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Ein Kommentar zum «Nein» zur Marke Guggenheim in Helsinki

Erneut platzen die Pläne für ein Guggenheim Museum in Helsinki. Der Stadtrat stimmt dagegen und warf das Projekt damit über Bord. 

 

Text: Anne-Dorothée Herbort – 8.12.2016
Bild: Moreau Kusunoki architectes, Gewinnerprojekt für das Guggenheim Museum Helsinki, 2015 (Visualisierung: artefactorylab)

 

Zu teuer und zu riskant
Die Solomon R. Guggenheim Stiftung hatte einen neuen Ableger ihrer Kunsthäuser in Helsinki geplant. Das neue Museum sollte in die Fussstapfen von Frank O. Gerys umjubelten Bau in Bilbao treten, den Tourismus ankurbeln und die Ökonomie der finnischen Hauptstadt insgesamt pushen. Doch der Stadtrat liess sich auch im zweiten Abstimmungsdurchgang nicht überzeugen das Projekt finanziell zu unterstützen. Bereits 2012 war dem Rat das Projekt zu teuer und zu riskant. Er hatte von der Stiftung Guggenheim einen alternativen Finanzierungsplan gefordert. Zwei Jahre später wurde ein offener internationaler Wettbewerb ausgeschrieben, ohne grünes Licht der Behörden für die Durchführung in der Tasche zu haben. Im Dezember, nach einer fünfstündigen Debatte, drehte die Regierung dem Projekt den Geldhahn entgültig zu. Zuletzt waren die Baukosten auf EUR 150 Millionen kalkuliert worden.

 

Umstrittenes Leuchtturmprojekt
Das Projekt scheiterte nicht nur aus politischen und finanziellen Gründen. In der Bevölkerung und insbesondere unter den Architekturschaffenden mehrte sich Kritik. Nicht alle waren vom Siegerprojekt des Pariser Büros Moreau Kusunoki überzeugt. Viele fanden es zu gewollt ikonisch und nicht sonderlich kontextuell verortet. Auch in der Kulturszene Finnlands war das Museum umstritten. Als zu konsumorientiert und zu touristisch brandmarkte beispielsweise der Finnische Architekt Juhani Pallasmaa das Projekt und befürchtete eine zu starke Dominanz der Guggenheim Stiftung bei der Bespielung.
Die Jury hingegen fand, dass sich der Cluster dunkler Holzpavillons gut ins Hafenviertel einfügen würde. Kleine Gärten und Innenhöfe sollten die Ausstellungseinheiten verbinden; ein Aussichtsturm mit gläserner Haube die konkaven Dächer überragen und wie ein Leuchtturm in den Himmel stechen.

 

Neue Tendenzen
Darf man das entschiedene «Nein» als eine generelle Abkehr von der iconic architecture werten? Vielleicht hätte der zweitplatzierte Wettbewerbsbeitrag des Schweizer Architekturbüros agps mit seiner unprätentiösen Gestaltung einen besseren Stand gehabt? Das Projekt wäre dem Ort am Hafen und dem direkt gegenüberliegenden Präsidentenpalast auf jeden Fall gerechter geworden. Das mit Sheddächern industriell anmutende Museumsgebäude hätte als Schanier zwischen der monumentalen Architektur der Altstadt Helsinkis und dem Kreuzfahrtterminal fungiert. Die «Kunstwerkhalle» hätte gemäss der Idee von agps mehr als ein Museum sein sollen: Die Ausstellungsräume schweben über einem öffentlichen Raum mit Workshops für lokale Künstler und hätten zu einem Treffpunkt für Einheimische und Touristen werden sollen. Vielleicht hätte die Jury architektonisch nicht nach nach Bilbao und auf die Hamburger Elbphilharmonie schielen und stattdessen eine Architektur auf das Siegertreppechen hieven sollen, die versucht, mit den vorhandenen Strukturen zu interagieren, zu verknüpfen, weiterzuspinnen. Architektonisch und städtebaulich wäre es die richtige Entscheidung gewesen. Aber hätte dies auch die Bevölkerung und Politiker überzeugen können? Das System, wie unter der Marke Guggenheim ein Museum bespielt wird, hätte dies schliesslich auch nur geringfügig verändert.  

 

– Mehr zum zweitplatzierten Entwurf To-in-one-museum von agps Architekten finden Sie hier.

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