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In den Kontext gesetzt

Heute fand die Schlüsselübergabe der Kunsthaus-Erweiterung statt: Nach rund zwölf Jahren Planungs- und Bauzeit wurde das Gebäude der Stiftung Zürcher Kunsthaus übergeben. Die angepeilten Baukosten von CHF 206 Millionen wurden eingehalten und der Vollbetrieb ist nun für Oktober 2021 geplant. Dennoch durfte die Presse sich bereits umschauen. David Chipperfield stellte sich im Zusammenhang mit der Eröffnung den Fragen von archithese und beleuchtete verschiedene Überlegungen zum Kontext des Neubaus – städtebaulich, architektonisch, historisch und kulturell.

 

Interview: Jørg Himmelreich – 11. Dezember 2020
Fotos: Noshe © David Chipperfield Architects / Juliet Haller © Amt für Städtebau, Zürich

 

Jørg Himmelreich     Ich möchte unser Gespräch über die Erweiterung des Kunsthauses der Stadt Zürich mit Fragen rund um dessen Massstäblichkeit eröffnen. Denn der Neubau erfüllt ganz offensichtlich nicht nur eine Funktion zur Bereitstellung von mehr als 5 000 Quadratmetern neuer Museumsfläche zur Präsentation von Kunst. An der Schanierstelle der mittelalterlichen Altstadt und den Gründerzeitlichen Quartieren Hottingen und dem Hochschulquartier mit seinen vielen grossmassstäblichen Bauten gelegen, übernimmt er auch eine Rolle als städtebaulicher Vermittler. Und ganz besonders am Heimplatz moderiert der Neubau zwischen den verschiedenen Massstäben und Zeitschichten, die dort zusammentreffen.

David Chipperfield    Die Grösse des Neubaus war eine nicht ganz einfache Vorgabe. Wie dieses Volumen in Erscheinung treten und wirken würde, war sowohl während der Ausarbeitung unseres Wettbewerbsbeitrages als auch bei der weiteren Planung permanent ein Thema, über das wir diskutiert haben und diesbezüglich durchaus auch Sorgen hatten. Auch deshalb, weil das Grundstück vorher – abgesehen von zwei kleinen Sporthallen die dort standen – ein Leerraum in der Stadt war. Sollten wir den Erweiterungsbau als Solitär ausformulieren oder ihn vorrangig als Baustein im grösseren Stadtgefüge denken? Beides war uns wichtig, doch für uns war letztlich die entscheidende Frage, wie der Bau am Heimplatz in Erscheinung treten würde. Auf keinen Fall sollte er wie ein Fremdkörper wirken, sondern seine Fassade zur vierten platzdefinierenden Fläche werden.
Wir fragten uns: Darf die neue Fassade – aus der städtebaulichen Perspektive – die anderen Bauwerke leicht überragen? Jetzt wo der Bau fertig ist, kann ich guten Gewissens sagen, dass er mit dem Bestand harmoniert. Ich bin zufrieden, wie unser Gebäude mit dem Schauspielhaus und dem Bestandsbau von Moser zusammenkommt. Der Neubau tritt zwar als Einzelobjekt in Erscheinung, aber wirkt dennoch wie selbstverständlich im städtischen Gefüge. Und er ist zugleich neuer Teil einer grösseren Klammer, die vom Opernhaus, dem Kunsthaus und den Bauten des Hochschulviertels aufgespannt wird. Als Mitglied dieser Familie grosser öffentlicher Bauten darf die Kunsthauserweiterung durchaus eine starke Präsenz haben.

 

Ich verstehe die Fassade des Neubaus so, dass sie verschiedene architektonische Charakteristika der Nachbarbauten zusammenbinden will und zugleich ein Versuch ist, das grosse Volumen im Massstab herunterzubrechen und doch auch eine dezente Monumentalität auszustrahlen möchte. 

