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I prefer not to

Von der Notwendigkeit «nein» zu sagen

Sind Architekten Ja-Sager? Peter Swinnen, Gastprofessor an der ETH Zürich, meint definitiv und hat die Vorlesungsreihe «I prefer not to» aufgegleist. Als erster von vier geladenen Gästen trat am vergangenen Dienstag Jan De Vylder auf und brachte Fallbeispiele aus dem Büroalltag bei de vylder vinck taillieu.

 

Text & Bild: Tibor Bielicky – 4.10.2016

Peter Swinnen hat für Oktober und November eine prominent besetzte Vortragsreihe mit dem Titel «I prefer not to» zum demonstrativen «nein» sagen initiiert. Denn für ihn ist die Architektur die Ja-Sager-Profession schlechthin.
Am vergangenen Dienstag trug Jan De Vylder vom belgischen Büro de vylder vinck taillieu als erster von vier geladenen Gästen vor und schilderte seine Positionen zum Thema. De Vylder präsentierte dabei keine klassische Werkschau, sondern ging direkt auf die Fragestellung der Vorlesungsreihe ein. Anhand von konkreten Beispielen aus seiner täglichen Arbeit setzte er sich damit auseinander, wann man als Architekt in der Pflicht sei, «nein» zu sagen.

 

Unkonventionelle Architekturen im Spannungsfeld zwischen «ja» und «nein»
Er meinte damit ein selbstbewusstes «nein» und sprach zugleich auch vom Bedauern, eingeknickt zu sein und nicht «nein» gesagt zu haben. Auch sprach der Belgier vom Durchhaltevermögen, das nötig sei, trotz einem «nein», nicht nachgegeben zu haben, und vom enttäuschenden «nein», dem ein «ja» vorausgegangen war. Er schilderte die Ereignisse so nüchtern wie authentisch und konfrontiert seine Zuhörer – im Gros Studierende – mit dem harten Berufsalltag der Architekten in Belgien. 
Zwischenzeitlich konnte man den Eindruck gewinnen, das Spannungsfeld zwischen «ja» und «nein» hätte zu den unkonventionellen Lösungen geführt hat, für die das Büro heute so bekannt ist. Und während des gesamten Vortrags kam ein entscheidender Aspekt für die Arbeit von Architekturschaffenden mehr und mehr zum Vorschein – nämlich die Frage, bleibe ich standhaft oder gebe ich nach?

 

Kompromisse in Gestaltungsfragen – ein Unding?
Diese Grundsatzfrage ist indes keineswegs neu: Schon 1959 gingen ihr Philip Johnson, Eero Saarinen und Victor Lundy bei einer Sitzung an der University of California in Berkeley nach. Damals diskutierten die drei Architekten darüber, ob man den Forderungen eines Bauherrn tendenziell nachgeben oder auf seiner Meinung beharren solle. Für Johnson war der Fall schnell klar: «If you give in now, the design can only get worse and be worse for your reputation. Because once you are represented by a building you don’t believe in… what is the future of living?!» Konzessionen in Gestaltungsfragen waren für ihn also ein Ding der Unmöglichkeit, eine völlig inakzeptable Vorstellung.
Doch nüchtern betrachtet kommt solch eine Haltung freilich überhaupt nur für diejenigen in Betracht, die es sich leisten können «nein» zu sagen. Ob sich Jan de Vylder das leisten konnte oder nicht blieb offen. Jedenfalls beendete er seinen Vortrag lediglich mit der Forderung: «Wir brauchen mehr Dada!»

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