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Herzflimmern

Auch Kapstadt hat nun mit dem Zeitz MOCAA ein neues Kulturflaggschiff in seinem Hafen liegen. Wie die Elbphilharmonie in Hamburg bietet der Silo-Umbau von Thomas Heatherwick Raum für Kunst und ein Hotel. Ein in die zylindrischen Kammern eingeschnittenes Foyer wartet mit einem beinahe barocken Raumerlebnis auf. Der Bau ist äusserst gelungen, wenn man vom kitschig-pompösen Luxushotel in den oberen Etagen absieht. In der kommenden Woche wird er eröffnet.

 

Text: Jørg Himmelreich – 18.9.2017
Fotos: Iwan Baan
Pläne: Heatherwick Studio 

 

Mit Fenstern, die wie geschliffenes Kristallglas anmuten, leuchtet das neue Museum of Contemporary Art Africa für zeitgenössische afrikanische Kunst über Kapstadts Hafen. Es überstrahlt die neuen Büros und Shopping-Malls vor Ort, welche seit den 1990er-Jahren errichtet wurden. Das Silo stammt aus den 1920er-Jahren und war einst das höchste Gebäude südlich der Sahara. Seit zwei Jahrzehnten wird darin kein Getreide mehr gespeichert. Nun soll es, zum Museum und Hotel umgenutzt, als Antwort auf die Elbphilharmonie in Hamburg oder die Tate Modern in London, Kapstadt auf der globalen Karte des Kulturtourismus verankern und dem neuen Stadtteil Leben und Prosperität bescheren.


Industriecharme vs. White Cube
Das Sichtbetongebäude besteht aus zwei Teilen: Einem Turm und einem Block mit 42 Silozellen. Um Raum für das neue Museumsfoyer zu schaffen, hat Heatherwick einen eiförmigen Void in die zylindrischen Silokammern geschnitten. Der neue Raum mutet barock und organisch an – wie eine Herzkammer, aus der grosse Aterien in das Innenleben des neuen Museums hinausführen. Glasaufzüge und Wendeltreppen bringen die Besucher in die verschiedenen Säle. Leider war die Tragstruktur nicht stark genug, um den Einschnitt zu ertragen. Die Wände der Kammern mussten zuerst mit 25 Zentimetern Beton verstärkt werden. Auch wenn das Sichtbare nicht wirklich das historische Bauwerk zeigt, mutet der Umbau archäologisch oder geologisch an. Weil zylindrische Räume nicht einfach zu bespielen sind, wurden zwei Drittel der Silokammern entfernt und durch simple White Cubes ersetzt. Diese sind generisch, beinahe langweilig geraten. Schade, dass nicht mehr der ursprünglichen Struktur erhalten wurde. Insgesamt wurden 6 000 Quadratmeter Raum für die Kunst geschaffen.

 

Wahrzeichen bauen
Ähnlich der Elbphilharmonie in Hamburg soll das umgenutzte Silo zum Wahrzeichen des neuen Stadtteils avancieren. Erst nachdem man mehrere Jahre über eine mögliche Nutzung nachdachte, entschied man sich für ein Museum. Mit grossen Institutionen wie dem Guggenheim wurde verhandelt. Mark Coetzee, der nun Kurator und Direktor des Museums ist, konnte den deutschen Geschäftsmann Jochen Zeitz (Puma Sportkleidung) für die Idee gewinnen. Dessen umfangreiche Sammlung afrikanischer Kunst wird nun in der neuen Institution gezeigt.
Wie in Hamburg versuchte man die Kosten für den Umbau und die kulturelle Nutzung durch den Mix mit einem kommerziellen Programm querzufinanzieren. Die verglasten oberen Etagen werden von einem Luxushotel eingenommen. Die Besucher der Galerie können bis auf eine Plattform auf der sechsten Etage hinauf fahren. Der Raum darüber ist den Hotelgästen vorbehalten. 

 

archithese Chefredaktor Jørg Himmelreich schrieb über die Hamburger Elbphilharmonie in archithese 1.2017 Swiss Performance

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