Es gab am Anfang Kritiker*innen, die uns vorgeworfen haben, der Bau sei nicht interessant oder aufregend genug, und gefordert haben, dass er eine stärkere Identität haben müsse, extravaganter sein sollte, mehr Ausdruck unserer Zeit und so weiter. Doch für uns war es entscheidender, dass wir einem bestehenden Ensemble einen neuen passenden Baustein hinzugefügt haben. Wir wollten keinen Fremdkörper dort hinsetzen, sondern der Erweiterung eine Identität geben, die aus dem Zusammenspiel mit den anderen Bauten am Platz entsteht. Es gibt am Heimplatz etwas, das ich eine unscharfe Traditionslinie oder gemeinsame Architektursprache nennen würde und diese haben wir weitergedacht.

 

Bei allem Feingefühl für den unmittelbaren und grösseren Kontext ist der Bau aber letztlich doch auch eine big box.

Museen tendieren generell dazu und die meisten haben auch keine Fenster. Viele Kuratoren fürchten sich wie Graf Dracula vor dem Licht und leben gern im Dunklen. Tageslicht ist ihnen zu unberechenbar.
Da Kunstwerke ständig an Wert gewinnen, wird der sorgfältige konservatorische Umgang mit ihnen immer wichtiger. Doch beim Kunsthaus hatten wir Glück, denn wir durften ein «Haus der Räume» gestalten, die Tageslicht haben sollten. Wir fragten uns: Wie kann man Fenster so gestalten, dass das Licht kontrollierbar ist und sie zudem die innere Struktur des Bauwerkes nach aussen abbilden? Die Gestaltung der Fassade erlaubte es uns, die Fenster frei anzuordnen, je nachdem wie es die innere Raumstruktur erforderte. Die Fassaden sind so zu einem Vermittler zwischen Innen und Aussen geworden und etablieren zugleich Bezüge zu den Bauten rings herum.

 

Euer Büro hat enorm viel Erfahrung mit Museumsbauten, beziehungsweise Erweiterungen. Ich denke beispielsweise an das Museum für Moderne Literatur in Marbach oder an die James-Simon-Galerie für die Museumsinsel in Berlin. Hast Du räumliche Ideen oder architektonische Themen aus diesem grossen Erfahrungsschatz in Zürich erneut aktivieren können? 

Das Wichtigste beim Bau eines neuen Museums ist, dass es eine gute Präsentation von möglichst vielen Kunstgattungen ermöglichen sollte. Dazu sind die Räume entscheidend. Der bedeutende englische Kunstkritiker David Sylvester – er schrieb die Biografie von Francis Bacon – hat einmal gesagt, dass Architekten die grössten Feinde der Künstler seien. Das war schon immer so: Architekten sind meist viel zu sehr damit beschäftigt, ihre eigenen Geschichten zu erzählen, als sich zu bemühen, gute Räume für die Kunst zu schaffen. Ich denke, wir haben da bessere Lösungen gefunden und sind sehr zufrieden mit den Museen, die wir bauen durften: das Literaturmuseum der Moderne, das Saint Louis Art Museum, The Hepworth Wakefield und Turner Contemporary in Margate. Wenn Künstler auf mich zukommen und sagen, «ich hatte gerade eine Ausstellung in einem Ihrer Gebäude und muss sagen, es waren die besten Räume, in denen ich meine Arbeiten je gezeigt habe», dann ist das für mich ein grossartiges Kompliment, gibt mir Energie und Bestätigung.
Und dennoch reicht es nicht, gute Räume für die Kunst zu machen, wenn das zu einem Gebäude führt, das nicht in seinen Kontext passt. Die Architektur eines Museums – das ist für mich die zweite Regel – muss auch zu seinem städtischen Umfeld vermitteln.
Und drittens – und das wird für Museen immer wichtiger – müssen sie unterhalten. Im 19. Jahrhundert musste man bei Institutionen wie dem Neuen Museum in Berlin noch klingeln. Erst nachdem Du gesagt hast, dass Du beispielsweise die Ägyptische Sammlung sehen möchtest, liess man Dich rein. Das Ganze war sehr akademisch. Spätestens seit Ende des 20. Jahrhunderts ist das völlig anders. Heute sind Museen Teil der Unterhaltungskultur. Und das meine ich nicht in einem negativen Sinne.

 

…und sie sind wichtige Faktoren im Stadtmarketing und zum Ankurbeln des Tourismus geworden.

