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New Yorks unterirdischer Park

Die «Lowline» soll die erste Parkanlage der Welt unter der Erde werden

 

Ein unterirdischer Stadtpark – was zunächst nach Science Fiction tönt, soll in New York Realität werden: Auf 5 500 Quadratmetern soll in einem stillgelegten Strassenbahndepot im Osten der Stadt für siebzig Millionen Dollar eine Parklandschaft entstehen, deren Pflanzen durch neuartige Solartechnologie am Leben erhalten werden. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtete, sind die Bewohner des Quartiers wenig begeistert von der Plänen von raad studio um James Ramsey.

 

Text: Elias Baumgarten – 27.7.2016
Visualisierung: raad studio

Vor mittlerweile zwei Wochen hat die Stadtverwaltung der Ostküstenmetropole entschieden, in Manhattens Lower East Side einen unterirdischen Park zu verwirklichen, der das ohnehin belebte Viertel voller Geschäfte, Galerien, Bars und Restaurants noch weiter aufwerten soll. Das als «Lowline» bezeichnete Projekt soll ein Pendant zur bereits gut angenommenen «Highline» bilden – eine zwei Kilometer langen Parklandschaft auf ehemaligen Gleisanlagen, die jährlich mehr als fünf Millionen Besucher anlockt.

 

Tageslichtzufuhr durch Spiegel und überirdische Kollektoren
Das für Pflanzenwachstum nötige Tageslicht soll über ein System aus parabolischen Spiegeln und überirdischen Kollektoren zugeführt werden. Das weitergeleitete Licht wird bis zu dreissigmal heller als die Sonne sein und die heisse Infrarotstrahlung herausgefiltert. Schüsselförmige Verteiler sollen das Licht ausserdem unter der Erde weiterleiten und so das Gedeihen von nicht weniger als fünfzig Pflanzenarten ermöglichen.

 

Keine spielenden Kinder, keine Bienen und keine Blumen
Ballspiele oder Picknicks wird man im unterirdischen Park genauso wenig beobachten können, wie Bienen: Im Gegensatz zur «Highline» soll die «Lowline» als botanischer Garten funktionieren, dessen Vegetation das ganze Jahr über in voller Blühte steht. Früchte und Samenkapseln wird es indes keine geben, weil für deren Bestäubung Insekten nötig wären, welche die Gestalter gleich anderem «Ungeziefer», wie Ratten und Mäuse aus der Anlage fernhalten wollen. Die Schlagzeilen über Ameseinplagen oder andere Schieflagen in der Fauna scheinen vorprogrammiert. Das solche reduzierten Parallelnaturen meist aus dem Ruder laufen, haben vergleichbare Parallelnatur-Einheiten wie die Biosphäre 2 in Arizona vor bereits anfang der 1990er-Jahre vor Augen geführt.

 

Anwohner in Sorge
Laut NZZ formiert sich bereits Widerstand gegen die ehrgeizigen Pläne der Stadt. Die Bewohner fürchten, die Eröffnung der «Lowline» in 2021 werde negative Auswirkungen auf ihr Viertel haben und seinen Charakter verändern. Schlechte Vorzeichen also für die Initiatoren, die aktuell ein Finanzloch von zehn Millionen Dollar stopfen müssen. An Wochenenden können Modelle des Projekts im «Lowline Lab» in Lower East Side begutachtet werden – in der Hoffnung die Bevölkerung doch noch für den unterirdischen Park zu gewinnen.

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