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Knalliger Eyecatcher

Für die Festspiele Zürich gestalten angehende Landschaftsarchitekten ein Zentrum: Studierende der Hochschule Rapperswil setzen in den historisch gewachsenen Münsterhof eine poppige Installation, die sich als Oase und Denkraum entpuppt.

 

Text: Cyrill Schmidiger – 29.5.2018

 

Ein städtischer Platz mit Potenzial
Der Münsterhof im Lindenhof-Quartier war einst ein Friedhof, der später zum Schweinemarkt umgewandelt wurde. Lange diente er auch als Parkplatz, bis 2012 beschlossen wurde, den Münsterhof neu zu gestalten. Seit April 2016 ist er frei von Parkplätzen. Heute dient der urbane Freiraum im Herzen der Zürcher Altstadt vor allem als Kulturort. Nun wird der historischen Kulisse im Rahmen der Festspiele ein knalliges Projekt gegenübergestellt: Ein dreieckiger Rasenteppich mit abgerundeten Kanten ziert die Mitte des Hofs, wobei sein kräftiges Dunkelrosa die sanften Farben der Häuserfassaden aus Stein kontrastiert. Etwas an den Rand gerückt befindet sich auf diesem künstlichen Bodenbelag ein seitlich nicht durchgängig geschlossener Kubus. Sein Dach ist unregelmässig perforiert und mutet wie ein Emmentaler Käse an. Pink, laut und etwas trashig – damit passt das Projekt zum Motto «Schönheit / Wahnsinn», unter dem der Kulturanlass in diesem Jahr steht.

 

Von der Knospe zur Blüte
Entstanden ist das Werk mit seinem 1 000 Quadratmeter grossen Kunstrasen und dem Fünf-Meter-Kubus aus einer Zusammenarbeit zwischen den Festspielen Zürich und dem Institut für Landschaft und Freiraum der Hochschule Rapperswil. Deren Studierende entwarfen 21 Konzepte, wobei der auserkorene Jungle Cube von Nadine Jost und Regula Luder zum Future Forest weiterentwickelt wurde. Daran beteiligt waren auch die Landschaftsarchitektin Viola Thiel und der auf Pflanzenverwendung spezialisierte Professor Mark Krieger.

 

Oase gegen die Hektik
Das Spiel von Kunst und Natur prägt die knallige Installation. Im Innern des Würfels befinden sich Bäume, Sträucher, Moos und Farne. Der Besucher taucht vom schrillen Rosa in ein ruhiges Grün ein. Und weil Licht in den Kubus fällt, sind je nach Tageszeit unterschiedliche atmosphärische Momente zu erleben. Während des Trubels der Festivalwochen soll diese Box den Passanten zur Erholung dienen. «Das Projekt ist ein offener Raum, eine Art Agora längst vergangener Zeiten. Sie wird zu einer Heterotopie, zu einem Ort ausserhalb aller Orte», erklärt die Festspiel-Kuratorin Belén Montoliú in einer Medienmitteilung. Zugleich möchte die Installation die Frage aufwerfen, wie das Künstliche und Natürliche neu verhandelt werden könne und ob ihr Verhältnis (überhaupt) ein duales sei.

 

Kulturbiennale
Die Festspiele Zürich finden seit 1996 alle zwei Jahre statt. Sie werden gemeinsam von Zürcher Kulturinstitutionen begangen, etwa vom Kunsthaus und Schauspielhaus, aber auch von der Volkshochschule, dem Museum Rietberg oder dem Theater Rigiblick. Es bildet den Inspirationspunkt für rund 140 Events in den Sparten Oper, Musik, Theater, Bildende Kunst, Literatur, Tanz und Performance. Das Festspielzentrum im Münsterhof dient als Bühne für frei zugängliche Veranstaltungen wie Familientag oder Open-Air-Konzerte.

 

Die Future-Forest-Installation ist vom 1. bis zum 24. Juni 2018 auf dem Zürcher Münsterhof zu sehen. In diesem Zeitraum finden auch die Festspiele Zürich statt.

 

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