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Grüne Insel auf dem Münsterhof

Kaum war der Münsterhof autofrei, der Platz gepflästert und der Bronzebrunnen installiert, gingen Diskussionen über die Qualität des urbanen Platzes los. Zu leer, zuwenig Aufenthaltsqualität. Stadtrat Filippo Leutenegger versuchte es mit Sonnensegeln, die aber beim ersten Sturm versagten. Nun schafft der Aargauer Künstler Heinrich Gartentor für einen knappen Monat mit einer Magerwiese und einem Holzsteg eine grüne Insel – eine Idee, die auch anderen städtischen Plätzen gut anstehen würde. Die künstlerische Aktion im Rahmen von münsterhof kunst dauert bis zum 17. September 2019.


Text: Christina Horisberger – 27.8.2019

 

Einst reaktivierte er einen stillgelegten Autofriedhof. Nun hat er den Münsterhof in eine blühende Wiese verwandelt. Der temporäre Kunsteingriff mit dem Titel Insel in der Stadt wurde bereits im Winter 2017 geplant: «Damals gab es kein Anzeichen, dass dieser kleine Naturpark zu einem aktuellen Beitrag zur Klimadiskussion werden könnte», sagt Gartentor. Sein künstlerisches Ansatz bezieht sich vor allem auf lokale Zusammenhänge – zum Beispiel auf die in Leserbriefspalten formulierte Forderung, den Münsterhof zu begrünen. Also machte Gartentor das, was als Kernkompetenz der Kunst gilt: Er startete ein Experiment.

Die Blumenwiese
In einer spezialisierten Gärtnerei im Aargau liess Gartentor mehrere hundert Quadratmeter Magerwiese aufziehen, um sie in der Zürcher Innenstadt einzupflanzen, so dass der Münsterhof zur temporären Allmend wird. Heinrich Gartentors Intervention behandelt die Frage der veränderten klimatischen Rahmenbedingungen in urbanen Räumen. Entstanden ist ein platzfüllendes Kunstprojekt, das den Münsterhof für einen Monat in eine Allmend verwandelt. Der Künstler liess während des letzten Jahres in einer spezialisierten Gärtnerei im Aargau mehrere hundert Quadratmeter Magerwiese aufziehen, um sie auf den Münsterhof einzupflanzen. Inmitten der Wiese stehen schattenspendende Weidenbäume. Sie kommen als Leihgabe aus dem Baummuseum in Rapperswil. Damit der Platz überquert werden kann, ohne die Natur zu zertrampeln, wurde ein System von Holzstegen errichtet.

Soziales Experiment
Gartentors Insel in der Stadt ist nicht nur ein klimatisches, sondern auch ein soziales Experiment. Während etwas mehr als drei Wochen funktioniert der Münsterhof nach neuen Regeln: Platzüberquerungen sind nur über die Holzstege möglich, Sitzgelegenheiten befinden sich unter den Bäumen, Freiflächen gruppieren sich am Inselrand. Mitte September geht das Projekt zu Ende, mit einer Auktion der Bestandteile der Insel. «Die Wiese soll sich in Privatgärten und Parks vermehren», sagt Gartentor.

 

> In architheses Rückzugsheft spricht Jørg Himmelreich mit Tom Avermaete über den Hortus conclusus.

> Vor einem Jahr stand ein knalliger Eyecatcher im Rahmen der Festspiele Zürich auf dem Münsterhof.

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Natur – Nature


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