Aus welchem Land kommen Sie?


Laut und leise

Der Ersatzneubau des Tanzhauses in Zürich ist fertiggestellt und wurde heute in einem Medienrundgang mit Stadtrat André Odermatt, Kulturdirektor Peter Haerle und Architekt Alberto Veiga der Öffentlichkeit präsentiert. Der Bau ist auf bemerkenswerte Weise zugleich subtil und ausdrucksstark. Er ist ein neuer Eyecatcher am Limmatufer.

 

Text: Julian Bruns – 24.5.2019
Fotos: 
Simon Menges

 

Im Herbst 2012 brannte an der Wasserwerkstrasse in Zürich die alte Halle der Seidenweberei ab. Der städtische Bau wurde bis dahin von der Schweizerischen Textilfachschule und dem Verein Tanzhaus Zürich genutzt. Das Architekturbüro Barozzi Veiga aus Barcelona konnte 2014 den vom Amt für Hochbauten ausgeschriebenen Wettbewerb für einen Ersatzneubau gewinnen. Nachdem 2015 die Textilfachschule andere Räumlichkeiten beziehen konnte, wurde das Projekt zum reinen Tanzhaus. 2016 genehmigte der Gemeinderat einen Objektkredit von rund 14,4 Millionen Schweizer Franken (inklusive Gebäudeversicherung).

 

Zickzack
Das gemeinsame Büro des Spaniers Alberto Veiga und des Italieners Fabrizio Barozzi hat nun den expressiven und gleichzeitig behutsam eingefügten Bau fertiggestellt. Von der Wasserwerkstrasse ist der Erweiterungsbau des 2007 von Hildebrand und Gramazio Kohler umgebauten Transformatorenstation, in dem der Verein und einige Architekturbüros sitzen, fast nicht zu sehen. Hinter einem bestehenden Wohnhaus erstreckt sich eine neue grosszügige Terrasse mit Blick auf die Limmat und dem Flussbad Unterer Letten. Am Ufer mit dem Kloster Fahr-Weg sind die Architekten von der Baulinie nach hinten gerückt und verbreitern damit den bis danhin schmalen Weg zu einer Art Promenade. Dazwischen – in den Hang eingeschoben – versteckt sich das eigentliche Tanzhaus als abgetreppter Baukörper: Einem zweigeschossigen Teil, der den überhohen Tanzsaal, drei Übungsräume sowie Büros und Garderoben enthält, ist ein eingeschossiges, durchgehendes und öffentliches Foyer mit Cafeteria und Bar vorgelagert. Damit soll die Promenade als Begegnungsort zwischen Passanten und Tanzschaffenden belebt werden.
Ausserdem ist durch die Bauform die Beleuchtung des Herzstücks – dem zweigeschossigen Saal – gewährleistet. Der Bau tritt zum Fluss weniger wuchtig in Erscheinung und eine dritte, private Terrasse für die Nutzer des Tanzhauses entsteht auf dem Foyer.

 

Dezent präsent
Dem subtilen, fast verstecktem Einpassen in das Ensemble steht der expressive Ausdruck gegenüber: Wie zwei aufgestellte Kämme wirkt die minimale Fassade, die zwischen Offenheit und Geschlossenheit wandelt. Die dreieckigen Fensterflächen sind mit diagonal bespannten Rankdrähten versehen. Die natürliche Verschattung durch die Rankpflanzen wird zukünftig Schatten spenden. So konnte man auf Sonnenstoren verzichten. Interessanter Nebeneffekt: Die Betonfassade wird sich so in den Sommermonaten noch mehr verstecken und mit der Umgebung «verwachsen». Wie und ob das funktioniert, wird sich zeigen, weckt aber jetzt schon verschiedene Assoziationen, die vom Bunker bis zur Ruine reichen und neugierig machen. Offiziell und feierlich eröffnet wird das Tanzhaus am 6. September 2019.

 

> Eine umfassende Kritik über den Erweiterungsbau des Kunstmuseums in Chur von Barozzi Veiga lesen Sie in archithese 1.2017 Swiss Performance

Unsere Empfehlung

archithese 1.2017

Swiss Performance 2017


Unsere Empfehlung

Unsere Empfehlung

archithese 2.2017

Neues Feingefühl


Einen Kommentar schreiben

Spamschutz: Rechnen Sie die Aufgabe und tragen Sie die Lösung in das Feld ein: