravena erhielt den Pritzkerpreis 2016.

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