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Flaniermeile statt Schnellstrasse

 

Auf der zweispurigen Schnellstrasse Georges-Pompiduo donnert täglich der Verkehr am Seine-Ufer entlang durch die französische Kapitale. Doch damit soll jetzt Schluss sein: Bürgermeisterin Anne Hidalgo verkündete, dass die Stadtautobahn zwischen Place de la Concorde und Rathaus gesperrt und in eine Flaniermeile verwandelt werde und frohlockt über die «Wiedereroberung der Seine».

 

Text: Elias Baumgarten – 28.9.2016
Visualisierung: Luxigon

Für rund vier Wochen prägen schon jetzt jeden Sommer Sonnenschirme und Liegestühle das Bild entlang der Seine. Wo sonst Autos lärmen, bauen Kinder Sandburgen neben Imbissbuden, wenn die Stadtautobahn temporär gesperrt und in einen künstlichen Strand verwandelt wird. Nach einem Beschluss des Pariser Radhauses soll diese allsommerliche Atempause nun zum Dauerzustand werden und aus der Schnellstrasse eine Flaniermeile. Die Bürgermeisterin öst damit ein Teil ihres Wahlversprechens von einem «lebenswerteren Paris» ein. Die Revolution ist zugleich auch Experiment: Der Beschluss wird zunächst für ein halbes Jahr umgesetzt, bevor die Auswirkungen evaluiert und auf Basis der Daten erneut entschieden wird.

Freilich ruft die Umgestaltung auch Gegner auf den Plan: Taxifahrer und Fuhrunternehmer warnen vor einer wirtschaftlichen Negativentwicklung durch die Sperrung der Seine-Kais. Ausserdem stellen sie die These in den Raum, die Massnahme werde sogar zu einer höheren Umweltbelastung führen, weil das Verkehrsaufkommen auf den benachbarten Boulevards erheblich steige. Unterstützung erhält Hidalgo indes vom linken Stadtplaner Frédéric Héran: Gegenüber der Tageszeitung Le Figaro äusserte er, die Sperrung werde dazu führen, dass die Anwohner vermehrt auf ihre Autos verzichten und ihre Gewohnheiten allmählich umstellten. Langfristig würde der Verkehr in der City somit abnehmen.

 

 

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