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Kleine und grosse Häuser

In der Kunsthalle Arbon untersuchen die beiden Künstler Simone Zaugg und Pfelder verschiedene bauliche Themen: Behausungen und architektonische Hüllen, aber auch die Stadtentwicklung der Gemeinde am Bodensee werden vom Duo in den Fokus gerückt. Die Ausstellung Von kleinen und von grossen Häusern wird am 7. April eröffnet und dauert bis zum 12. Mai 2018.

 

Text: Cyrill Schmidiger – 29.3.2018

 

In, für und über Arbon
Simone Zaugg (*1968 in Bern) und Pfelder (*1965 in Hamburg) haben seit den 1990er-Jahren künstlerische Werke geschaffen, in denen sie sich unter anderem mit dem Wohnen auseinandersetzen. Nun realisieren die Beiden ein gemeinsames Projekt für die Kunsthalle Arbon. In der mehrteiligen Ausstellung werfen Zaugg und Pfelder Fragen zur Raumplanung oder Wohnkultur auf und münzen diese auf die städtebauliche Situation der (ehemaligen) Industriestadt im Thurgau.

 

Spannende Fragen
Die Künstler untersuchen alltägliche Räume im sozialen, historischen und politischen Kontext. Dabei fokussieren sie auf einzelne Häuser, Hütten, Fabriken oder Siedlungen. Wer will in Industriegebäuden wohnen? Wer kann es sich leisten? Und welche Folgen hat diese Entwicklung für die Stadt, Umwelt und Landschaft? Wird durch die Umnutzung von bestehendem Industrieraum in Wohnraum auch ein verdichtetes Bauen und Wohnen geschaffen? Oder bleibt heute eine nachhaltige, qualitativ hochwertige Planung und Architektur wegen rein ökonomischen Interessen auf der Strecke? Diese komplexen Themen beleuchten Zaugg und Pfelder mit künstlerischen Interventionen in Form von utopischen Statements und Visionen.

 

Mehrere Schwerpunkte
Die Ausstellung ist in drei Hauptbereiche gegliedert. In der grossen Halle im Erdgeschoss ist die raumfüllende Installation Die Häuser der Zukunft müssen immer erst noch gebaut werden zu sehen. Hier untersuchen Zaugg und Pfelder Aspekte wie individuelle Behausungen oder Stadtentwicklung. Dabei taucht das Publikum in einen Wald aus Visierstangen ein und findet sich mitunter in einer Musterwohnung wieder. Anstatt eines repräsentativen Lofts zeigt sie schemenhafte Möbel aus Baulatten und diskutiert die Umgestaltung von alten Produktionsstätten in Wohnungen. Ein Plakat imitiert im Ein-Raum-Format den Blick auf den See.
An den Stirnseiten der Halle befinden sich vermeintliche U-Bahnstationen – Arbon Süd und Arbon Nord. Sie binden die Stadt fiktiv an das europäische Verkehrsnetz an. Tatsächlich aber führen die Plattformen in den Keller zur nächsten Ausstellungsebene, wo zwischen den Pfeilern beleuchtete Plakate hängen. Sie dokumentieren die vorgestellten Hausprojekte. In einem Denkraum wird zudem das «Hausen» in seiner gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Dimension verhandelt.

 

Out of the Box
Auch der Aussenraum der Kunsthalle wird bespielt: Ein Bauplakat kündigt eine fiktive Überbauung des Areals Schädlerhalle an. Die darauf abgebildeten Bilder und Pläne reflektieren die realen städtebaulichen Umstrukturierungen. Es entsteht ein vielschichtiges Spiel von Fiktion und Wirklichkeit, Wunsch und Realität. Auf dem Dach der Halle werden zudem an den vier Gebäudeecken Visierstangen aufgesetzt, um die Illusion des angeblichen Bauprojekts für die Halle zu verstärken. Doch die Stangen sind nach aussen gerichtet – das ausgesteckte Volumen ist damit nicht realisierbar.

 

Die Ausstellung Von kleinen und von grossen Häusern wird am 7. April um 17.00 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 12. Mai 2018 in der Kunsthalle Arbon an der Grabenstrasse 6 zu sehen.

 

> Ungewohnte Innenwelten gab es beim Projekt 04 der Sollbruchstelle in Zürich zu sehen.

> Im M:AI in Essen lief im Februar 2018 die Ausstellung Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar.

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