Ja, so kann man das sagen. Daraus erwachsen ein paar negative Aspekte. Welche Kunst gezeigt und gesammelt wird, entscheidet sich immer mehr anhand der Besucherzahlen. Gut ist hingegen, dass moderne Kunst heute eine enorme Wirkungsmacht hat und damit in der Lage ist, uns als unabhängige Position zu erreichen und zu bilden. In England haben es zudem einige Museen geschafft, Schulen und andere Bildungseinrichtungen anzuziehen. Dadurch werden die Museen auch zu Orten mit sozialen Funktionen und zu Kulturzentren in einem erweiterten Sinne. Auf diese neuen Ansprüche und Möglichkeiten sollten Museen reagieren. Und das ohne dabei die Eigenschaften zu verlieren, die sie im 19. Jahrhundert hatten. Sie sollten auch weiterhin Orte der Ruhe, Ablenkung, Abstraktion, Stille und Einkehr sein. Ein gutes Museum verkörpert diese beiden Pole gleichermassen. Die Tendenz geht zwar in Richtung mehr Dynamik, aber ohne dass die Museen dabei ihren festen Körper verlieren würden.

 

Das bringt uns zu den Innenräumen. Obwohl Materialien wie der fast in allen Räumen präsente, beige schimmernde Recyclingbeton oder die Reliefs aus Messingrohren und -zargen alle Räume zu einer Einheit zusammenbinden, gibt es doch unterschiedliche Räume – grosse eher generische Säle und intime Kabinette, die fast wie Massanzüge für die dort einziehenden Sammlungen wirken. Mal betritt man die Säle direkt von den Plattformen im mehrgeschossigen Foyer, mal sind sie als verwinkelte Abfolgen angelegt.

Ja, das Museum ist für uns wie gesagt ein «Haus der Räume». Die Räume für die zeitgenössische Kunst sind zwar gross, aber sie können bei Bedarf unterteilt werden. Jetzt sind sie noch leer, aber später werden sie wohl die meiste Zeit untergliedert sein. Alle zwei bis drei Jahre mag es eine Ausstellung mit grossen Skulpturen geben, wo man sie dann wieder in ihrer Gänze erleben kann.
Man wird wohl für jede Installation die Räume anders unterteilen. Die meisten Werke der traditionellen Kunst sind dazu gedacht, an Wänden gezeigt zu werden. Die Kuratoren werden je nach Ausstellung nach geeigneten Raumstrukturen suchen, die in ihrer Wahrnehmung einen idealen Bezug zu den Kunstwerken aufbauen. Das ist die klassische Art zu kuratieren. Doch zeitgenössische Kunstwerke sind nur noch selten dazu gedacht, an einer Wand aufgehängt oder in der Mitte eines Raumes positioniert zu werden, wie eine Skulptur, um die man herumgeht. Die neuen Werke stellen diese Arten der Präsentation komplett in Frage. Sie ändern sich im Massstab; manchmal geht es auch nur um Geräusche.

 

Und dennoch kommt der Erweiterungsbau in Zürich eher klassisch daher.

Letztlich haben wir eine Art Museum des 19. Jahrhunderts gebaut, bei dem alle öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss angeordnet sind und die Ausstellungen sich im Piano Nobile und dem Geschoss darüber befinden. Nichtsdestotrotz haben wir zeitgenössische Ausstellungsräume eingefügt, die es dem Museum erlauben, auch andere Bespielungen zuzulassen. Auch die zentrale Halle ist ein durchlässiger Raum. Dort können verschiedenste Events stattfinden. Generell wird das Erdgeschoss mit dem Shop und Restaurant sehr lebendig. Und auch, weil die Halle von jedermann – ohne dass der Kauf eines Tickets nötig wäre – durchquert werden kann, um vom Heimplatz in den Garten der Kunst zu kommen.

