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  • Das Turm-Narrativ San Gimignano in Berlin-Lichtenberg (Foto © Erica Overmeer)
    Das Turm-Narrativ San Gimignano in Berlin-Lichtenberg (Foto © Erica Overmeer)

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Komplexität (weiter)nutzen

 

Als Arno Brandlhuber und Christopher Roth vor knapp 10 Jahren nach einem Bauplatz für ein gemeinsames Projekt suchten, zeigte der in den 1990er-Jahren angestossene stadtpolitische Wandel Berlins bereits seinen Preis: Die Bodenpreise in innenstädtischer Lage waren bereits hoch und die Möglichkeiten rar, so dass die Projektentwickler ausserhalb der heimlichen Grenze Berlins, also ausserhalb des S-Bahn-Rings suchten. Entstanden ist nun ein Projekt, das damals viele für wahnsinnig gehalten hatten.

 

San Gimignano Lichtenberg: Der klingende Name des Projekts, der auf die gleichnamige toskanische «Stadt der Türme» verweist, lässt verlockende Bilder im Kopf entstehen. Das italienische Flair des Narrativs sowie die daraus entstehenden Projektionen auf die rauen Betontürme, die in kaum grösseren Kontrast zu dem quirligen, bunten vietnamesischen Dong Xuang Center zu seinen Füssen mit seinen weitläufigen flachen Hallen stehen könnten, sind vieles: überfordernd, vielschichtig, anregend.
Ursprünglich gehörten die massiven Betontürme zu einer Produktionsstätte, die 1872 von Siemens gebaut wurde. Während der zwei Weltkriege diente sie der Herstellung kriegswichtiger Kohleerzeugnisse und wurde 1954 zum volkseigenen Betrieb der DDR mit dem Namen VEB Elektrokohle. Nach dem Berliner Mauerfall und dem Ende der örtlichen Produktion siedelten sich auf dem Areal vietnamesische Gastarbeiter*innen an, die nach dem Ende der DDR ihre eigenen Geschäfte eröffneten und damit das gesamte Gelände wiederbelebten. Die Komplexität des Areals und seiner vielfältigen Geschichte setzt sich nun in den zwei Türmen weiter fort, die unter der Chiffre «Prototypenwerkstatt» das Mit- und Nebeneinander von Kunst und Gewerbe fördern sollen. Für die aktuelle Ausgabe von archithese Anders nutzen setzt Angelika Hinterbrandner die zwei Türme in die städtebaulichen, politischen, ökonomischen und narrativen Zusammenhänge und erklärt, wieso nicht nur an diesem Ort der Komplexität eine besondere Gewichtung zukommt.

 

> Die aktuelle archithese findet ihr in unserem Web-Shop.

 

> Im Zusammenhang eines Volksbegehrens der Initiative «Deutsche Wohnen und Co. enteignen» stimmt im Juni 2021 eine grosse Mehrheit für die Enteignung grosser Immobilienunternehmen innerhalb Berlins. archithese berichtete.

> Im September folgte dann die Zustimmung zum Volksentscheid. Über Chancen aber auch Probleme des Entscheids berichtete Martin Kohlberger in unserem Blog.

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