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Durchgesetzt

In Berlin realisieren EM2N Architekten ein städtebauliches Projekt: Im Rahmen der Neugestaltung eines ehemaligen Gewerbegebiets gestalten sie das Quartier «Heidestrasse». So nimmt die geplante und teils bereits im Bau befindliche Europacity weiter Form an.

 

Text: Cyrill Schmidiger – 17.7.2017

 

Die bauliche Leere füllen
Die Umgestaltung des Gewerberiegels nörlich des Hauptbahnhofs ist eines der vielen Grossprojekte in der bundesdeutschen Kapitale. Dort entsteht momentan die Europacity. Während des Kalten Krieges und der Teilung der Stadt war das Gelände eine gigantische Brache, durchschnitten von der Mauer. Bahncontainern und Lagerhallen prägten das Bild. Heute wächst hier ein innovatives urbanes Quartier heran. Doch nicht alle haben Freude daran: In den Nullerjahren entwickelten sich Kreativwirtschaft, Nachtleben und Subkultur – was mancheiner nun auf dem Spiel sieht.
Die Atraktivität des Ortes resultiert indes vor allem aus der zentralen Lage beim Hauptbahnhof und dem attraktiven Hamburger Bahnhof, einem Museum für Gegenwartskunst. Das Leitbild des geladenen Wettbewerbs orientierte sich am Prinzip der durchmischten Nutzung. Entstehen soll ein dynamischer und nachhaltiger «Kiez».

 

Riegel mit Variation
EM2N Architekten bebauen nun ein Areal von 28 300 Quadratmetern und damit rund einen Viertel der Gesamtfläche der Europacity. Neben Büro- und Gewerbeflächen sind 860 Wohnungen geplant. Öffentliche Räume mit Cafés und Restaurants sollen für ein attraktives Freizeitangebot sorgen. Der Entwurf soll zudem die Natur in das Quartier holen – das viele Grün lockere die Architektur wesentlich auf, so die Idee. Geplant ist ein 500 Meter langer Riegel, der zehn unterschiedlich gestaltete Bauten miteinander verbindet. Die langgezogene Form soll auch zur Lärmschutzbarriere avancieren und ein angenehmes Wohn- und Arbeitsklima garantieren. Bei der Ausgestaltung liess sich das Zürcher Büro von der Berliner Industriegeschichte inspirieren und transformierte die lokalen Typologien in eine zeitgemässe Formensprache. So erreichen sie eine deutliche Adressbildung und eine eigene wiedererkennbare Ästhetik.
Der architektonische Riegel endet allerdings nicht in ermüdender Monotonie: Er besteht aus zehn präzis gesetzten und kraftvoll gestalteten Gebäuden. Fünf davon setzen durch ihre Höhe erfrischende Akzente in der horizontalen Silhouette. Mehrere Stellen der hellen Betonfassade sind gegen Nordosten als Loggien, Atrien oder Balkonzonen konzipiert. Im Nordwesten ist ein Bau als kraftvoller Solitär ausgebildet und setzt so einen Anfangspunkt für die Europacity – eine vernetzte Stadt und urbane Vielfalt sind deren Ziele. Auf dem Papier wird das neue EM2N-Projekt diesem hohen Anspruch gerecht. Man darf gespannt sein auf die praktische Umsetzung.

 

> Lesen Sie mehr über Visionen für künftiges Zusammenlebens: Daniel Niggli von EM2N nahm im Rahmen der Ausstellung Together! Wie wollen wir wohnen? im Vitra Design Museum an einer Diskussionsrunde teil.

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