 

In den letzten Wochen hat die Kontroverse um die Sammlung Bührle hier in der Schweiz an Fahrt aufgenommen. Diese soll im zweiten Obergeschoss des Neubaus gezeigt werden. Kritiker fordern, dass im Museum Emil Georg Bührles Tätigkeit als Waffenhändler vordergründig dargestellt werden sollte, auch deshalb, weil er Nazi-Deutschland aufgerüstet und im Zweiten Weltkrieg Kunstwerke Enteigneter zu günstigen Preisen gekauft hat. Habt ihr versucht, auf der Ebene der Architektur diesen schwierigen Hintergrund zu thematisieren? Oder allgemeiner gefragt: Können oder müssen wir Architekten mit den Mitteln Raum und Material auf solche Hintergründe hinweisen?

Wir sollten die Architektur nicht überschätzen, aber auch nicht unterschätzen. Sie ist kein sonderlich agiles Werkzeug. Es ist schwer, Architektur auf ironische oder wertende Art und Weise zu nutzen oder etwas mit ihr kommentieren zu wollen.
Und es ist ebenfalls ziemlich schwierig mit Architektur über Dinge zu reflektieren. Sie kann eher bestätigen. Damit meine ich: Architektur kann die Wichtigkeit von Räumen bestätigen. Sie ist ein sehr affirmatives Medium. In der Architektur geht es vor allem darum, Räume zu gestalten, in denen man sich wohl fühlt. Und weniger darum, Erinnerungen zu evozieren. Es sei denn, man bewegt sich in besonders monumentalen Themen. Beim Neuen Museum in Berlin haben wir «aus der Geschichte heraus» gebaut, aber das ist ein anderes Thema. Ich glaube nicht, dass im Fall vom Kunsthaus Zürich die Architektur mehr tun kann, als die Maschinerie zu liefern; den Rahmen in dem sich das Programm und die Ambitionen des Museums widerspiegeln und letztlich auch die Debatten, einschliesslich der um die Sammlung Bührle.

 

Magst Du spekulieren, wie ein Museum in 20 oder 50 Jahren aussehen könnte? Wie geht die Entwicklung weiter?

Das hat zwei Aspekte: Einer ist physisch und der andere betrifft das Programmatische und Soziale. Ich denke, dass Museen sich physisch nur sehr begrenzt ändern werden.
In den 1980er-Jahren hat eine enorme Welle von Museumserweiterungen eingesetzt. Du hast die Rolle dieser Museen im Stadtmarketing angesprochen. Vor allem das Guggenheim Museum in Bilbao hat deutlich gezeigt, wie Kunst helfen kann, eine Stadt zu profilieren. Jeder auf der Welt kennt das Gebäude. Diese Strategie birgt aber auch eine Gefahr: In Bilbao kommen letztlich nur 15 Prozent der Besucher*innen aus Bilbao selbst. So kann ein Museum nicht zu einem sozialen Mittelpunkt einer Stadt werden. Ich glaube aber, dass wir jetzt – vor allem nach der Covid-Pandemie – mit neuen Ökonomien und mit neuen Ängsten – eine Art Rückbesinnung erleben werden. Ich denke nicht, dass wir künftig noch so viele Museumserweiterungen sehen werden. Doch das kann durchaus positiv sein, wenn man die Energien künftig auf das Bespielen lenkt. Und ich denke, das geht mit der Unabhängigkeit Zeitgenössischer Kunst einher. Während konventionelle Medien wie Fernsehen und Zeitungen immer grössere Mühen haben, unabhängige Stimmen zu sein, scheinen mir zeitgenössische Künstler*innen oder vielleicht Schriftsteller*innen diese Rolle in der heutigen Zeit einzunehmen. Ich denke also nicht, dass sich Museen in ihrer Form zukünftig wesentlich verändern werden. Doch sie werden immer durchlässiger und wichtiger werden. Und dass sie in der Bespielung immer dynamischer werden, davon bin ich ebenfalls überzeugt.

 

> Liebe zur Qualität – archithese berichtete von der Grundsteinlegung der Kunsthauserweiterung in Zürich.

> Sind Form und Ideologie trennbar? Die Entscheidung, das Hauses der Kunst in München in den Ursprungszustand von 1937 zurückzuversetzen, erhitzte die Gemüter.

