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Mindmap der Kultur

Nicht nur archithese reflektiert mit ihrem Heft Postmoderne – neu gelesen derzeit den Diskurs der 1970er-Jahre. An der ETH Hönggerberg in Zürich wird noch bis Freitag die Ausstellung MAN transFORMS: Die Dokumente gezeigt. Dabei wurde keine Nachstellung der wichtigen Ausstellung von Hans Hollein und Lisa Taylor angestrebt. Stattdessen wird das Ausstellungsmachen selbst als Methode unter die Lupe genommen. 

 

 

Text: Frida Grahn – 5.12.2016
Fotos: Martin Stollenwerk / Stefan Altenburger

 

Am 7. Oktober 1976 eröffnete das New Yorker Designmuseum Cooper-Hewitt nach einer Sanierung seine Pforten mit der Ausstellung MAN transFORMS. Der Anspruch der Museumsdirektorin Lisa Taylor war hoch: die Ausstellung sollte eine Gesamtschau der von Menschenhand gemachten Welt bieten. Hans Hollein wurde als Kurator eingeladen. Er setzte sich über zwei Jahre intensiv mit der Vorbereitung der Schau auseinander.
MAN transFORMS: Die Dokumente des gta Instituts befasst sich nun vier Jahrzehnte später mit der Konzeption der Ausstellung. Professor Laurent Stalder und Samuel Korn (in Zusammenarbeit mit Fredi Fischli und Niels Olsen) geben anhand von Originaldokumenten in Form von Skizzen, Briefen, Filmen und Artefakten Einblicke in den Prozess: MAN transFORMS selbst wird als ein von Menschen gestaltetes Objekt untersucht.
Die niederländische Architektin Petra Blaisse hat den gta-Ausstellungsraum neu organisiert. Vorhänge gliedern die Fläche in fünf Abteilungen. Die Besucher bewegen sich auf einer Achse durch kreisförmige Öffnungen hindurch. In der Raumabfolge werden Originalexponate und Dokumente aus verschiedenen Stadien der Ausstellungsentwicklung gezeigt.

 

Auslegeordnung und systematische Untersuchung
Im ersten Raum ist eine frühe Mindmap zu sehen: der Versuch Holleins, sich mittels Begriffen dem Thema der Ausstellung anzunähern: masks, traffic, cyborgs, duels, alpinism... In seinem Text General Concept beschreibt Hollein, wie er mit «Sinneseindrücken», «Erlebnissen» und «Interaktivität» arbeiten wolle. Die Herstellung neuer Bezüge in einem «totalen Environment» solle als Katalysator im Denkprozess fungieren.
Im nächsten Raum sind die im Rahmen der Ausstellung gehaltenen Konferenzen mit ausgewählten Architekten, Designern und Künstlern dokumentiert. Zusammen mit namhaften Gestaltern wie Buckminster Fuller, Arata Isozaki, Richard Meier, Ettore Sottsass und Oswald Mathias Ungers wurden Gegenstände und Phänomene systematisch untersucht. Der Fokus lag dabei sowohl auf der funktionalen wie auf der formalen Variation der Dinge. Im Cooper-Hewitt wurden unter anderem eine Sammlung von Sternen (mit einem 7-zackigen Stern der San Fransisco Police), Broten (mit Lackfarbe versehen wegen der Haltbarkeit) und Hämmern (von der Steinzeit bis zur Gegenwart) gezeigt. Wobei vor allem die menschliche Erfahrung eine Rolle spielte: Skizzen zeigen verschiedene Gebrauchsformen eines Tuchs – als Fallschirm, Sonnenschutz, Kopftuch oder Fahne, deren Form sich im Wind verändert.
Die Exponate wurden jeweils auf Spiegelflächen ausgelegt – eine Rahmung die visuell sehr ansprechend ist. Die eleganten Vitrinen stehen im Kontrast zur unbändigen Originalschau und eröffnen Einblicke ins Universum Holleins. Mit Hinweisen auf die vormoderne Geschichte durch Fabelwesen, Mythen und Steinzeitwerkzeugen wurde Design als zeitlos dargestellt – als eine urmenschliche Tätigkeit. Durch die Vielfalt von Gestaltungsmöglichkeiten aller Epochen wurde so ein Argument gegen die orthodoxe Moderne formuliert, was eine Brücke zurück in unsere Gegenwart schlägt.

 

Ein Kreis der Inspirationen
Nach dem Besuch stellt sich die Frage: Warum diese Ausstellung über eine Ausstellung aus den 1970er-Jahren zu diesem Zeitpunkt? Eine andere Schau kommt in den Sinn: Die von Rem Koolhaas kuratierte Biennale in Venedig vor zwei Jahren. Auch er hat versucht, auf den (vergessenen) Reichtum der Formen in der (Architektur) hinzuweisen. Koolhaas hat bei der Ausstellung in der Cooper-Hewitt nicht mitgewirkt, doch für die Schau über die Schau in Zürich war er offensichtlich Pate im Geiste. Hier schliesst sich ein Kreis: Denn Hollein hat mit seiner Ausstellug in New York mit grosser Sicherheit die Kohlhaas Schau vor zwei Jahren in Venedig beeinflusst. 

 

Die Ausstellung MAN transFORMS: Die Dokumente ist noch bis zu 9. Dezember 2016 in der ETH Hönggerberg im HIL-Gebäude der ETH Hönggerberg in Zürich zu sehen.

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