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Hybrides Laboratorium

Barkow Leibinger haben auf dem Campus der renommierten Harvard Universität in Cambridge Bosten ein ArtLab realisiert, das den interdisziplinären Austausch zwischen verschiedenen künstlerischen Sparten fördert und den Campus belebt.

 

Text: Christina Horisberger – 12.6.2019
Fotos: Iwan Baan

 

Hybrides Programm
Interdisziplinäres und transdisziplinäres Experimentieren und Arbeiten hat an den Kunsthochschulen Hochkonjunktur. Es soll die Studierenden auf die vernetzten Arbeitswelten vorbereiten und die Kreativität in den Künsten fördern. Das eingeschossige Gebäude des ArtLabs auf dem Allstom Campus von Harvard wurde vom deutsch-amerikanischen Architektenduo Frank Barkow und Regine Leibinger windradartig um einen zentralen Hub organisiert: Studierenden, Lehrenden und Visiting Artists stehen hybride Räume zur Verfügung, während gleichzeitig die Flächen für Ausstellungen und Performances auch öffentlich genutzt werden können. Hierfür lassen sich die Räume entsprechend anpassen.
Das Gebäude bietet konkret eine Reihe von Studios und Ateliers, Werkstätten, Video- und Tonstudios sowie Gemeinschaftsflächen und Ausstellungsbereiche. Der zentrale Hub Space kann sowohl performativ – für Tanz, Musik und Film – also auch für Ausstellungen genutzt werden. 

 

Ephemerer Charakter
Der industrielle Charakter des ArtLabs entspricht seiner zentralen Nutzung als Experimentierfeld für die Künste. Die leichte Gebäudekonstruktion besteht aus Stahlstützen und vorgefertigten Stahlfachwerkträgern und ist mit leichten Polycarbonatplatten verkleidet, die in Teilbereichen verglast sind. Die Kunststoffpaneele erscheinen entweder lichtdurchlässig oder opak, wenn sie von geschlossenen Wänden hinterfangen werden. Die Materialwahl betont den ephemeren Charakter des Gebäudes und gewährt gleichzeitig robuste und anpassungsfähige Räume für die Kunst. Dabei erfüllt das ArtLab höchste Energiestandards (net-zero energy building). 
Das Gebäude erscheint bei Tag und Nacht als «Leuchtkasten» auf dem Campus. Besieht man frühe Visualisierungen des Harvard ArtLabs von Barkow Leibinger, dann erinnert die konstruktive Betonung der Horizontalen und Vertikalen den Bauten Ludwig Mies van der Rohes. Die transluzide Fassade und die Komposition aus verschiedenen Körpern lassen zudem an das Kirchner Museum von Gigon / Guyer denken. Das Gebäude lässt sich leicht ab- und wieder aufbauen. Falls der Standort für andere Nutzungen benötigt werden sollte, kann es an neuer Stelle auf dem Campus wieder errichtet und einer neuen Bestimmung übergeben werden. 

 

Materialbezogene Forschung
Regine Leibinger und Frank Barkow haben beide an der Harvard Universität Architektur studiert. Ihr eigenes Büro gründeten die beiden 1993 in Berlin. Heute beschäftigt dieses rund 70 Mitarbeitende. In den vergangenen Jahren entstanden zahlreiche Projekte im In- und Ausland. Zum inhaltlichen Schwerpunkt gehören neben der Erstellung langfristiger Masterpläne zur Standortentwicklung vor allem die Planung und Realisierung repräsentativer und funktionaler Bauten für Produktion, Logistik und Verwaltung. In jüngster Zeit steht bei Barkow Leibinger die Frage im Mittelpunkt, wie sich digitale Fertigungstechnologien und von Maschinen serienmässig massgeschneiderte Komponenten so anwenden lassen, dass sie Architektur nicht nur als Oberfläche oder Accessoire ergänzen, sondern dazu beitragen, dass konstruktive, räumliche Strukturen entstehen. Die materialbezogene Forschungsarbeit des Büros war zuletzt in mehreren Ausstellungen zu sehen, unter anderem an der Architectural Association in London, bei den Architektur-Biennalen 2008 und 2014 in Venedig oder an der Chicago Architecture Biennial 2017.

 

> Auch der im Mai verstorbene Architekt und Pritzker-Preisträger Ieoh Ming Pei hat in Harvard studiert.

In den nächsten Jahren wird sich das Aussehen des Areals der Universität Zürich durch Neubauten stark verändern.

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