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Kommentare

Kommentar von heinrich o. matthias |

Man kann es schönreden wie man will, der Bau «sitzt» nicht in seiner Umgebung. Oder städtebaulich gesprochen: Die Situation ist nicht gelöst. Da nützt auch die aufwendige Materialisierung der Fassade nichts. Etwas was die Zürcher Architektenjuroren und Architekten endlich lernen müssen: Für die städtebauliche Qualität sind nicht die einzelnen Bauten ausschlaggebend , sondern die Zwischenräume welche diese definieren. Dieser Bau ist und bleibt – zum enormen Nachteil des Heimplatzes – ein Weisser Elephant. Wenn dem nicht so wäre, käme niemand überhaupt auf die Idee die Grösse des Volumens anzusprechen...

Kommentar von Andreas Diethelm |

Man stimmt Chipperfield gerne zu, der Neubau passt dank sorgfältiger Fassadengestaltung stilistisch gut zu seinen direkten Nachbarn. Der Plan verschiedener Interessengruppen von Bund, Kanton und Stadt, das ganze Hochschulgebiet (HGZZ) grossmassstäblich zuzubauen (und nicht bloss das Spital zu erweitern) bot den Promotoren eines Kunsthaus-Neubaus die Steilvorlage, auch am Heimplatz mit der grossen Kelle anzurühren.
Dies sind denn auch die gemeinsamen städtebaulichen Fehler beider Projekte: Maximalwünsche ans Raumprogramm und (dafür) die falsche Standortwahl. Der gleiche Frevel soll mit dem AXA-Bau am Stadelhofen wiederholt werden, wiederum ohne jede Rücksicht auf den Bestand. Calatravas überdimensioniertes kopfstehendes Bügeleisen wird nicht nur das Bahnhofsgebäude buchstäblich erdrücken, es wird die über der Bahnlinie stehende Baudenkmal Villa Hohenbühl samt Park aus dem Ortsbild verschwinden lassen. Genauso beim Kunsthaus: Was im Gespräch sorgsam ausgespart wurde, ist der hangseitige Aussenraum. Aus dem, wenigen, was davon übrig blieb, soll der in einem Nebensatz erwähnte «Garten der Kultur» werden. Abgesehen von «zwei kleinen Sporthallen», Baudenkmälern aus den Jahren 1880 und 1902, die für den Neubau abgerissenen wurden, war dort nämlich durchaus kein «Leerraum in der Stadt» sondern ein mehr als ein halbes Jahrhundert gedeihendes Schulbarackendorf mit vielfältigem altem Baumbestand und Stadtfauna. Dieser Schulbiotop für den sich eine Reihe bürgerlicher Regierungen nicht geschämt haben, war keineswegs so schäbig, wie die Bezeichnung des Gebäudetyps suggeriert. Und über dem «Garten der Bildung» grüsste die edle, weithin sichtbare Fassade der ersten Zürcher Kantonsschule von Wegmann,1942, Der Neubau hat dieses städtebaulich bedeutsame Ensemble aus dem Bewusstsein der Einwohner*innen ausgelöscht. Die Wettbewerbsjury meinte, mit dem Chipperfield-Entwurf entstehe eine «organische Verbindung vom Niederdorf und vom Heimplatz hinauf zum Hochschulgebiet.» Statt die magistral vielbeschworenen «Kultur- auf die Bildungsmeile» aber sichtbar zu machen, blockiert der Riesenkubus die Sicht von der «Kunst» in Richtung «Bildung» vollständig. Solche Realitäten hindern den Hochbauvorsteher aber keineswegs, völlig losgelöst das «Tor zu unserem Hochschulgebiet der Zukunft» zu feiern.
In allen drei Fällen (um es bei diesen zu belassen) zeigt sich: Immer wieder entscheiden kantonale und städtische Gremien nicht unabhängig im Sinne des ungeteilten öffentlichen Interesses, wie vom Gesetzgeber intendiert, sondern im Sinne privatwirtschaftlicher Partikularinteressen. Begründet wird der Ausverkauf der Stadt stereotyp mit dem Standortwettbewerb. Ohne Ortsbildpflege verkommt Zürich aber vollends zum geschichtsvergessenen Kuriositätenkabinett.

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