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In Orbit

Die Feinheit und Schönheit von Spinnennetzen, aber auch ihre enorme Stabilität und Belastbarkeit sind immer wieder Vorbild für Tomás Saracenos visionäre Installationen. Seit 2013 war sein riesiges Netz in der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen unter der Kuppel des K21 in Düsseldorf aufgespannt und konnte erklettert und erkundet werden. Ende März wird nach Renovierungsarbeiten die Installation – Sinnbild einer vernetzten, besseren Gesellschaft – wieder eröffnet.

 

Text: Anne-Dorothée Herbort – 21.2.2017
Bild: Tomás Saraceno, In Orbit, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K21 Ständehaus Düsseldorf, 2013 (Foto: Tomás Saraceno)

 

Die Natur als Vorbild

Der wissenschaftsaffine, stets gut gelaunte Künstler Tomás Saraceno beschäftigt sich in seinen begehbaren Installationen mit natürlichen Gesetzen, der Biologie, der Ökologie und der Raumfahrt. Seine Installationen entstehen nach intensiver Auseinandersetzung mit biologischen und physikalischen Erkenntnissen. Für die Skulpturen Hybrid Webs erforschte er beispielsweise spezielle Spinnenarten, die er in Vitrinen ihre Netze bauen liess. Saraceno ist fasziniert von der Feinheit und Schönheit dieser Strukturen aber auch von ihrer enormen Stabilität und Belastbarkeit. Denn bezogen auf ihr Gewicht sind Spinnfäden viermal belastbarer als Stahl und können um ein Vielfaches ihrer Länge gedehnt werden.

 

Seiltanz
Das riesige Netz schwebt auf 25 Meter Höhe über der Piazza des K21. Die Besucher werden eingeladen, den festen Boden zu verlassen und auf den filigranen Stahlseilen ein noch nie zuvor erfahrenes physisches Abenteuer zu erleben. Kein Computerprogramm konnte die Auswirkungen der Kräfte, ausgelöst durch das eingespannte Netz, die auf das Gebäude wirken voraussagen. Ob das Gemäuer der Düsseldorfer Kunstsammlung der dynamischen Installation wirklich Stand hält, konnte also erst nach dem Einhängen überprüft werden. Saraceno möchte damit hinweisen, dass 95 Prozent des Universums aus dunkler Materie besteht und der Rest – alles was wir sehen und greifen können – bloss verschwindende 5 Prozent ausmacht.

 

Schweben auf Woke sieben
In Orbit ist zugleich Metapher für Saracenos Traum von einer freien Gesellschaft die losgelöst von Grenzen, Umweltverschmutzung und Lärm auf Wolken schweben. Inspiriert von der biomorphen und fururistischen Architektur eines Frei Otto, Constant Nieuwenhuys oder der österreichischen Avantgarde der 1970er-Jahre dreht sich Saracenos künstlerisches Schaffen seit einigen Jahren um die Verwirklichung so genannter Wolken Städte. Die Installation In Orbit unter der Kuppel des Ständehauses ist Bestandteil dieser sozialen Utopie, in der das Spinnennetz zum Ideal für schwereloses, effizientes Bauen und zum Sinnbild für menschliches Sozialverhalten, Koexistenz und Vernetzung innerhalb der Gesellschaft wird.
Seit 2013 hängt die riesige, begehbare Rauminstallation In Orbit schon über den Köpfen der Besucher des K21. Ende März, nach mehrmonatiger Renovierungsphase, wird die international gefeierte Installation nun wieder bekletterbar.

 

Die Installation ist ab Ende März 2017 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K21 Ständehaus in Düsseldorf erlebbar.

 

> Elias Baumgarten begibt sich in seinem Essay «Der Traum vom Fliegen» in archithese 4.2016 Science-Fiction in utopische Welten der Visionäre Tomàs Saraceno, Constant Nieuwenhuys, Wolf D. Prix, Wolfgang Tschapeller und Lebbeus Woods.

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